Die landkreisweit erste teilzeitbetreute Wohneinrichtung für Jugendliche ab 16 Jahren wird in Neustadt eröffnet. Zum 1. Dezember zogen die ersten Bewohner in die neue Wohngruppe in der Bamberger Straße 44 ein.
Bis zu sechs junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren werden in der Wohngruppe auf ihrem Weg in ein eigenverantwortliches Leben von einem Team des Diakonischen Werks begleitet. Das Unterstützungsangebot richtet sich an Jugendliche, die zum Beispiel zu Hause Probleme haben oder die schon aus Jugendhilfeeinrichtungen kommen, erläuterte Einrichtungsleiterin Andrea Pieczyk bei einer ersten Besichtigung der Räume, zu der auch Bürgermeister Klaus Meier vorbeischaute. Eine Voraussetzung für die Aufnahme sei, dass die jungen Menschen eine grundlegende Tagesstruktur haben und Verantwortung für ihr Leben und ihren Alltag übernehmen.
Die ersten Bewohner sind junge Männer mit Migrationshintergrund zwischen 16 und 21 Jahren, die aus der Übergangseinrichtung in der Hospitalstiftung in Bad Windsheim kommen. 17 junge Menschen sind derzeit dort untergebracht. Sechs von ihnen werden jetzt ihre Umzugskartons packen und ihre neuen Räume in Neustadt beziehen. In der neuen Wohngruppe können sie die ersten Schritte in die Selbstständigkeit ausprobieren.
Teamleiterin Julia Bonengel wird die Jugendlichen zusammen mit weiteren Kollegen begleiten. Kernbetreuungszeiten sind von 13 bis 22 Uhr. Die Jugendlichen müssen selbstständig einkaufen, kochen und den Alltag in ihrer Wohngruppe organisieren. Sie erhalten Unterstützung bei der Vorbereitung für Schule und Ausbildung und haben einen Ansprechpartner bei der Bewältigung individueller Probleme oder bei Konflikten mit Familie und Freunden, ergänzte Frank Larsen, Vorstand des Diakonischen Werks. Die Unterstützung umfasst Alltags- und Haushaltsführung, aber zum Beispiel auch den Umgang mit Geld und Behörden, Persönlichkeitsentwicklung und Eigenständigkeit.
„Eine tolle Einrichtung”, lobte Bürgermeister Klaus Meier. Es stecke viel Potenzial in den Jugendlichen, das sie aufgrund äußerer Umstände nicht richtig entfalten konnten, so Meier. „Schon in der Bad Windsheimer Übergangseinrichtung haben wir unglaublich beeindruckende jungen Menschen erlebt”, stimmte ihm Andrea Pieczyk zu. In den Ferien haben sie Praktika in Betrieben gemacht und konnten so ihre künftigen Ausbildungsbetriebe von sich überzeugen.
Wenn die Jugendlichen eingezogen sind, wird sich eine gemeinsame Tagesstruktur entwickeln, so Andrea Pieczyk. Die Bewohner haben unterschiedliche Ausbildungsplätze in Bad Windheim oder Scheinfeld oder besuchen noch die Schule und kommen alle zu unterschiedlichen Tageszeiten nach Hause. „Jetzt ist es erst einmal wichtig, dass sich alle in der Gemeinschaft wohlfühlen”, so Pieczyk.
Die ersten Bewohner sind zwar alle männlich, prinzipiell ist die Wohngruppe aber auch für junge Frauen offen. Die sechs Zimmer sind auf drei Stockwerke aufgeteilt. Im zweiten Obergeschoss befinden sich drei Zimmer mit eigenem Bad. Die Zimmer im ersten Obergeschoss verfügen zudem über eine geräumige Dachterrasse. Im Erdgeschoss sind Büroräume für das Betreuungsteam und die Küche untergebracht, zudem ein großzügiges Foyer mit Essplätzen.
Die Diakonie Neustadt hat die Räumlichkeiten angemietet, zuvor war hier ein Unternehmen untergebracht und ganz früher war es die Brauhausvilla, in der die Brauereifamilie wohnte. Diakon Frank Larson hatte beim Betreten des Hauses ein Déjà-vu. Das Gebäude gehörte einst der Friederike Burkart-Stiftung, die die Seniorenarbeit im Dekanatsbezirk Neustadt an der Aisch unterstützt, wurde dann aber verkauft, erläuterte Dekanin Ursula Brecht. Nun ist das Diakonische Werk Mieter und wird das Gebäude wieder mit Leben füllen.