Die Lungensportgruppe Bad Windsheim war im Juli 2012 gegründet worden. Im Februar dieses Jahres nun stand sie kurz vor dem Aus. Doch durch eine spontane Rettungsaktion gelang es, ihren Fortbestand zu sichern. Dringend gesucht werden jetzt allerdings noch Trainer mit der Lizenz für den Übungsleiter B „Rehabilitationssport“ Innere Medizin.
Es war das, was man eine Hiobsbotschaft nennt: Als Marion Webert am 26. März dieses Jahres ihre Whatsapp-Nachrichten checkte, war da auch eine, die ihr so gar nicht gefiel. Darin hieß es, dass die Physiotherapiepraxis, die bislang als Träger der Bad Windsheimer Lungensportgruppe fungierte, dies ab sofort nicht mehr tun werde. Als Grund für den Ausstieg wurden „wirtschaftliche, personelle und praxisinterne Gründe“ genannt.
„Da waren wir schlicht und ergreifend vor den Kopf gestoßen“, sagt Webert, die den Lungenstammtisch Marktbergel mit initiiert hat und auch regelmäßig die Lungensportgruppe in Bad Windsheim besucht. Ihren Kontakten ist es zu verdanken, dass der ambulante Reha-Sport, der wöchentlich in der Turnhalle der Physiotherapieschule Kybalion am Nordring stattfindet, kurzfristig einen neuen Träger gefunden hat.
Man schloss sich der Reha-Vital-Sport-Gemeinschaft (RVSG) in Rothenburg an, einem Verein für ambulanten Rehabilitationssport. In dem Verein engagiert sich auch Karin Scholz. Sie wird die Bad Windsheimer Lungensportgruppe künftig trainieren. Denn auch die bisherigen drei Trainerinnen haben aufgehört. Doch ein Übungsleiter ist auf Dauer nicht ausreichend. Karin Scholz wird nur alle zwei Wochen nach Bad Windsheim kommen, nicht wöchentlich. Die Mitglieder der Lungensportgruppe aber wollen ihren gewohnten Rhythmus unbedingt beibehalten. Deswegen werden nun dringend weitere Trainer gesucht.
Doch diese Suche gestaltet sich extrem schwierig. Denn nur wer die Lizenz für den Übungsleiter B „Rehabilitationssport“ Innere Medizin vorweisen kann, darf eine Lungensportgruppe betreuen. Und offenbar können nur wenige Experten diese Zusatzausbildung vorweisen. „Ich wüsste nicht, wo wir noch nachfragen könnten“, sagt Dr. Borghild Grün, Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie, mit eigener Praxis in Bad Windsheim. Sie hat sich bereits intensiv um Trainer-Ersatz bemüht. Bislang erfolglos.
Grün ist es ebenfalls ein großes Anliegen, dass die Gruppe bestehen bleiben und sich wöchentlich treffen kann. Denn sie verschreibt ihren Patienten gerne diesen Reha-Sport. Weil sie dessen Nutzen kennt. Und den Bedarf an solchen Angeboten. „Ich könnte sofort zehn weitere Verordnungen ausstellen.“
Früher gab es sogar mal drei Lungensportgruppen in Bad Windsheim. Aktuell sind es zwei, mit jeweils bis zu 15 Teilnehmern. Sie treffen sich immer dienstags. Nach Fürth, Nürnberg, Ansbach oder Rothenburg zu fahren, um an den dort stattfindenden Lungensportgruppen teilzunehmen, ist für die Betroffenen keine Option. Wegen der körperlichen Strapazen können sie die Fahrten nicht bewältigen. Einige der Gruppen seien auch ausgebucht und würden niemanden mehr aufnehmen.
„Wir brauchen diesen Sport, er tut unendlich gut“, sagt Helmut Guggenberger und betont, wie enorm wichtig auch die soziale Komponente der Gruppe sei. Denn indem man Betroffene treffe, die ähnliche gesundheitliche Probleme haben, fühle man sich weniger allein. Der Austausch helfe, die täglichen Probleme mit der Krankheit zu bewältigen. Die ist allerdings nicht bei jedem komplett gleich. Einige haben Asthma, andere nur noch einen Lungenlappen oder COPD, eine chronische Lungenerkrankung.
„Unsere Krankheiten sind meist chronisch und können nicht geheilt werden. Aber der Sport ermöglicht es uns, besser mit den Beschwerden umzugehen“, erklärt Petra Weide. Elke Gerdes sieht das genauso und betont zusätzlich, wie wichtig auch für sie der persönliche Austausch in der Gruppe sei. Ihr habe das beim Umgang mit ihren Einschränkungen enorm geholfen.
Welchen Wunsch die Teilnehmer der Gruppe an einen künftigen Trainer haben? „Er sollte gerne mit Musik arbeiten. Das kennen wir so, da sind wir verwöhnt“, heißt es. Denn so lange sie Luft hätten, würden sie auch gerne mitsingen. Oder dazu pfeifen. Country und Rock'n Roll seien sehr beliebt. Doch sei man durchaus auch offen für Neues.
Und wie ist die Gruppe so drauf, die ein möglicher Trainer antreffen würde? „Fröhlich und motiviert sind wir, lustig und immer gut gelaunt.“ Man sei mit sehr viel Spaß bei der Sache und würde im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten alles geben. Toleranz werde groß geschrieben, genauso wie gegenseitiges Verständnis.
Wer die Bad Windsheimer Lungensportgruppe trainieren möchte, kann sich bei Dr. Borghild Grün unter der Telefonnummer 09841/2370 melden oder per Mail an: info@lunge-gruen.de