Es ist seit Monaten das Aufreger-Thema schlechthin in Herrieden, nun gibt es eine weitere Episode: Die Verbindungsstraße zwischen dem bestehenden und dem neuen Wohngebiet Schrotfeld soll nach dem Willen der Mehrheit im Bauausschuss in den ursprünglichen Zustand zurückgebaut werden.
Die in der Vergangenheit nicht immer mit feiner Klinge geführte Diskussion hat längst auch politische Dimensionen erreicht. Ein Imageschaden für die Stadt wie auch die gewählten Vertreter ist nicht von der Hand zu weisen. Im Stadtrat ist man sich ob der unterschiedlichen Ansichten, wie mit der Situation am besten umzugehen ist, längst nicht mehr grün. Dabei geht es – verkürzt dargestellt – um 50 Zentimeter, die eine kurze Verbindungsstraße zu breit oder zu schmal ist.
Die Fakten dazu liegen längst auf dem Tisch: Ausgeführt wurde die Verbindung zwischen dem bestehenden Wohngebiet Schrotfeld 15.2 und dem neuen Abschnitt Schrotfeld 15.4 in einer Breite von 5,50 Meter, inklusive Engstelle, die 3,50 Meter maß. In diesen Dimensionen könnten Müllfahrzeuge oder auch Schneeräumfahrzeuge die Stelle befahren.
Doch die Verwaltung veranlasste ohne Rücksprache mit dem dafür zuständigen Bauausschuss das Verschmälern des Weges sowie den Einbau eines spitzen Knicks. Gut gemeint ist aber nicht immer gut gemacht: Für den rund 21.000 Euro teuren Alleingang hatte Bürgermeisterin Dorina Jechnerer als Chefin der Verwaltung offiziell die Verantwortung übernommen.
Weil aber auf entsprechende Nachfrage zur Fertigstellung des Weges zuvor mit „ausstehende Restarbeiten” geantwortet worden war, erhitzte das die Gemüter abermals. Die gewählten Vertreterinnen und Vertreter sahen und sehen sich in die Irre geführt. „Eine Hintergehung des Stadtrates”, wiederholte Wolfgang Strauß (CSU) seine Vorwürfe.
Doch wie mit der Situation umgehen, fragte die Bürgermeisterin nun im Bauausschuss und schilderte ihre Sicht: „Wenn wir etwas anderes wollen, brauchen wir einen neuen Erschließungsplan.” Den bräuchte man eben nicht, hielten Strauß und Stefan Beckenbauer (FoB) dagegen. Die Straße sei nach dem damaligen Erschließungsplan ordnungsgemäß gebaut worden, befand Beckenbauer und forderte: „Dieser Zustand ist wiederherzustellen. Da muss auch der Schwerlastverkehr durchfahren können.”
„Aber wie kommen wir kostengünstig aus dem Dilemma?”, bemühte sich Grünen-Stadtrat Matthias Rank um einen Kompromiss und schlug vor, die bestehende Straße an einer Seite mit einer Pflasterung oder Asphaltierung zu verbreitern. „Es kann doch nicht sein, dass wir wegen 50 Zentimetern die Straße wieder rausreißen und neu bauen müssen.”
Derweil erinnerte Armin Jechnerer (Bürgerforum) an den ursprünglichen Beschluss des Stadtrates anno 2020. Mit 18:1-Stimmen hatte sich damals eine deutliche Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Verbindungsstraße zwischen den Wohngebieten nur dem Ziel- und Quellverkehr dienen und eben nicht dazu einladen sollte, die Route als Abkürzungsstrecke zu nutzen. Zumal das mutmaßlich einer zusätzlichen Belastung des angrenzenden Wohngebietes in der Pfarrer-Speinle-Straße gleichkäme. „Das sollte keine Einladung zum Durchfahren sein”, mahnte Jechnerer. Eine Botschaft, die im Ringen um Recht und recht haben weitestgehend ungehört blieb.
Neben dem nicht messbaren Verlust der Glaubwürdigkeit dürfte auch der Schaden in finanzieller Hinsicht nicht unerheblich werden. Die Kosten für den abermaligen Rückbau und damit der Wiederherstellung des Zustands zu Jahresbeginn dürften sich im gleichen Rahmen wie der von der Verwaltung angeordnete Rückbau bewegen. Die Frage, ob eine Versicherung dafür einspringt, wie Gaby Rauch (Freie Wähler) anmerkte, blieb derweil unbeantwortet.
Einig war sich das Gremium nur in dem Bestreben, eine möglichst wenig kostenintensive Lösung anzupeilen. Damit wurde nun die Verwaltung beauftragt. Im Beschlussvorschlag für den Stadtrat setzte sich die Mehrheit rund um die CSU durch: „Es ist die ursprüngliche Erschließungsplanung wiederherzustellen, auch wenn sie nicht hundertprozentig dem Bebauungsplan entspricht.”