Die Stuhlreihen des Scheinfelder Bürgersaals hatten sich am Freitagnachmittag gut gefüllt. Angelika Stein, Koordinatorin des Isumuya-Ladens und treibende Kraft zur FairTrade-Stadt Scheinfeld, freute sich sichtlich über den großen Zuspruch zur Jubiläumsfeier: Seit 40 Jahren gibt es in Scheinfeld den Welt-Laden, viele Mitbegründer aus der damaligen Zeit schauten nun vorbei.
Inzwischen profitiere man von zahlreichen Synergieeffekten, die im Zeichen der Nachhaltigkeit durch die Zusammenarbeit vieler Gruppen in der Stadt entstanden, so Stein. Sie nannte beispielsweise das Repair-Café unter Leitung von Wolfgang Hoyer, in dem regelmäßig handwerklich begabte Helfer Dinge des täglichen Lebens reparieren oder es zumindest versuchen. Mit Theo Schell hat man in der Kommune auch einen FairTrade-Beauftragten, so dass das alle zwei Jahre neu zu bestätigende Siegel kein Problem mehr ist.
Neben der Stadtverwaltung selbst sind auch die Scheinfelder Schulen sehr aktiv in die Verantwortung für fair gehandelte Waren mit eingebunden. Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums und des BSZ sind, so Stein, „Garanten“ für zahlreiche Aktivitäten und bringen sich bei Veranstaltungen und Märkten in Scheinfeld gerne mit ein.
Auch die Zusammenarbeit mit dem Scheinfelder Sozialladen „Komm-rein“ gestalte sich inzwischen sehr vielfältig. Gerade dort erlebe man Nachhaltigkeit, wenn Menschen Waren abgeben und andere wiederum Gebrauchtes einkaufen. Auch das sei aktiver Klima- und Umweltschutz.
Vor 40 Jahren haben sich aus einer Jugend-Protest-Aktion gegen die Ausbeutung und Unterdrückung indigener Menschen in der „Dritten Welt“, so hatte man damals Entwicklungsländer genannt, kleine Einkaufsläden gegründet – meist in Verbindung mit kirchlichen Organisationen, blickte Stein zurück. Die dort angebotenen Waren garantierten eine faire Entlohnung für die Erzeuger in Südamerika oder Afrika.
In Scheinfeld wurde der Gruppe ehrenamtlich tätiger Mitmacher ein kleiner Raum in der Hauptstraße mietfrei angeboten. Zwei Jahrzehnte später kam das zweite Standbein durch das „FairTrade-Stadtsiegel“ dazu. Es werden somit nicht mehr nur Waren verkauft, sondern auch aktiv Bildungs- und Aufklärungsarbeit für Jugendliche und auch Erwachsene geleistet.
Der Scheinfelder Bürgermeister Claus Seifert beglückwünschte die Ehrenamtlichen ausdrücklich. Sie seien Vermittler von Wissen über Dinge, die in der Welt so passieren, und leisteten durch ihre Arbeit einen kleinen Beitrag für eine bessere Welt. „Wer seinen alltäglichen Bedarf nachhaltig, regional und fair deckt, tut schon eine Menge für eine etwas bessere Welt“, erklärte Angelika Stein.
Da an diesem Nachmittag ein Jubiläum gefeiert wurde, hatte Wolfgang Hoyer sein Akkordeon mitgebracht und unterhielt die Gäste mit flotten Weisen.