Für die Gemeinde Hagenbüchach war es ein großer Schritt, für Emskirchen ein ungewöhnlicher: Der Bau einer Kläranlage, die vom Emskirchener Ortsteil Pirkach und von der Nachbarkommune gemeinsam genutzt werden kann und soll. Am Samstag war der vergleichsweise neue Bau für die Öffentlichkeit zugänglich.
Das Thema Abwasser bewegt die Gemüter. Manchmal sind es die Kosten einer unvermeidbaren Investition für eine regelgerechte Abwasserentsorgung, ein anderes Mal die Geruchsbelästigung oder der neue Standort einer Kläranlage, die den Bürger bewegen. Am Samstag hatten nun die Bürger aus Pirkach und Hagenbüchach (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) erstmals die Gelegenheit, ihre gemeinsame Kläranlage zu besichtigen. Diese, bereits seit Juni 2021 in Betrieb, bewerkstelligt derzeit die Abwasseraufbereitung für rund 2000 Einwohner und hat Kapazitäten für die Anschlüsse weiterer Ortsteile oder Baugebiete.
Tag der offenen Tür: Die Sonne lachte vom Himmel, die Bratwürste brutzelten am Grill, die Getränke waren gekühlt und die Kläranlage wirkte wie frisch aus dem Ei gepellt. Die Kompetenzzentren an diesem Tag waren wie folgt verteilt: Hagenbüchachs Bürgermeister David Schneider beim Getränkeverkauf, Peter Kreibich, Vorstand der Gemeindewerke Emskirchen, am Grill und Andreas Kleinlein, geprüfter Abwassermeister, an diesem Tag in der Funktion des geduldigen Kläranlagen-Erklär-Bärs.
So stetig wie der Zustrom des Abwassers aus Toilette, Waschbecken, Dusche oder Waschmaschine in die Kläranlage in Pirkach, so stetig war der Zustrom der interessierten Gäste am Tag der offenen Tür. Geduldig erklärte Andreas Kleinlein immer wieder den Weg des Abwassers durch die Kläranlage: vom Zufluss über zwei verschiedene Leitungen, mit entsprechenden Messungen für die Abrechnung, über chemische Analysen von Zu- und Ablauf für die optimale Steuerung oder dem Kombirechen, der in einer mechanischen Reinigung grobe Verschmutzungen wie Hygieneartikel, Sand oder Fette aus dem Abwasser holt.
Die wichtigsten Kollegen von Andreas Kleinlein sind allerdings die Heerscharen von Bakterien und Mikroorganismen, die im Belebungsbecken ihren unverzichtbaren Dienst der Abwasserreinigung verrichten. Zusammen mit den angeschlossenen Becken für Sedimentation und Umwälzung, einem ausgeklügelten System des Wasseraustauschs und der Überwachung, Steuerung und, wenn notwendig, einer kleinen, wohl dosierten chemischen Nachhilfe von Andreas Kleinlein, läuft das System „Kläranlage“ in Pirkach rund.
Das Abwasser verlässt nach rund drei bis vier Stunden „Bearbeitung“ als klares Wasser die Anlage in Richtung Hammerbach. Am Ende des Rundgangs stand für die Besucher schließlich der Blick in das Schlammsilo: rund 900 Tonnen gesammelter Schlamm, lernte der Interessierte hier von Kleinlein, werden einmal pro Jahr verpresst, getrocknet und erreichen dann in Verbrennungsanlagen fast den Heizwert von Holzkohle.
Das Fazit einer überaus gelungenen Veranstaltung: viele Fragen der Gäste wurden umfassend beantwortet und Abwassermeister Andreas Kleinlein freut sich nach dem Fragen-Tsunami des Samstags wahrscheinlich auf seinen nächsten, regulären Arbeitstag, denn: die bereits erwähnte Heerschar seiner „Kollegen“ in Pirkach stellt keine Fragen – Mikroorganismen sind bekanntlich eher maulfaul.