Schutz vor Wölfen: Landwirt muss Rinder in Dietersheim einzäunen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.11.2025 15:03

Schutz vor Wölfen: Landwirt muss Rinder in Dietersheim einzäunen

Der Hof wurde inzwischen an Robin Röthlingshöfer (r.) übergeben. Dieser versucht mit Hilfe seines Mieters Max Müller (l.) und seinem Vater Richard Röthlingshöfer den Hof im Nebenerwerb weiterzuführen. (Foto: Richard Röthlingshöfer)
Der Hof wurde inzwischen an Robin Röthlingshöfer (r.) übergeben. Dieser versucht mit Hilfe seines Mieters Max Müller (l.) und seinem Vater Richard Röthlingshöfer den Hof im Nebenerwerb weiterzuführen. (Foto: Richard Röthlingshöfer)
Der Hof wurde inzwischen an Robin Röthlingshöfer (r.) übergeben. Dieser versucht mit Hilfe seines Mieters Max Müller (l.) und seinem Vater Richard Röthlingshöfer den Hof im Nebenerwerb weiterzuführen. (Foto: Richard Röthlingshöfer)

Acht Monate im Jahr stehen die 35 Limousin-Rinder der Familie Röthlingshöfer in Dietersheim auf der Weide. Weil im Ortsteil Oberroßbach ein Wolf dreimal Schafe angegriffen und einige getötet hat, wurde das Gemeindegebiet Dietersheim zum Wolfsgebiet erklärt. Nun brauchen die Rinder des Aischtal-Weidehofs mehr Schutz.

„Um bei möglichen Wolfsangriffen auf Weidekälber Entschädigung bekommen zu können, muss die Weide wolfssicher gezäunt werden”, erläutert Richard Röthlingshöfer. Ein neuer Zaun mit fünf starken Stromlitzen muss errichtet werden. Weil die Gemeinde Dietersheim zum Wolfsgebiet zählt, werden die Kosten von insgesamt 20.000 Euro zu 100 Prozent gefördert.

Die Alternative wäre, die Haltung der Tiere mittelfristig zu beenden. Für Richard Röthlingshöfer kommt dies im Moment noch nicht in Betracht. Den Biobetrieb hat der 70-Jährige bereits an seinen 23-jährigen Sohn Robin abgegeben, der gerade ein Studium als Bauingenieur absolviert. Bei der Arbeit auf dem Hof unterstützt wird Familie Röthlingshöfer zudem von Mieter Max Müller.

Stress und Frust bei den Weidetierhaltern

Der Biobetrieb arbeitet in einem geschlossenem System. Alle Tiere werden am Hof geboren und aufgezogen. Die Kälber laufen ein dreiviertel Jahr auf der Weide mit”, so Röthlingshöfer, der in seinem Ökobetrieb auf Silomaisfütterung verzichtet und auch keine chemischen Düngemittel oder Pflanzenschutz einsetzt. Familie Röthlingshöfer setzt auf Direktvermarktung. „Die Abnehmer stehen schon vor dem Weideschuss fest”, so der ausgebildete Jäger, der seinen Kunden eine stressfreie Schlachtung ohne Tiertransporte bietet.

Dass ein Wolf den Dietersheimer Ortsteil Oberroßbach bereits dreimal besucht hat, beunruhigt den Biolandwirt. „Einerseits sollen demnächst alle Bio-Betriebe ihre Tiere zeitweise auf die Weide bringen, andererseits breitet sich der Wolf immer weiter aus, was bei allen Weidetierhaltern Stress und Frust bedeutet”, sagt er.

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Gefahr besteht hauptsächlich für Kälber

Acht Hektar gilt es nun einzuzäunen, 1200 Meter Zaun sind dafür nötig. Doch bietet der Zaun wirklich Schutz für die Tiere? „Gefahr besteht hauptsächlich für die Kälber. Erst bei einem Rudel wären auch erwachsene Tiere gefährdet”, sagt er. Er könnte sich vorstellen, dass seine Rinder einen Wolfsangriff sogar abwehren würden. Ähnliches hat er bei einem Zwischenfall mit einem Hund schon einmal bei seinen Tieren beobachtet. Von Landwirten aus dem Allgäu weiß er, dass viele ihre Tiere nicht mehr auf die Weide lassen. Im Allgäu sei der Wolfsbestand höher als in Franken.

Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) sind im Monitoringjahr 2024/25 insgesamt 108 Wolfsterritorien bekannt. Es gab Nachweise für 78 Rudel, 21 Paare und 9 territoriale Einzeltiere. In 72 Rudeln konnte Reproduktion nachgewiesen und mit insgesamt 259 Welpen bestätigt werden. Die Wölfe kamen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen vor.

Mehr Landwirte aus der Produktion ausgestiegen

Abgesehen von der Furcht, Kälber durch den Wolf zu verlieren, läuft es für die Rinderzuchtbetriebe derzeit eigentlich ganz gut. „Nach vierzigjähriger Preisstagnation am Rindfleischmarkt ist innerhalb von einem Jahr der Preis um fünfzig Prozent angestiegen. Dies ist allein darauf zurückzuführen, dass immer mehr Landwirte aus der Produktion ausgestiegen sind, sodass mittlerweile die Rindfleischproduktion unter dem Bedarf liegt”, erläutert Richard Röthlingshöfer. Früher habe es allein im Gemeindegebiet Dietersheim 27 Betriebe gegeben, Milchkuhbetriebe gebe es heute gar keine mehr. Familie Röthlingshöfer hat bis 1989 selbst Milchkühe gehalten. Heute wird der Betrieb nur im Nebenerwerb geführt. Die Mutterkuhhaltung sei für ihn nur in Verbindung mit der Direktvermarktung aufrechtzuerhalten.

Die Preisentwicklung sei kurzfristig für den Landwirt erfreulich, doch die geplante Freihandelszone mit den wichtigsten fleischproduzierenden Ländern Südamerikas, könnte wieder zu sinkenden Preisen führen, fürchtet der Landwirt. „Die Aufgabe vieler Betriebe führt zu Erlössteigerungen, zunehmende Wolfsbestände und Billigimporte wirken dem entgegen”, sagt er und fügt mit Blick auf den eigenen Hof an: „Wenn ich es mal nicht mehr mache, wird der Betrieb vermutlich auch aufgegeben”.

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