Familie Ballish kam vor zehn Jahren aus Syrien nach Schillingsfürst, hat sich integriert und lebt heute in Nürnberg. Während die Kinder ein dauerhaftes Bleiberecht haben, läuft die Aufenthaltsgenehmigung der Eltern Ende Februar ab.
Alles begann mit der Explosion einer Autobombe, die die Hälfte des Wohnhauses der Familie Ballish in Damaskus zerstörte. Das war 2013. Zum Glück blieben alle unverletzt. Die Situation in Syrien wurde immer schwieriger: Bürgerkrieg schon seit 2011, eine galoppierende Inflation und Willkür des Assad-Regimes.
Familienvater Moneer war Innenarchitekt in Damaskus, er hatte ein eigenes Büro und hat bedeutende öffentliche Gebäude gestaltet. Eines Tages beschlagnahmten Soldaten das Büro, Moneers Existenzgrundlage war auf einen Schlag zerstört. Nach fünfjährigem Überlebenskampf gegen Terror und Bürgerkrieg entschloss sich die Familie, in einem anderen Land ein neues Leben zu beginnen. Dieser Entschluss führte sie schließlich 2016 nach Schillingsfürst.
Von Anfang an versuchte sich die Familie zu integrieren und lernte Deutsch. Die Kinder in der Schule und Moneer beim pensionierten Deutschlehrer Hans Emmert. Den Kontakt hatte das evangelische Pfarramt vermittelt, da alle Deutschkurse voll waren. „Ich habe dann begonnen, den syrischen Innenarchitekten und Vater von vier Kindern zu betreuen, indem ich ihm zunächst Deutschunterricht erteilte“, erinnert sich der Lehrer.
„Im Laufe der Zeit erfuhr ich von seiner künstlerischen Begabung und riet ihm, seine schrecklichen Erfahrungen durch Malen zu verarbeiten. Es entstanden sehr beeindruckende, aber auch depressive Bilder, die ich spontan in einer Ausstellung im Schloss Schillingsfürst der Öffentlichkeit zugänglich machen konnte. Das war auf Anhieb ein großer Erfolg.“ Sogar überregionale Presseagenturen berichteten über diese Ausstellung. Die ersten Bilder von Ballish waren schwarz/weiß, durch seine Erlebnisse hatte Syrien für ihn die Farbe verloren. Moneer malte immer weiter und machte weitere Ausstellungen.
Sein künstlerisches Talent setzte er ein für Kunstobjekte mit Schülern ein. Hans Emmert hatte eine 11. Klasse an der FOS/BOS Ansbach, zusammen mit einer Flüchtlingsklasse des staatlichen beruflichen Schulzentrums Ansbach-Triesdorf machten sie ein Kunstprojekt. Obwohl sie nicht dieselbe Sprache sprachen, haben sich die gemischten Gruppen verstanden.
Auf acht Tafeln wurde der Umriss eines Menschen skizziert, danach haben die Gruppen unabhängig voneinander ihr jeweiliges Bild gestaltet. Alle Menschen auf den acht Bildern hatten etwas gemeinsam, sie bekamen ein weißes Herz. Danach wurden die unterschiedlichen Menschen zu einem Bild zusammengesetzt.
Die Botschaft des Bildes ist klar: Egal welcher Hintergrund oder Hautfarbe, ist das Herz weiß, kann es Frieden geben. Inzwischen hat Moneer Ballish fast 40 Kunstprojekte mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt, wo es um Hoffnung auf Frieden und Völkerverständigung ging. Im Moment arbeitet er in Teilzeit in einem privaten, ambulanten Dienst als Betreuungsassistent in Nürnberg. Hier kümmert er sich um demenzkranke Menschen. Für diese hat er schon 20 Spiele zum Gedächtnistraining entwickelt, ein Verlag wird zwei davon demnächst veröffentlichen.
„Die Familie Ballish ist für mich das Musterbeispiel einer gelungenen Integration“, sagt Gerald Bär, einer der Unterstützer der Familie. Die Familie hat inzwischen Fuß gefasst in Deutschland. Eine Tochter ist bereits verheiratet, eine weitere studiert, die beiden Jüngsten machen gerade ihren Schulabschluss an Gymnasium und Realschule.
Die Kinder haben ein dauerhaftes Bleiberecht, die Eltern nicht, sie bangen wieder um ihre Zukunft und hoffen, nicht von ihren Kindern getrennt zu werden. Sie haben sich von einer Anwältin beraten lassen, zur Einbürgerung zählen demnach nur zwei Fakten: hat man schon 50 Monate in die Rente eingezahlt und kann man von seinem Gehalt leben. Bei den Rentenbeiträgen kommt Moneer auf 37, sein Teilzeitgehalt reicht leider noch nicht ganz, um die Familie zu ernähren.
Obwohl er mehrere Studienabschlüsse aus Syrien hat – unter anderem eben Innenarchitektur – werden diese hier nicht anerkannt und er bekommt keine Arbeit. Seite Ausbildung zum Betreuungsassistenten finden viele gut, aber Pflegeeinrichtungen wollen lieber Pfleger.
„Moneer hat immer gearbeitet, es gab nie Probleme mit der Polizei, er hat sich engagiert für Jugendliche und Demenzkranke. Das alles zählt aber nicht, es zählen nur Rente und Verdienst“, ist Bär enttäuscht. „Es gibt doch auch Einzelfallentscheidungen. Bei seinen ehrenamtlichen Projekten waren viele begeistert, Politiker haben sich gerne mit ihm für die Zeitung fotografieren lassen. Und wer hilft nun ihm und seiner Frau, damit die Familie nicht zerrissen wird?“