Eine Tagespflege für Senioren samt betreutem Wohnen entsteht in Oberdachstetten. Das Seniorenprojekt wird die Infrastruktur in der Gemeinde mit ihren gut 1600 Einwohnerinnen und Einwohnern spürbar aufwerten. Baustart soll bereits in wenigen Wochen sein.
Vorbild ist die Tagespflege Seewiese in Wörnitz. Diese betreibt der Zentrale Diakonieverein (ZDV) für die Dekanate Rothenburg und Leutershausen. Der ZDV wird auch die Tagespflege in Oberdachstetten betreiben, wie Geschäftsführer Bernhard Haager bei einem Pressetermin zur Vorstellung des Projektes deutlich machte.
„Wir haben die Vorschläge des Personals aufgegriffen und ein paar kleinere Änderungen vorgenommen”, erläuterte Reiner Krämer, Geschäftsführer der KR Wohnbau GmbH und selbst Gemeinderat von Oberdachstetten. Die Firma wird den Bau errichten. Die Tagespflege wird dann langfristig vermietet, die barrierefreien Wohnungen darüber werden verkauft.
Mit im Boot bei dem Projekt sind zudem Jeanett Baß von der Firma Von Poll Immobilien in Ansbach für die Vermarktung der Wohnungen sowie Unternehmensberater Helmut Hötzl. Hötzl hat vor fast 30 Jahren in Ansbach an der Louis-Schmetzer-Straße eines der ersten Betreutes-Wohnen-Vorhaben realisiert, und für das Projekt mit dem Namen „Rezatblick” alle Akteure an einen Tisch gebracht.
In der Tagespflege werden auf 342 Quadratmetern künftig von Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 17 Uhr bis zu 19 Seniorinnen und Senioren von fachkundigem Personal betreut. Die Buchungszeiten sind dabei sehr flexibel, wie Joël Fischer, der stellvertretende Geschäftsführer des Diakonievereins, erläuterte. Bei den Eigentumswohnungen – am Ende sollen es zwölf im ersten Gebäude sein – sind Serviceangebote zubuchbar. Das kann die Pflegeleistung ebenso sein wie ein warmes Essen oder der Hausmeister, der die neue Lampe montiert. Auf Wunsch gibt es einen Hausnotruf, sodass auf Knopfdruck auch nachts jemand helfend zur Stelle ist.
Der ZDV betreibt bereits eine Diakoniestation in Oberdachstetten. Darauf lasse sich aufbauen, um weiteres Personal für die Tagespflege zu gewinnen, sagte Geschäftsführer Haager.
Die Gemeinde habe seit Jahren mehrere Grundstücke am Beginn des Baugebietes Schaufelbuck freigehalten, betonte Bürgermeister Martin Assum. „Die waren schon immer für eine derartige Premiumnutzung gedacht.” Eine Senioreneinrichtung sei für eine Gemeinde wie Oberdachstetten ein enorm wichtiger Standortfaktor. Die ersten Ideen für ein solches Projekt reichen dem Bürgermeister zufolge bis ins Jahr 2020 zurück.
Die Lage ist günstig. Es sind nur gut 200 Meter zum Bahnhof, der NorA-Bürgerbus kommt direkt vorbei und dennoch ist die Natur vor der Haustür. Mit einer Gesamtgröße von 4500 Quadratmetern bleibt auf der Fläche noch Platz für Erweiterungen, kündigte Reiner Krämer an. In einem zweiten Bauabschnitt wären nicht nur weitere Wohnungen, sondern auch eine Hausarztpraxis denkbar, möglicherweise ergänzt um weitere medizinische Angebote wie eine Logopädie- oder eine Ergotherapie-Praxis, blickt Helmut Hötzl in eine theoretische Zukunft.
Allerdings ist klar, dass die Gewinnung eines Arztes oder einer Ärztin eine harte Nuss darstellt. Der Planungsbereich Ansbach Nord gilt zwar mittlerweile als unterversorgt, somit können bei einer Ansiedlung auch Fördergelder fließen. Dennoch gibt es nur wenige Mediziner, die bereit sind, sich selbstständig zu machen.
Eine MVZ-Gründung, wie sie Neuendettelsau oder jüngst Ornbau vorgemacht haben, dürfte in Oberdachstetten schwieriger werden, gibt Bürgermeister Assum zu bedenken. Schließlich ist die eigene Praxis schon etliche Jahre geschlossen, die Patientinnen und Patienten haben sich auf umliegende Praxen verteilt. Aufgeben wollen aber deshalb weder Assum noch die übrigen Beteiligten. Ein eigener Arztsitz in Oberdachstetten hätte Strahlkraft. Da sind sich alle einig. „Die Organisationsform ist dann am Ende nicht wichtig”, sagte der Bürgermeister.
Aktuell liegt das Vorhaben zur Genehmigung beim Landratsamt. Doch es ist alles vorbesprochen, deshalb sollte das eher eine Formsache sein, zeigte sich Krämer optimistisch. Er schart schon mit den Hufen. Denn das Bayerische Sozialministerium hat zweckgebundene Fördergelder für die Tagespflege zugesagt. Die schlagen sich später in einer günstigeren Miete nieder. Doch damit das Geld fließt, muss Mitte 2027 alles fertig sein. „Das ist sportlich”, ist sich der Baufachmann bewusst.