Trotz Ferien haben die Verantwortlichen bei ANregiomed intensiv um Kompromisse gerungen. Am Montag, 22. September, kommt der Verwaltungsrat wieder zusammen und es könnte tatsächlich eine mehrheitsfähige Lösung geben. Die Zahlen für das laufende Jahr machen das etwas einfacher.
Der Kompromiss, der nach FLZ-Informationen auf den Tisch kommen soll, ist im Prinzip der Vorschlag der Verwaltungsräte aus der Stadt Ansbach vom Juli. Mit einer Veränderung bei einer markanten Zahl.
Seit Jahresanfang geht es darum, die künftige Struktur des Klinikverbundes festzuzurren. Anders gesagt: Welche medizinischen Leistungen werden an den Standorten Dinkelsbühl und Rothenburg künftig angeboten? Der ursprüngliche Plan der Verwaltungsratsspitze um Landrat Dr. Jürgen Ludwig und Oberbürgermeister Thomas Deffner, beide Häuser zu sektorübergreifenden Versorgern (SÜV) abzustufen, fand nicht die erforderliche Mehrheit. Ein SÜV setzt vor allem auf ambulante Angebote und hat nur eine Innere Medizin sowie eine Geriatrie als stationäre Abteilungen. Die Sorge war groß, dass sich damit im westlichen Landkreis die Notfallversorgung verschlechtert.
Die Fronten zwischen den jeweils sechs Verwaltungsräten aus dem Landkreis und der Stadt Ansbach waren verhärtet. Wobei es nach Informationen der FLZ mit Oliver Rühl (Grüne) einen Stadtrat gab, der stets mit den Kreisvertretern stimmte. Für die laut Satzung erforderliche Dreiviertel-Mehrheit – also mindestens neun Stimmen – reichte das dennoch nicht.
In die Juli-Sitzung ging Landrat Dr. Jürgen Ludwig, der Vorsitzende des Verwaltungsrates, mit einem Kompromissvorschlag. Letztlich liefe es auf einen weitgehenden Erhalt des Status quo hinaus. Dinkelsbühl könnte – zumindest bis zum Abschluss der Bauarbeiten in Ansbach – die Endoprothetik sowie eine telemedizinische Schlaganfalleinheit behalten. Die Kardiologie in Rothenburg würde ambulant weiter betrieben. Die Chirurgie in Rothenburg sollte ebenfalls als 24/7-Angebot bleiben.
Das war der strittige Punkt. In Medizinerkreisen ist umstritten, ob eine chirurgische Rund-um-die-Uhr-Abdeckung in Rothenburg erforderlich ist. Und sie kostet zwischen vier und acht Millionen Euro im Jahr – je nachdem, welchen Zahlen man vertraut. Im vergangenen Jahr lag das Defizit bei gut vier Millionen Euro, allerdings wird ANregiomed in Zukunft deutlich weniger der Leistungen abrechnen können, erläuterten Eingeweihte im Gespräch mit der FLZ. Die Rede ist von etwa der Hälfte. Das erklärt die große Bandbreite.
Die Verwaltungsräte aus der Stadt Ansbach hatten im Juli deutlich gemacht, dass sie nur bis zu einem gewissen Grad bereit sind, die Kosten der Chirurgie in Rothenburg mitzutragen. 2,5 Millionen Euro war die Grenzschwelle, die in der Sitzung genannt wurde. Bis dahin sollte nach dem Ansbacher Willen das Defizit nach dem normalen Schlüssel (70 Prozent Landkreis, 30 Prozent Stadt) verteilt werden. Alles darüber sollte der Landkreis alleine zahlen.
In den vergangenen Wochen gab es Annäherungen. Die Stimmen derer, die sich vorstellen können, dass es am 22. September zu einer Lösung kommen kann, mehren sich. „Ich bin überzeugt, dass das klappen wird”, sagte ein Mitglied des Verwaltungsrates. Nach Informationen der FLZ wollen Jürgen Ludwig und Thomas Deffner den Juli-Vorschlag aufwärmen, allerdings soll die Schwelle, ab der alleine der Landkreis zahlen muss, auf 3,5 Millionen Euro gesetzt werden. Es gibt Anzeichen aus beiden Lagern, dass man sich darauf einigen könnte. Denn allen ist klar: „Wir brauchen eine Entscheidung.”
Inwieweit die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) und die Regierung von Mittelfranken bei dem nun vorliegenden Vorschlag eine Rolle spielten, ist nicht bekannt. BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen war nach FLZ-Informationen in einer nichtöffentlichen Sitzung des Kreisausschusses zugeschaltet. Im ANregiomed-Verwaltungsrat hat es ein solches Treffen noch nicht gegeben. Engehausen gilt als Kenner der Krankenhauslandschaft in Westmittelfranken. Er gilt aber auch als jemand, der eher auf ambulante als auf stationäre Angebote setzt.
Es gibt mehrere Faktoren, die es den Verwaltungsräten etwas leichter machen. In allererster Linie: Das Defizit für das laufende Jahr wird deutlich geringer ausfallen als gedacht. Im Wirtschaftsplan stehen 32 Millionen Euro. Nach den Zahlen der ersten fünf Monate, die Klinikvorstand Dr. Gerhard Sontheimer in der Feriensitzung des Verwaltungsrates vorlegte, wird es eher nur die Hälfte.
Auf FLZ-Anfrage wollte ANregiomed keine Zahlen nennen. Es seien nur „Momentaufnahmen”, die zudem einer genauen Erläuterung bedürften, teilte das Unternehmen mit. „Darüber hinaus lassen sie kaum Rückschlüsse auf die zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahre zu.”
Sollte sich die Prognose tatsächlich bewahrheiten, wäre ANregiomed in Sachen Defizit dort angekommen, wo das radikalste der Zukunftsszenarien den Klinikverbund wirtschaftlich verortet hat. Das Szenario 6 sieht in Dinkelsbühl und Rothenburg ausschließlich ambulante Angebote vor und geht für 2029 von einem Defizit von 15 bis 18 Millionen Euro aus. Bei den anderen fünf im Raum stehenden Optionen würde es deutlich teurer für Stadt und Landkreis Ansbach. Schon im vergangenen Jahr sahen die Zahlen deutlich besser aus als vorhergesagt. Da wurden viele Einmaleffekte als Argument angeführt.
Das Gesundheitsministerium in München hat zuletzt ebenfalls Druck aus dem Kessel genommen. Die Leistungsgruppen, die festlegen, für welche Angebote die Krankenhäuser in Zukunft weiter Geld bekommen, müssen erst bis Ende November beantragt werden. Bislang war von Ende August die Rede gewesen. Auch die Zusammenarbeit mit Belegärzten soll einfacher werden. Das wäre ebenfalls eine Möglichkeit, um das medizinische Spektrum zu vergrößern.