Robert Hellenschmidt war eine Rothenburger Institution. Als Künstler prägte er aber nicht nur seine Heimatstadt. Auch Schillingsfürst inspirierte ihn. Das dortige Doerfler-Museum, dem er sich eng verbunden fühlte, würdigt den im Juli 2022 verstorbenen Zeichner mit einer Sonderschau, die am Samstag eröffnet wurde.
Bis Anfang Juni werden in mehreren Räumen des Ausstellungshauses rund 60 Werke von Hellenschmidt präsentiert, darunter neben Karikaturen, für die er bekannt war, auch mehrere deutlich aufwändigere Zeichnungen, die nachweisen, dass sich seine Kunst nicht auf das hintersinnige Stricheln beschränkte. Für das Bereitstellen der Werkauswahl dankte Museumsleiterin Hai Yan Waldmann-Wang in ihrer Begrüßung der Witwe Hildegard Hellenschmidt.
Die künstlerische Freiheit, von der das Lebenswerk Robert Hellenschmidts geprägt sei, erkläre sich aus dem Umstand, dass er eben gerade keinen akademischen Hintergrund gehabt habe, so die Leiterin. In den rund 1900 von ihm angefertigten Karikaturen, aber auch in seinen fotografischen Zeichnungen, in Collagen und Gemälden spiegelten sich 50 Jahre regionaler Zeitgeschichte wider. Seine Beharrlichkeit eigne sich als Vorbild für wissenschaftliche Lehrbücher, meinte sie weiter.
Die Hauptrede bei der Vernissage hielt Markus Löschel, der zusammen mit Johannes Munique das benachbarte kleine Jenisch-Museum initiiert hat. Im Rahmen der Bemühungen, die Schillingsfürster Spezialsprache für die Bevölkerung greifbarer zu machen, hatte sich 2018 auch eine Zusammenarbeit mit Robert Hellenschmidt ergeben. Der Künstler erstellte damals zu mehreren Themen der Jenisch-Ausstellung treffende Zeichnungen mit Sprechblasen.
Der Autodidakt Hellenschmidt habe es stets verstanden, seinen Motiven und Figuren Tiefe und Lebendigkeit zu geben, erklärte Löschel: „Viele Zeichner benötigen dafür Farbe. Ihm genügte der Bleistift.“ Bei seinen gestrichelten Kommentaren habe Hellenschmidt auch immer darauf geachtet, niemanden zu brüskieren oder gar zu beleidigen. Und in die Herzen der Schillingsfürster habe er es mit seinen einzigartigen Jenisch-Illustrationen geschafft.
Die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit ihm für eine weitere Buchveröffentlichung zum Thema sei fest verabredet gewesen. Leider habe sein Tod 2022 das verhindert, so Löschel. Der Schillingsfürster Bürgermeister Michael Trzybinski bezeichnete den Rothenburger Künstler als „markante Persönlichkeit“. Hellenschmidt sei durch seine Arbeit als Karikaturist für viele in der Region zur Ikone geworden, so Trzybinski.
Stellvertretender Landrat Stefan Horndasch unterstrich Hellenschmidts Meisterschaft, komplexe Sachverhalte zeichnerisch auf den Punkt zu bringen. Für musikalische Farbtupfer sorgte bei der Vernissage Jürgen Strauß mit dem Akkordeon.
Die Ausstellung „Erinnerung an Robert Hellenschmidt“ bleibt bis Sonntag, 2. Juni, im Doerfler-Museum zugänglich. Geöffnet ist das Haus von Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr.