Auf dem Gebiet der Gemeinde Langenfeld finden sich gleich zwei wichtige und viel befahrene Brücken: die Eisenbahnbrücke mit einer der meistbefahrenen Zugstrecken Deutschlands zwischen Nürnberg und Würzburg und die Brücke der B8. Darunter liegen rund 20 Leitungen – zwei weitere werden verlegt.
Bürgermeister Reinhard Streng bezeichnete die Stelle der Staatsstraße 2256 unter der Eisenbahnbrücke und Bundesstraße 8 immer wieder als „Nadelöhr“. Nun will die Nachbargemeinde Baudenbach auch noch eine neue Wasserleitung bis zum Langenfelder Sportplatz legen, um dort ab dem Übergabeschacht Fernwasser zu beziehen.
Der seit drei Jahren für Langenfeld zuständige Projektleiter für Tiefbaumaßnahmen, Bauingenieur Martin Liebl, erklärt es so: Unter den Brücken ist es einfacher als unter den Gleisen. Dort herrschten andere Bedingungen vor.
Unter dem Radweg ist alles voll.
Da unter dem Radweg mit Leitungen schon „alles voll“ sei, muss die Staatsstraße für die Baudenbacher Leitung geöffnet werden. In diesem Zuge, erklärte Liebl, werde die N-Ergie voraussichtlich auch ein Stück ihrer 20-kV-Leitung dort einbringen – jenes, was über einen Mast im Augenblick noch in der Luft über die Bahnbrücke und die B8 führt. Dafür werden die beiden überholungsbedürftigen Masten vor und hinter den Brücken abgebaut, damit die Leitung künftig unterirdisch verlaufen kann.
Unter der Staatsstraße 2256 – dort könne man nur rund anderthalb Meter tief aufgraben – liegen bereits die Wasserleitung Langenfelds zur Industriestraße, ein Telekomkabel und die Entwässerung der beiden Brücken und der Bundesstraße. Für Letztgenanntes waren mehrere Leitungen längs und quer verbaut worden, ebenso Schächte.
Unter dem Radweg – dieser Bereich liegt höher als die Staatsstraße, also könne man insgesamt tiefer graben – liegt der mit 600 Millimeter Innendurchmesser größte Kanal Langenfelds: der Mischwasserkanal, welcher zur Kläranlage führt. Zudem findet sich im Radweg die Druckleitung von Langenfeld nach Sugenheim. Wer dort graben würde, würde auch noch auf die Druckleitung der ehemaligen Molkerei (Bayerischen Milchindustrie; BMI) im Erdreich stoßen – und ebenso auf deren Kühlwasserleitung. Die N-Ergie hatte, so erläuterte Liebl, auch ein Erdungskabel unter den Radweg gelegt.
Weiter fordert die Telekommunikation ihren Tribut. Glasfaserkabel von Telekom und Vodafone sowie etwa sechs Leerrohre der beiden Versorger liegen ebenfalls im Erdreich. Auch die in einem Schutzrohr befindliche Steuerleitung der BMI parallel zu deren besagter Druckleitung ist im Nadelöhr zu finden. Eine Erdgas-Hochdruckleitung führt ebenso unter dem Radwegbereich hindurch.
Die Brücken wurden laut Streng an dieser Stelle errichtet, weil sie dort gut auf Fels gegründet werden konnten. Fels bildet schließlich eine stabile Grundlage für die Fundamente der Pfeiler. Die Bahnbrücke wurde im 19. Jahrhundert gebaut, die B8-Brücke in den 1930er Jahren. Letztere wurde im Jahr 2010 erneuert, Erstere bereits 1985.
Interessant ist das Nadelöhr auch aufgrund des Ehebaches, der von Langenfeld unter den Brücken weiter nach Hambühl fließt. Das Hochwasser dort hat man laut Streng stets in den Griff bekommen, wisse man doch, wo es sich zuerst bemerkbar macht: in der Staatsstraßen-Kuhle.