Die Wiegleb-Orgel der Ansbacher Gumbertuskirche kennt Jörg Halubek schon lange. Seit 2007 ist er als Cembalist, Organist und Dirigent bei der Bachwoche zu Gast. Eine CD seines Bach-Projekts hat er dem Instrument auch schon gewidmet. Jetzt erarbeitet er mit seiner Orgelklasse an ihm ein großes Bach-Konzert.
Jörg Halubek ist Professor für Orgel und historische Tasteninstrumente an der Musikhochschule Stuttgart. Übe-Orgeln aller Art gibt es dort, aber kein Instrument wie die Wiegleb-Orgel, eine akribische Rekonstruktion der seinerzeit größten Orgel Frankens. Sie wurde genau in dem Jahr fertiggestellt, in dem Johann Sebastian Bach den „Dritten Teil der Clavier Übung” veröffentlicht hat. Der Titel des Werks darf nicht täuschen. Es ist alles andere als eine trockene Etüdensammlung.
Bachs „Clavier Übung” hat vier Teile. Der dritte ist mit 77 Seiten der umfangreichste. Bach widmet ihn den „Liebhabern, und besonders denen Kennern von dergleichen Arbeit zur Gemüths Ergezung”. Da die bearbeiteten Choräle etwa den Verlauf eines lutherischen Gottesdienstes widerspiegeln, hat sich der griffige Beiname „Orgelmesse” eingebürgert.
Diese „Clavier Übung”, findet Halubek, ist „Bachs musikalisches Testament für Orgel, womit er in Erinnerung bleiben wollte”. Bach hat die Sammlung, keine Selbstverständlichkeit, 1739 stechen und drucken lassen und veröffentlicht.
Halubek fasziniert die kunstvolle Vielfalt „von der Virtuosität über Farbigkeit und den ganzen Kosmos der theologischen Orgelkomposition mit ihrer Symbolik“. Ein Werk also, da ist der Musiker überzeugt, „das man sich nicht entgehen lassen darf, wenn man Bach und die Orgel liebt.”
Bachs Sammlung enthält 21 Choralbearbeitungen, vier Duetti und als Rahmen ein Präludium und eine dreiteilige Fuge in Es-Dur, beide von großartiger, konzertanter Wirkung. Zusammen sind das 27 einzelne Stücke. Dass das Neue Testament aus 27 Schriften besteht, 21 Briefen, vier Evangelien, der Apostelgeschichte und der Offenbarung des Johannes, ist zumindest eine verblüffende Zahlenanalogie – und dankbarer Stoff für Bach-Exegeten.
Seit Donnerstag erarbeitet Halubek mit zwei Studentinnen und sieben Studenten, von denen jeder im Konzert einige Stücke übernimmt, das große Werk. Weil die Wiegleb-Orgel viele und andere Klangfarben bereithält, die an Standardorgeln nicht zu finden sind, lässt sich der Klangsinn und Geschmack an ihr schulen. Dazu kommen, erläutert Halubek, die Kirchenakustik und die Mechanik einer Barockorgel, die nicht so „butterweich” ist, wie die einer Hochschulorgel.
Das Konzert findet am Samstag, 18. April, bei freiem Eintritt in St. Gumbertus statt und beginnt um 18 Uhr. Mit einer Pause dauert es etwa bis 19.45 Uhr.