Stammzellspende in Ippesheim: Wenn ein Fremder zum Lebensretter wird | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 28.01.2026 15:45

Stammzellspende in Ippesheim: Wenn ein Fremder zum Lebensretter wird

 Stammzellenempfänger Rainer G. (links) mit Stammzellenspender Ralf Haug (rechts). Sie tragen ihre „speziellen“ T-Shirts. (Foto: Josefine Mühlroth)
Stammzellenempfänger Rainer G. (links) mit Stammzellenspender Ralf Haug (rechts). Sie tragen ihre „speziellen“ T-Shirts. (Foto: Josefine Mühlroth)
Stammzellenempfänger Rainer G. (links) mit Stammzellenspender Ralf Haug (rechts). Sie tragen ihre „speziellen“ T-Shirts. (Foto: Josefine Mühlroth)

Auf dem T-Shirt von Rainer G. steht „Empfänger“, auf dem von Ralf Haug „Spender“. Beide strahlen über beide Ohren. Am 10. Januar haben sie sich zum ersten Mal persönlich in Ippesheim getroffen.

Unter normalen Umständen wären sie sich vielleicht nie begegnet, aber das Schicksal hat seine eigenen Wege gewählt. Rainer G., der nicht mit vollem Namen erwähnt werden will, spendet 5000 Euro an DKMS, in der Hoffnung anderen Betroffenen zu helfen, ihren passenden Spender zu finden. Der Einschnitt in Gs. Leben findet im Juli 2023 statt. Der damals 55-Jährige aus dem westlichen Landkreis ist mit seinem selbst ausgebauten Wohnmobil unterwegs, im Urlaub.

Hoffen und Bangen

Dann klingelt mitten in der Nacht das Telefon. Seine Ärztin fordert ihn auf, die Reise sofort abzubrechen und sich in einer Uniklinik vorzustellen. Wenig später steht fest, dass G. am myelodysplastischem Syndrom, einer schweren und todbringenden Erkrankung des blutbildenden Systems, leidet. Das einzige, was ihm das Leben retten kann, ist eine Stammzelltransplantation. Für den Unternehmer ist die Diagnose ein Schock.

Fragen nach dem „Warum“ bleiben natürlich unbeantwortet. Bis dahin war er gesund gewesen, nun bestimmen Angst, Ungewissheit und sogar Wut auf das Schicksal seinen Alltag. Die Zeit auf der Warteliste wird zur Zerreißprobe. Wird sich ein passender Spender finden? Und wird sein Körper die Therapie verkraften? Hoffnung und Zweifel wechseln sich täglich ab. Eine zentrale Rolle beim Versuch, sein Leben zu retten, spielt die DKMS, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei. Die gemeinnützige Organisation registriert weltweit potenzielle Spender, typisiert deren Gewebemerkmale und stellt die Daten den Transplantationszentren zur Verfügung – über Ländergrenzen hinweg.

Ein kaum fassbares Glück

Jede Registrierung verursacht Kosten, weshalb sich die DKMS über Spenden finanziert. Ihr Ziel ist stets dasselbe: für Erkrankte einen genetisch passenden Spender zu finden – rechtzeitig.

Das könnte Sie auch interessieren
Seuffert-Orgel: Markt Bibarts alter Schatz soll endlich wieder erklingenGeld und Arbeit: Wie die „Quastler” sich um die „Tafel” verdient gemacht habenAnsteckende Newcastle-Krankheit ist zurück: Das sollten Geflügelhalter beachtenWilli will's in Feuchtwagen wissen: Moderator begeistert in prallvoller StadthalleDie Bürgerstiftung Herrieden unterstützt ehrenamtliches Engagement in der StadtANregiomed in Dinkelsbühl bildet Pflegefachkräfte in Teilzeit ausLebenshilfe-Familienzentrum in Feuchtwangen setzt Zeichen für KinderrechteMVZ für Haus- und Zahnärzte: Herrieden will ein Gesundheitszentrum bauenNeue Praxis für Funktionaloptometrie in Ansbach: Augenarzt kritisiert MethodeRegionale Hilfstransporter fahren monatlich ins KriegsgebietNeuer Ansatz gegen Sehprobleme: Funktionaloptometrie-Praxis eröffnet in AnsbachTheaterprojekt, Schule und Frauenhaus: Ansbachs Kinder- und Jugendstiftung hilftLichtenauer Motorradfahrer engagiert sich für ein Kinderhospiz: So kann man helfenMedizinisches Versorgungszentrum in Wassertrüdingen: Ist eine Förderung möglich?Hausärztliche Versorgung mit Zukunft

Am 14. November 2023 ist es so weit: Rainer G. erhält die lebensrettende Stammzellspende. Sein Spender bleibt zunächst anonym. Dass ein bis dato fremder Mensch sein Leben rettet, empfindet G. bis heute als kaum fassbares Glück. Der Spender heißt Ralf Haug, ist 53 Jahre alt, Maschinenbauer und Familienvater. Er hatte sich Jahre zuvor bei der DKMS registriert – ausgelöst durch einen Aufruf für ein leukämiekrankes Kind.

Erstes Kennenlernen

Als Haug erfährt, dass er als Spender in Frage kommt, wird aus einer abstrakten Registrierung plötzlich Verantwortung für ein konkretes Leben. Die Entscheidung trifft er schnell und ohne zu zögern. Die Spende selbst verläuft ohne Komplikationen. Über mehrere Stunden werden Stammzellen aus dem Blut gefiltert – ein heute gängiges Verfahren mit geringer Belastung für den Spender. Zwei Tage nach dem Eingriff ist Ralf Haug wieder ganz der Alte.

Erst Monate später erfährt Haug, dass der Empfänger ein Mann über 30 ist und in Deutschland lebt. An Weihnachten 2023 erreicht ihn dann ein (noch) anonymer Brief von dem Mann, den er mit seiner Spende gerettet hat. Ursprünglich wollte auch Haug unbekannt bleiben, doch der Brief und die Dankesworte darin stimmen ihn um. Zwei Jahre nach der Spende lernen sich Spender und Empfänger kennen.

„Lasst euch registrieren“

Für Rainer G. bleibt der Weg nach der Stammzellenübertragung zunächst steinig. Es kommt zu Abstoßungsreaktionen; schwere Infektionen und große Erschöpfung fordern Geduld, emotional gleichen diese Wochen einer Achterbahnfahrt.

Heute geht es ihm wieder gut. Schritt für Schritt kehrt die Kraft zurück, auch weil er nun weiß, dass das Ende seiner Lebensreise noch nicht erreicht ist. Sein Appell ist klar: „Lasst euch registrieren.“ Auch Ralf Haug richtet sich an Unentschlossene: Der Aufwand für die Registrierung sei gering – doch die Auswirkung könne ein ganzes Leben retten.


Von Josefine Mühlroth
north