Die Abteilung Tierhaltung mit Tierhaltungsschule und das Tierärzte Team Tiefenbach luden zum zweiten Schweinegesundheitstag in Triesdorf (Landkreis Ansbach) ein. Dort ging es unter anderem um Zahlen zur Branche. Es wurde deutlich: Deutschland liegt nicht im weltweiten Trend.
Innerhalb von zehn Jahren hat der Konsum von Schweinefleisch in Deutschland um ein Viertel auf 29 Kilogramm pro Kopf abgenommen. Die Zahl der Schweinehalter in Mittelfranken sank sogar um über 60 Prozent.
Im Gegensatz zu diesem dramatischen Rückgang nimmt weltweit die Schweinehaltung deutlich zu. Innerhalb der EU hat vor allem Spanien die Schweinehaltung gesteigert: um fast 30 Prozent auf nun über 34 Millionen Tiere.
Nach Ansicht vieler Fachleute, die sich beim Schweinegesundheitstag in Triesdorf trafen, ist diese Entwicklung noch nicht zu Ende. Als Ursache werden Bau-, Emissions- und Tierschutzvorschriften genannt, die es in dieser Form in anderen Ländern nicht gibt.
So berichtete Dr. Stephan Kruse vom deutsch-niederländischen Nahrungsmittelunternehmen Vion, dass der Schweinefleischverzehr in Deutschland von Januar bis August dieses Jahres noch einmal um 6,4 Prozent abgenommen hat.
In seinem Fazit sagte Kruse, dass der europäisch geprägte Markt auf eine sinkende Nachfrage stößt. Der Lebensmitteleinzelhandel stehe vor dem Problem, dass Schweinefleisch aus höheren Haltungsstufen derzeit nicht zu den vereinbarten höheren Preisen absetzbar sei, sondern nur über niedrigere Sonderpreise. Trotzdem gehen Prognosen dahin, dass Fleisch aus höheren Haltungsformen an Bedeutung zunehmen werde.
Weltweit liegt China mit einer Erzeugung von 52,8 Millionen Tonnen Schweinefleisch einsam an der Spitze der Weltproduktion von insgesamt 111 Millionen Tonnen. China forciert die Schweinehaltung mit dem Bau neuer Schweinehochhäuser, in denen die Sauen nur an vier Stunden im Monat aus ihren Kastenständen heraus dürfen. So soll der Inlandsbedarf gedeckt werden, denn in China ist der Verbrauch mit 53,6 Millionen Tonnen höher als die Erzeugung. Auch Japan und Korea müssen viel Schweinefleisch einführen.
An zweiter Stelle weltweit hinter China in der Schweinefleischerzeugung ist die EU mit 22,6 Millionen Tonnen. Es folgen die USA mit 12,4 Millionen Tonnen und Brasilien mit 4,4 Millionen Tonnen.
Friedrich Steinacker, der fachliche Leiter des Bereichs Schweinehaltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ansbach, fragt sich, wer sich darauf einlassen wird, bei immer neuen Bauvorschriften hinsichtlich des Tierwohls noch neue Ställe zu bauen.
Er bezweifelt auch, dass sich Landwirte durch Zuschüsse dazu locken lassen. Denn inzwischen sei ein neues Haltungskennzeichengesetz für die Schweinemast verabschiedet, das ab August 2024 für Mastbetriebe und ab August 2025 für den Lebensmitteleinzelhandel gelten soll. Bei allen Debatten um höhere Baukosten spreche auch keiner von dem höheren Arbeitsaufwand, der in Ställen mit Stroheinstreu, Auslauf, Außenklima und dergleichen anfällt, sagte Steinacker.