Rot, grün, gelb, säuerlich, süß – so facettenreich zeigen sich die Apfelsorten in der Region. Und genauso abwechslungsreich sind die Aufgaben einer Apfelkönigin. Wer das genau weiß, ist Anna Sauber: Die Obermögersheimerin repräsentiert die Fränkische Moststraße schon in ihrem siebten Amtsjahr.
Bereits seit der Gründung der Interessengemeinschaft (IG) ist es Tradition, dass eine Apfelkönigin das Gebiet der Moststraße repräsentiert. Die erste Hoheit wurde 2006 gewählt. Anna Sauber folgte vier Jahre später. Die damals 17-Jährige war von ihrer Mutter ermutigt worden, sich für das Ehrenamt zu bewerben – und „das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens“, sagt die 31-Jährige.
Im Vorstellungsgespräch konnte sie den damaligen Vorsitzenden der IG Fränkische Moststraße, Karl Engelhard, überzeugen: „Ich habe die Zusage bekommen und war dann so aufgeregt. Es ist eine andere Welt.“ Mit 18 gehe man normalerweise mit Freunden fort, fahre Inliner und sie habe damals noch Fußball gespielt. „Da ist es dann etwas ganz anderes, wenn man auf einmal Reden halten oder auftreten muss.“
„Wir haben’s hier auch schön.“
Ihre erste Rede hielt Sauber im Sommer 2010 beim Altstadtfest in Herrieden. Dort wurde erstmals bekannt gegeben, dass die Obermögersheimerin zur Apfelkönigin gekürt werde. Und sie erinnert sich noch an einen Satz, den sie damals gesagt hat: „Wir müssen nicht nach Mallorca fliegen, um einen schönen Urlaub zu haben, wir haben’s hier auch schön.“ Hinter dieser Aussage stehe sie nach wie vor.
Am 13. November 2010 wurde es dann offiziell: Anna I. wurde in Wittelshofen zur Apfelkönigin der Fränkischen Moststraße gekrönt. Ihre erste Amtszeit beschreibt Sauber als aufregend und abwechslungsreich. Eine der ersten Veranstaltungen war ein Jugendkochduell in Triesdorf, bei dem sie in der Jury saß.
Zahlreiche weitere Termine folgten: verschiedenen Mostfeste, die Hauptversammlungen von Gartenbauverbänden, Apfelvorträge, Volksfeste wie die Mooswiese in Feuchtwangen und der Kinderzeche in Dinkelsbühl. Dazu kamen Besuche in Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten. Aber auch zur Verbrauchermesse Consumenta in Nürnberg sowie zur Grünen Woche in Berlin ging es. „Ich habe damals bereits so viel erlebt – und das hat mich auch persönlich geprägt.“
Äpfel habe sie bereits in ihrer Kindheit geliebt, erzählt Anna Sauber, die mit einem älteren Bruder und einer kleineren Schwester in Obermögersheim aufgewachsen ist. Sie besuchte den M-Zweig der Mittelschule – mit Mathe als Lieblingsfach – und absolvierte nach ihrem Abschluss zunächst eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Danach schlug sie die Beamtenlaufbahn mit einer zweijährigen Verwaltungsausbildung ein. Während ihrer damaligen Zeit als Apfelkönigin arbeitete sie bei der evangelisch-lutherischen Landeskirchenstelle in Ansbach.
„Mit einem weinenden und einem lachenden Auge“ ging für Anna Sauber dann 2012 die erste Amtsperiode zu Ende. „Ich war nicht enttäuscht. Es war ja von Anfang an klar, dass es irgendwann vorbei ist. Ich bin dann nach München gegangen und habe dort drei Monate Praktikum beim Landeskirchenamt gemacht. Und das war dann ein neues Abenteuer für mich.“
Bis 2016 war sie bei der Landeskirchenstelle in Ansbach beschäftigt, bevor sie zur Regierung von Mittelfranken wechselte. Hier ist sie bis heute als Regierungshauptsekretärin im Förderwesen tätig. Nebenher hat sie bei einem Telekolleg 2018 das Fach-Abitur nachgeholt.
Als 2019 die Landesgartenschau in Wassertrüdingen stattfand, war das Amt der Apfelkönigin erneut ausgeschrieben: „Da dachte ich mir, es hat mir damals eigentlich sehr viel Spaß gemacht und jetzt ist die Landesgartenschau in der Gemeinde, in der ich wohne.“ Folglich habe sie sich noch einmal beworben und auch die Zusage bekommen. Am 26. Mai 2019 fand die Krönung auf dem Gelände der Landesgartenschau statt.
Ihre aktuelle Amtszeit war von Corona überschattet. Monatelang fanden keine Veranstaltungen statt und es gab keine Auftritte. Deshalb darf Anna Sauber noch länger im Amt bleiben, obwohl eigentlich alle zwei Jahre eine neue Apfelkönigin gewählt wird. „Ich hatte ja eigentlich nur ein halbes Jahr, bevor Corona kam. 2023 ist eigentlich das erste Jahr, in dem die Veranstalter alles wieder ganz normal planen.“ Wie lange ihre Amtszeit nun noch gehen wird, weiß die Apfelkönigin aber noch nicht. „Da muss ich mich unbedingt mal erkundigen.“
Obwohl das Ehrenamt viel Zeit in Anspruch nimmt, ist es für Sauber zu einer Herzensangelegenheit und zu einem Hobby geworden: „Man muss für etwas brennen und ich brenne für dieses Amt. Deshalb macht es mir auch jetzt nach fast sieben Jahren immer noch Spaß.“
Ihre Hauptaufgabe ist es, die 30 Mitgliedsgemeinden der Fränkischen Moststraße zu repräsentieren und die Region mit ihrer landschaftlichen Vielfalt zu bewerben. Besondere Freude hat die 31-Jährige aber an den Terminen im sozialen Bereich – zum Beispiel bei Besuchen in Kinderheimen, die sie größtenteils selbst plant und organisiert. „Ich weiß, ich bin eine Symbolfigur.“ Die Erwachsenen sähen sie als junge Frau, die sich ehrenamtlich als Königin verkleidet. Aber: „Die Kinder sehen mich als richtige Königin: Die freuen sich einfach so wahnsinnig.“ Als nächstes sei bei ANregiomed ein Krankenhausbesuch geplant, an dem alle Hoheiten aus dem Landkreis Ansbach teilnehmen sollen.
Wie es für Anna Sauber nach ihrer Amtszeit weitergehen wird, weiß sie noch nicht. Die 31-Jährige lässt es auf sich zu kommen. Sie sei gespannt, was das Leben für sie bereithält. Ihrer Nachfolgerin werde sie aber auf jeden Fall mit Rat und Tat zur Seite stehen.