Stadtfestival „Rothenburg ist bunt” feiert die Vielfalt in der Demokratie | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.07.2025 19:00

Stadtfestival „Rothenburg ist bunt” feiert die Vielfalt in der Demokratie

Bei der Kundgebung trugen Menschen bunte Flaggen, Transparente und Schilder bei sich. (Foto: Irmeli Pohl)
Bei der Kundgebung trugen Menschen bunte Flaggen, Transparente und Schilder bei sich. (Foto: Irmeli Pohl)
Bei der Kundgebung trugen Menschen bunte Flaggen, Transparente und Schilder bei sich. (Foto: Irmeli Pohl)

„Rothenburg ist und bleibt bunt.“ Takuma Wohlfahrt betonte bei der Kundgebung des Stadtfestivals „Rothenburg ist bunt” am Samstag auf dem Marktplatz, wie wichtig Vielfalt, Zusammenhalt und Empathie sind, um demokratische Werte zu erhalten.

Die Sonne strahlte, bunte Farben schmückten die Stadt: Zum Festival hatte der Verein Grenzkunst geladen. Mit Workshops, Musik, Straßenständen und Aktionen für ein respektvolles Miteinander. Von Freitag bis Sonntag war die ganze Stadt Bühne für Vielfalt.

Achtsamer Umgang für die Demokratie

Die Veranstaltenden wünschten sich einen „achtsamen, respektvollen Umgang miteinander”, teilten sie bei der Kundgebung mit. Von den Treppen des Rathauses herab begrüßte zunächst Takuma Wohlfahrt eine Menschentraube, die sich auf den Pflastersteinen davor versammelt hatte. Bunte Flaggen wehten im Wind, Plakate und Transparente waren zu sehen.

„Wir wollen gemeinsam ein Zeichen setzen”, so Wohlfahrt. Gerade in Zeiten, in denen demokratiefeindliche Stimmen besonders laut scheinen, sei es wichtig, Flagge zu zeigen. Auch Oberbürgermeister Dr. Markus Naser begrüßte die Menschen mit einer Rede. „Wir sind hier vereint in der Überzeugung, dass Rothenburg bunt ist und bleiben muss.” Es sei wichtig, demokratische Werte zu verteidigen. Dafür müsse man sie lebendig werden lassen und vor allem sichtbar, so Naser. Nur gemeinsam könne die Gesellschaft gestärkt für die Demokratie eintreten.

Rothenburg ist seit 2010 Ort der Vielfalt, erklärte der Oberbürgermeister. Es sei ein Ort, der auf Achtung setze, nicht auf Ausgrenzung. Ein Ort, in dem Alter, Sprache, Glaube oder der Körper keine Rolle spielten für ein gemeinschaftliches Miteinander. In dem aus Verschiedenheit Verbindung entstehe. All das verlange jedoch Offenheit und den Mut, neue Wege zu gehen. Und Engagement - denn jede und jeder könne dazu beitragen, dass sich alle in der Stadt wohlfühlen.

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Eine Stimme für alle, die sich noch nicht trauen

Auch die Interaktion kam nicht zu kurz: Beim „Diversity-Bullshit-Bingo” konnten die Zuschauenden etwas zu Altersdiskriminierung, Frauenfeindlichkeit, Homophobie oder Rassismus lernen. Auf Karten standen Sätze wie „Die GenZ hat keinen Bock zu arbeiten“, die nach und nach aufgerufen wurden. Wer zuerst eine Reihe angekreuzt hatte, konnte einen Preis gewinnen. Moderiert wurde das Spiel von Dr. Julien Bobineau von der Denkfabrik Diversität in Würzburg.

Takuma Wohlfahrt hielt im Anschluss an das Bingo eine Rede, in der er allen eine Stimme gab, „die noch keine Stimme haben, die sich noch nicht trauen”, wie er betonte. Er erzählte von sich selbst, von seinem Leben vor einigen Jahren, als er in Tokio, London und München wohnte und sich die Frage stellte: „Kann ich wieder zurück nach Rothenburg und dort der Mensch sein, der ich jetzt bin?”

Empathie und Menschlichkeit

In den Großstädten habe er erlebt, wie unterschiedlich Menschen leben. Und wie es ist, die Freiheit zu haben, man selbst zu sein. Doch auch Zweifel und Erwartungsdruck hätten diese Zeit geprägt. „Ich möchte auch in Rothenburg mit meinem Freund durch die Stadt gehen können, ohne angefeindet zu werden“, so Wohlfahrt. Nur mit Zugewandtheit, Empathie und Menschlichkeit könne eine Gesellschaft entstehen, in der sich alle wohlfühlen, ein Rothenburg, in dem niemand Angst haben muss, so zu sein, wie er oder sie ist.

Begleitet wurde die Kundgebung vom Wettringer Kneipenchor, der mit Liedern wie Lady Gagas „Born This Way” oder von Wir sind Helden „Nur ein Wort” die Botschaft musikalisch unterstrich.

In den Gassen der Stadt klang diese auch nach der Kundgebung. In den kleinen Fähnchen, die über den Biergärten im Wind wehten, oder in den bunten Plakaten, die überall aushingen. Auch in den sanften Gitarrenklängen oder den wummernden Bässen des Techno im Spitaltorgraben. Oder sei es bei den Workshops, in denen die Besuchenden etwas über demokratische Werte lernen und sich auf Unbekanntes einlassen konnten.

Schönes Wetter und gut besuchte Stände

Die Veranstaltenden zeigten sich zufrieden. Takuma Wohlfahrt zu der mit geschätzt 200 Anwesenden zwar etwas klein ausgefallenen Kundgebung: „Für das erste Mal war es echt super.“ Auch Oliver Götz von Grenzkunst sieht das ähnlich: „Wir hatten Glück mit dem Wetter. Und es war ein buntes Stadtfestival mit schöner Kundgebung“, sagte er im Gespräch mit der Redaktion. Es sei schön gewesen zu sehen, wie breit das Festival von allen unterstützt und angenommen wurde. „Es war überall gut besucht, da kann man zufrieden sein.“

Ob es im nächsten Jahr wieder ein Stadtfestival geben wird? „Wir hätten auf jeden Fall Lust, das zu wiederholen und als Stadtfestival zu etablieren. Das könnte die Lücke im Juli, verbunden mit der Botschaft, sehr gut füllen“, betont Götz. In konkrete Planungen sei man allerdings noch nicht eingestiegen.


Irmeli Pohl
Irmeli Pohl
Volontärin
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