Ist Markus Söder ein Schillingsfürst-Fan? Unwahrscheinlich ist das nicht, war er doch schon zum zweiten Mal innerhalb relativ kurzer Zeit in der Stadt. Er besuchte am Sonntag das Heimatfest und fuhr beim Umzug in einer Kutsche mit. Am Freitag brauchte Bürgermeister Michael Trzybinski nur zwei Schläge beim Bieranstich.
Im Winter 2022 hatte Ministerpräsident Söder den Fürstlichen Weihnachtsmarkt im Schillingsfürster Schlosshof besucht und sich auch ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Jetzt war er wieder da.
Bei der Festansprache zum Auftakt des Kirchweih- und Heimatfestes in Schillingsfürst am Freitagabend hatte Bürgermeister Michael Trzybinski angesichts des großen Andrangs im Bierzelt noch vom „Söder-Fieber“ gesprochen. Und er betonte in diesem Zusammenhang auch die enormen Sicherheitsvorkehrungen. „Ich bin froh, wenn am Dienstag das Zelt abgebaut wird und nichts passiert ist.“ Auch Feuerwehrvereinsvorsitzender Dieter Jakoby bestätigte, dass die Anforderungen für die Veranstaltenden deutlich gestiegen seien. „Zum Absperren der Zufahrtsstraßen setzen wir unsere eigenen Feuerwehr-Fahrzeuge ein. Aber das reicht nicht, deshalb werden wir von befreundeten Feuerwehren aus der Umgebung zusätzlich unterstützt.“
Doch vor dem Söder-Sonntag wurden erst einmal der Freitag und Samstag gefeiert. Am Freitag bewegte sich vom Marktplatz aus ein langer Festzug zum Festzelt, angeführt von der Stadtkapelle Schillingsfürst. Bürgermeister, Stadtrat, Ehrengäste, örtliche Vereine und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zogen an den Fahrgeschäften und Verkaufsständen vorbei und versammelten sich vor dem Festzelt, um dabei zu sein, wenn der Kirchweihbaum aufgestellt wird.
Traditionell obliegt diese Aufgabe jedes Jahr einem anderen Verein. In diesem Jahr hatte sich der Verein „Hand in Hand“ dazu bereit erklärt, der sich weit über Schillingsfürst hinaus mit großem Engagement der Nachbarschaftshilfe und der Hilfe für in Not geratene Menschen widmet. Das hatte sich vor allem deshalb gut angeboten, weil der Verein heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert. In Zukunft wird er neben vielen anderen Vereinen auf dem Kirchweihbaum mit einem eigenen Schild und Vereinslogo vertreten sein.
Es hatte schon ein wenig gedämmert, das Festzelt war noch relativ leer, nur beim Party-Service am Küchenzelt standen hungrige Kirchweihgäste schon Schlange. Dann stülpten die Vereinsmitglieder von „Hand in Hand“ mit ihrer Vorsitzenden Irene Becker die Ärmel, um mit Begleitung der Stadtkapelle den Kirchweihbaum in die richtige Position zu bringen. Mit vereinten Kräften, tatkräftiger Unterstützung des Bürgermeisters und großem Applaus der vielen Zuschauerinnen und Zuschauer stand der Kirchweihbaum kerzengerade vor dem Festzelt.
Dieses füllte sich anschließend unter den Klängen des Schäfertanzes durch die Stadtkapelle in wenigen Minuten fast bis auf den letzten Platz. Vor der Bühne warteten bereits Reinhard Mai (Geschäftsführer der Reindler-Bräu aus Jochsberg) und seine Tochter Franziska. Die Krüge, das Bierfass, der Holzhammer und die Lederschürze – alles lag schon bereit. Bürgermeister Trzybinski schritt zur Tat und erledigte seine Aufgabe souverän: Er brauchte nur zwei Schläge.
In seiner Festansprache begrüßte der Rathauschef vielen Ehrengäste – unter anderem Professor Dr. Klaus Siewert, der am Sonntag in der Albert-Zietz-Halle einen Vortrag über die Jenische Sprache hielt.
Der Bürgermeister dankte den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für den Aufbau des Festzeltes, der Stadtkapelle Schillingsfürst und Reinhard Mai für das „herzhafte, frische Bier“.
Mit großer Freude kündigte er den Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten zum Festzug am Sonntag an. „Das ist eine große Ehre für unsere Stadt und für die gesamte Bevölkerung.“ Nach Festrede und Fassanstich gehörte die Bühne der Band „Partyräuber“, die bis spät in die Nacht für stimmungsvolle Unterhaltung sorgte.
Mit großer Spannung wurde dann am Sonntag Söders Besuch erwartet. Zuerst war er vormittags im Nürnberger Knoblauchsland beim Festgottesdienst anlässlich 200 Jahre Kärwa in Neunhof gewesen, dann machte er einen Mittagessen-Stopp bei einer berühmten Fast-Food-Kette – so postete er zumindest in den sozialen Medien. Dann wartete Schillingsfürst.
Um 12.30 Uhr war es so weit. Zwei große dunkle Limousinen näherten sich dem Wasserturm – und dann war er da. Der Ministerpräsident stieg aus, richtete seinen Blick gen Himmel. Angenehm warm war es, die Regenwolken weggeblasen.
Bürgermeister Trzybinski empfing ihn herzlich. Er nahm in der historischen Kutsche Platz, gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Andreas Schalk, stellvertretendem Landrat Hans Henninger und Trzybinski.
Viele Gäste waren gekommen, um den Festzug anzusehen. Manche hatten Stühle dabei und machten es sich bequem. Für Musik sorgte unter anderem die Schillingsfürster Stadtkapelle. Am ehemaligen Feuerwehrhaus blieb die Prominentenkutsche stehen, die Ehrengäste betraten eine große aufgebaute Tribüne. Der Festzug defilierte jetzt an ihnen vorbei.
Viele Vereine aus und um Schillingsfürst waren dabei, Blaskapellen aus der näheren Umgebung sorgten immer wieder für abwechslungsreiche Musik und der Rothenburger Schäfertanz zeigte Tanzformationen. Gruppen in historischen Gewändern waren zu sehen wie der Schillingsfürster Bauernhaufen. Er grüßte die Prominenz ebenfalls und stimmte dann ein Lied an, mit dem im Bauernkrieg die Obrigkeit in die Knie gezwungen werden sollte. Doch das ist 500 Jahre her. Söder quittierte das mit einer humorvollen Geste und winkte dem singenden Bauernhaufen zu.
90 Minuten dauerte der prächtige und abwechslungsreiche Umzug. Schließlich reihten sich der Ministerpräsident und der Bürgermeister in den Festzug ein, um das kurze Stück vom ehemaligen Feuerwehrhaus zum Festzelt zu Fuß zu gehen, wo sie mit Blasmusik und Applaus empfangen wurden. Im Festzelt dann wurde Söders Rede mit Spannung erwartet.
Söder betonte, es sei ihm eine große Freunde hier zu sein. Die ganze Woche sei er unterwegs gewesen, in München, in Schwaben. Und er habe sich gefreut, am Sonntag da zu sein, wo es am schönsten ist. München sei zwar schön, doch Franken schöner. Im ländlichen Raum liege die Seele Bayerns, da arbeite man miteinander, nicht gegeneinander. Und er fügt hinzu: „In jedem bayerischen Dorf steckt mehr Verstand als manchmal im ganzen Berliner Regierungsviertel.“
Die Kutsche in der er gefahren sei, „war die engste Kutsche der Welt“. Er sei noch nie so eng neben einem Bürgermeister oder einem Landtagsabgeordneten gesessen wie heute. Was ihn besonders beeindruckt habe, sei die große Vielfalt im Ehrenamt, so Söder. Das Ehrenamt halte „uns zusammen”, und er dankte für das Engagement.
Beeindruckt sei er von der Gründung der Fremdenlegion in Schillingsfürst. In Schillingsfürst gebe es alles, was das Herz begehre. „Wir sind alle modern und zukunftsorientiert”, so Söder, „doch solche Tage wie heute gehören dazu, dass man miteinander feiert, dass man Musik hört und sich zu seinen Werten bekennt.” Der Ministerpräsident ist davon überzeugt, dass 95 Prozent der Menschen in der Welt sofort tauschen würden, wenn sie hier leben dürften. Er endete seine Rede so: „Gott schütze Franken, Gott schütze Schillingsfürst.“