Wetten, Sie erinnern sich noch an Ihre Windpocken, sofern sie welche hatten? An die vielen, vielen juckenden Bläschen auf der Haut? Man war froh, als das Virus wieder weg war.
Wieder weg? Ein Trugschluss. Denn die Erreger der Windpocken, Varizella-zoster-Viren, verschwinden nicht aus dem Körper. Stattdessen wechseln sie in einen Schlummermodus. Mit ein wenig Pech kommen sie eines Tages als Gürtelrose zurück. Acht Fragen und Antworten rund um die Erkrankung, die man auch als Herpes zoster kennt.
Gürtelrose kann in jedem Alter auftreten. Einzige Voraussetzung: Man muss im Leben einmal an Windpocken erkrankt sein. „Denn der Erreger schlummert auch Jahrzehnte danach noch latent in den Nervenzellen“, sagt Prof. Daniela Hartmann, Chefärztin und Dermatologin an der München Klinik. „Ausgelöst wird diese Reaktivierung durch eine Schwächung des Immunsystems.“ Diese kann verschiedene Auslöser haben: Stress, Erkrankungen, Medikamente - oder manchmal schlichtweg das Alter.
Übrigens: Auch wer als Kind gegen Windpocken geimpft wurde, kann an Gürtelrose erkranken. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings gering, und die Erkrankung verläuft meist ohne Komplikationen. Seit 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) allen Kindern in Deutschland eine Windpocken-Schutzimpfung.
Erkennen kann man die Gürtelrose am Hautausschlag. Er besteht aus roten, brennenden Bläschen, oft an einer Seite des Rumpfes. Oft zeigt er sich gürtelförmig, daher kommt der Name. Dazu sind Nervenschmerzen ein typisches Symptom.
„Gürtelrose kann den ganzen Körper betreffen“, sagt Prof. Alexander Dalpke. Er ist ärztlicher Direktor am Zentrum für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Auch der Trigeminusnerv und damit Augen und Ohren können bei einer Gürtelrose schmerzen, ebenso Genitalien und innere Organe. In seltenen Fällen bleiben die Bläschen aus und es kommt nur zu Nervenschmerzen.
Schon bevor sich die ersten Bläschen zeigen, bemerken Betroffene typischerweise ein Kribbeln oder Stechen, allgemeine Mattheit und unspezifische Schmerzen, die sich wie Muskelkater anfühlen können.
Alexander Dalpke rät: „Bei Verdacht auf Gürtelrose unbedingt schnell zum Arzt gehen. Antivirale Mittel wie Aciclovir bremsen das Virus und lindern Schmerzen – aber nur, wenn sie im Anfangsstadium gegeben werden.“
Vor allem aber reduziert die Behandlung das Risiko für schwerwiegende Komplikationen und anhaltende Nervenschmerzen. Übrigens: Bei schweren Verläufen kann eine stationäre Behandlung im Krankenhaus nötig sein.
Der Verlauf dauert meist zwei bis vier Wochen. Danach ist der Spuk längst nicht immer vorbei: „Bei bis 20 Prozent aller Patienten entwickelt sich eine sogenannte Post-zoster-Neuralgie, auch postherpetischer Schmerz genannt“, sagt Daniela Hartmann: „Dabei handelt es sich um quälende Nervenschmerzen, die oft jahrelang andauern.“
Fies: Von ihnen können auch Augen und Ohren betroffen sein, dann besteht zudem das Risiko von Hörverlust und Sehschäden.
Oft trifft es Ältere. „350.000 bis 400.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland daran, zwei Drittel davon sind über 50 Jahre alt“, fasst Daniela Hartmann zusammen. Chronische Erkrankungen, Stress oder eine Immunschwäche aufgrund von Therapien erhöhen das Risiko, dass es einen erwischt.
„Die Gürtelrose ist deutlich weniger ansteckend als die Windpocken, die per Tröpfcheninfektion quasi mit dem Wind übertragen werden können – daher auch der Name“, sagt Alexander Dalpke.
Wenn man die Bläschen der Gürtelrose gut abdeckt, ist die Ansteckungsgefahr gering. Gerade den Kontakt mit Schwangeren, Säuglingen und Immunschwachen sollte man dennoch meiden. Kommt es zu einer Ansteckung, erkrankt der oder die Angesteckte übrigens nicht an Gürtelrose, sondern an Windpocken.
Im Grunde für alle, die bereits in ihrem Leben die Windpocken durchgemacht haben. Für sie beträgt das Risiko an Gürtelrose zu erkranken über die gesamte Lebenszeit gesehen rund 33 Prozent. Damit ist sie keine seltene Erkrankung.
Da das Risiko mit dem Alter steigt, empfiehlt die Stiko die Impfung allen ab 60 Jahren. Für Menschen mit Vorerkrankungen gilt die Impfempfehlung bereits ab dem Alter von 18 Jahren. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Für vollen Impfschutz braucht es zwei Spritzen im Abstand von zwei bis sechs Monaten. Die Impfung reduziert das Risiko an Gürtelrose zu erkranken und schützt vor schweren Verläufen mit postherpetischer Neuralgie.
Wichtig: „Auch wer bereits eine Gürtelrose überstanden hat, sollte sich danach impfen lassen, denn das Virus bleibt weiterhin im Körper und kann auch mehrfach reaktiviert werden“, sagt Alexander Dalpke.
Möglicherweise. Das Portal „infektionsschutz.de“ des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) verweist auf entsprechende Studienergebnisse. Sie deuten darauf hin, dass die Impfung auch eine schützende Wirkung für Gehirn und Blutgefäße haben könnte. Es brauche jedoch weitere Untersuchung, um dies zu bestätigen.
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