Ist die Landesgartenschau 2027 in Bad Windsheim noch zu retten? Das soll zeitnah in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung geklärt werden. Bürgermeister Jürgen Heckel hält daran fest, während der designierte Geschäftsführer Hanspeter Faas einen Strukturwandel für essenziell betrachtet.
Wie die Bayerische Landesgartenschau GmbH (ByLGS) am Donnerstag in einer Pressemitteilung erklärte, nimmt Hanspeter Faas, der die Geschäftsführung der Schau in Bad Windsheim antreten sollte und ein bundesweit anerkannter Fachmann ist, Abstand von der Aufgabe. Seine „Vorstellungen hinsichtlich einer vertrauensvollen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit“ mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, also Jürgen Heckel, und der Geschäftsführerin Birgit Grübler sah er „schon sehr schnell nicht erfüllt“, wird er in der Mitteilung zitiert.
„Eine Gartenschau ist ein großes Gemeinschaftswerk, an dem viele Beteiligte arbeiten“, erklärt Faas am gestrigen Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung. Nur, wenn man sie als solches begreife, werde sie erfolgreich. Dazu gehören für ihn Abstimmungen, Kompromisse und klare Aufgabenzuordnungen. Die Bereitschaft, die Schau als Gemeinschaftsprojekt zu sehen, habe er in Bad Windsheim nicht gespürt. Zudem spiele Vertrauen in der Zusammenarbeit eine zentrale Rolle.
„Das politische Geschäft ist in Bad Windsheim nicht vom operativen getrennt. Beide agieren auf einer Ebene. Das ist in so einem Projekt nicht ganz richtig“, findet Faas, der seit über 45 Jahren mehrere Landes- und Bundesgartenschauen organisiert hat. Die politische Ebene – also Aufsichtsratsvorsitzender Heckel – zeichnet den Weg, aber um das Hauptgeschäft kümmert sich die Geschäftsführung. „Das sollte man nicht vermischen“ – auch um Arbeitsprozesse nicht zu verlangsamen, schließlich drängt die Zeit. Vertrauen sei Voraussetzung, um eine solche Gartenschau anzugehen – „dafür muss man sich nicht erst kennenlernen, das ist eine Grundeinstellung“, sagt Faas.
Ein Beispiel: Wie der Fachmann berichtet, wollte er sich bei einem Rundgang über das Gartenschau-Gelände ein eigenes Bild machen. Ein solcher kam terminlich nicht zustande. Die Begründung: Nur Jürgen Heckel oder Birgit Grübler könnten einen solchen durchführen, so Faas. „Es ist nicht nötig, dass der Bürgermeister immer dabei ist. Ich kann mir auch einen fachlichen Eindruck bilden, ohne jedes Detail zu kennen“, betont Faas, der das grundsätzliche Konzept der Bad Windsheimer Schau durchaus ansprechend findet.
Seine Position habe er den Bad Windsheimer Verantwortlichen gegenüber schriftlich und persönlich dargelegt. Die Entscheidung, den Geschäftsführer-Posten gar nicht erst anzutreten, sei wohlüberlegt gewesen. „Das war ein Prozess über mehrere Gesprächsrunden“. Letztlich habe Faas für sich erkannt: Das funktioniert nicht. „Das größte Kapital, das eine Schau hat, um sie vorzubereiten, sind die Mitarbeiter. Die Menschen müssen Freude an der Arbeit haben. Dieser Faktor, den hab ich hier nicht gespürt bei mir.“
Eine solche Situation, wie nun in Bad Windsheim, habe es so noch nicht gegeben, erklärt ByLGS-Geschäftsführer, Martin Richter-Liebald, gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Jede Schau ist individuell mit ihren Menschen und Orten, aber so etwas gab es noch nicht.“ Laut der Pressemitteilung hat sich die ByLGS nun an den Aufsichtsrat der Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 GmbH gewandt, um eine Klärung herbeizuführen.
Zeitnah soll eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung stattfinden, „bei der das Wie besprochen wird“. Um welche inhaltlichen Punkte oder Fragen es gehen wird, wollte Richter-Liebald nicht kommentieren. Ob für eine weitere Zusammenarbeit Personalwechsel auf der Bad Windsheimer Seite nötig sein werden – dazu äußerte Richter-Liebald sich nicht. Fakt ist für ihn: „Man muss uns zuhören.“ Und dann auch in die Umsetzung gehen.
Positiv bewertet der ByLGS-Geschäftsführer, dass die Bad Windsheimer Stadträte und auch der Bürgermeister grundsätzlich hinter der Landesgartenschau 2027 stehen. Bürgermeister Heckel wollte sich am gestrigen Freitag im Gespräch nicht näher zu den jüngsten Entwicklungen äußern. In der Stadtratssitzung am Donnerstagabend seien sie im nicht-öffentlichen Teil angesprochen worden. „Der Wunsch im Stadtrat war: Wir wollen die Landesgartenschau 2027“, sagt Jürgen Heckel.
Man wolle nun mit der ByLGS „Wege finden, um das gemeinsam zu schaffen. Als Team. Wir haben ein gemeinsames Ziel“. Zusammen solle eine Lösung gefunden werden im Sinne der Landesgartenschau, so Heckel. „Wir wollen konstruktiv mitarbeiten.“ Wie die Lösung aussehen soll, darauf ging er nicht ein. Birgit Grübler war am gestrigen Freitag bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.
Für Hanspeter Faas persönlich ist das Projekt Landesgartenschau 2027 in Bad Windsheim abgeschlossen. Er rät den Verantwortlichen jetzt „alles auf den Prüfstand zu stellen“. Faas hofft, dass durch den jetzigen Aufschlag deutlich wird, dass sich unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kein Erfolg eingestellt hätte. „Wenn der Schlag positiv gesehen wird und man sich ernsthaft mit den Strukturen auseinandersetzt“, hält Faas es für möglich, dass die Schau in Bad Windsheim noch zu retten ist.
Und was, wenn man sich nicht einig wird? Wäre die Großveranstaltung auch ohne ByLGS umsetzbar? Richter-Liebald sagt dazu: „Ohne uns gibt es keine Landesgartenschau in Bad Windsheim. Genauso wie es sie nicht ohne die Stadt Bad Windsheim geben wird.“