Suche nach neuen Namen: In Obernzenn gibt es drei Hauptstraßen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.04.2025 12:50

Suche nach neuen Namen: In Obernzenn gibt es drei Hauptstraßen

Vertreter des Sozialträgers, der in der Hauptstraße 16a in Obernzenn ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung betreibt, haben die geplante Namensänderung der Hauptstraße kritisiert. (Foto: Yvonne Neckermann)
Vertreter des Sozialträgers, der in der Hauptstraße 16a in Obernzenn ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung betreibt, haben die geplante Namensänderung der Hauptstraße kritisiert. (Foto: Yvonne Neckermann)
Vertreter des Sozialträgers, der in der Hauptstraße 16a in Obernzenn ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung betreibt, haben die geplante Namensänderung der Hauptstraße kritisiert. (Foto: Yvonne Neckermann)

Bürgermeister Reiner Hufnagel und der Obernzenner Marktgemeinderat haben ein Konzept zur Bereinigung identischer Straßennamen vorgelegt und dies bei Bürgeranhörungen zur Diskussion gestellt. Dabei wurde ein Aspekt thematisiert, den bislang niemand auf dem Schirm hatte.

Denn in der Hauptstraße in Obernzenn, deren Name geändert werden soll, befindet sich ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Die Hauptstraße 16a ist dabei nicht nur die Anschrift, sondern auch der Name der gesamten, über die Grenzen der Kommune hinaus bekannten Einrichtung.

Tausende Aufnäher müssten angepasst werden

Eine Änderung könne das Wohl der 19 dort untergebrachten Menschen gefährden, brachten mehrere Mitarbeiter des Trägers Diakoneo (früher Diakonie Neuendettelsau) im Anschluss an die Obernzenner Bürgerversammlung sehr eindringlich vor.

„Bis unsere Bewohner eine neue Adresse verinnerlicht haben, dauert das natürlich viel länger als bei anderen Menschen.“ Schließlich seien Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen darunter. „Stellen Sie sich vor, ein Bewohner irrt orientierungslos herum und hat seine Anschrift nicht auf Abruf parat.“

Hinzu käme der administrative Aufwand, und auch hier sah die Einrichtung sich besonders betroffen. „Wir haben alle Kleidungsstücke der Bewohner mit Adressaufnähern versehen, die alle geändert werden müssten.“ Es handele sich um mehrere 1000 einzelne Artikel.

Sowohl Bürgermeister Hufnagel als auch die anwesenden Mitglieder des Marktgemeinderats brachte dies noch einmal ins Grübeln. Denn wie sie einräumten, hatten sie die Relevanz des Einrichtungsnamens noch nicht entsprechend berücksichtigt. Diakoneo ist der wichtigste Arbeitgeber in der Gemeinde.

Seit Jahren wird nach einer Lösung gesucht

Dass Straßennamen geändert werden sollen, ist aber weiter unstrittig. Seit der Gebietsreform gibt es in Obernzenn drei Hauptstraßen und zwei Schulstraßen. Zweimal hatten Entscheidungsträger in den vorausgegangenen Jahrzehnten bereits dazu angesetzt, den Missstand zu beseitigen.

Schließlich kann es gefährlich werden, wenn der Rettungsdienst die korrekte Adresse nicht auf Anhieb findet. Da jedoch damit gerechnet werden muss, mit entsprechenden Änderungsplänen in der Bevölkerung auf großen Widerstand zu stoßen, war das Thema immer wieder ad acta gelegt worden. Der jetzige Marktgemeinderat will es aber nun endlich wagen.

Im Vorfeld der diesjährigen Bürgerversammlungen hatte die Gemeinde die Betroffenen persönlich zur Anhörung geladen sowie ihnen den gegenwärtigen Planungsstand und die angesetzten Kriterien übermittelt.

Zwei Schulstraßen sind leichter zu ändern

Dieses Schreiben war einigen sauer aufgestoßen, fühlten sie sich doch vor vollendete Tatsachen gesetzt. „Man sollte vorher doch in jedem Fall das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern suchen“, kritisierte eine Anwesende. Genau das sei doch der Hintergrund dieser Veranstaltung, entgegnete Hufnagel. „Entschieden ist noch nichts.“ Der Beschluss im Marktgemeinderat stehe erst nach den Anhörungen an.

Ein solcher Termin hatte auch für Wimmelbach und Unteraltenbernheim stattgefunden. Wie Hufnagel mitteilte, habe er den dortigen Widerstand als etwas geringer empfunden. „Die Namensänderung der Wimmelbacher Hauptstraße betrifft nur eine Handvoll Anwohner.“ Und auch die Bewohner der Schulstraße in Unteraltenbernheim hätten mehrheitlich das Argument akzeptiert, dass es dort schließlich keine Schule mehr gebe.

Geplante Änderungen

Künftige Straßennamen

  • Die Schulstraße in Obernzenn soll weiterhin bestehen bleiben, da sich hier immer noch eine Schule befindet.
  • Die Schulstraße in Unteraltenbernheim soll umbenannt werden, da hier keine Schule mehr vorhanden ist.
  • Die Hauptstraße in Unteraltenbernheim soll weiterhin bestehen bleiben, denn diese ist die längste Straße mit den meisten Betroffenen.
  • Die Hauptstraße in Obernzenn soll umbenannt werden, hier sind weniger Bürgerinnen und Bürger beziehungsweise Grundstücks-Eigentümerinnen und -Eigentümer betroffen.
  • Die Hauptstraße in Wimmelbach soll umbenannt werden, hier sind ebenfalls weniger Bürgerinnen und Bürger beziehungsweise Grundstücks-Eigentümerinnen und -Eigentümer betroffen.

Einige der Betroffenen aus Obernzenn empfanden genau diese Kriterien allerdings als willkürlich gewählt. Die Hauptstraße solle doch, wie der Name bereits sagt, im Hauptort sein, meinte jemand.

Außerdem wurden Namensvorschläge diskutiert. Viele fanden den Vorschlag nicht schlecht, die Hauptstraße in Unteraltenbernheim in Dorfstraße und die Hauptstraße in Wimmelbach in Hochstraße umzubenennen. Das Thema soll in einer der nächsten Sitzungen des Marktgemeinderats erneut auf die Tagesordnung.

„Es ist vermutlich unmöglich, eine Regelung zu finden, die alle völlig zufriedenstellt“, meinte Hufnagel. Getroffen werden müsse also eine Abwägungsentscheidung.


Von Yvonne Neckermann
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