Für Fahrradfahrende hat sich auf der Schalkhäuser Landstraße einiges geändert. Im Fokus der Maßnahmen stand der Schutz von Radelnden. Zum einen sollte der Unfallschwerpunkt entschärft werden. Neue Piktogramme zeigen den Weg.
Bislang sind Fahrradfahrende zwischen Ansbach und Schalkhausen überwiegend auf dem dortigen Gehweg gefahren. Dieser ist für den Radverkehr freigegeben. Doch es gilt eigentlich Schrittgeschwindigkeit – eine Regelung, an die sich viele bekanntlich nicht halten.
Weil Radfahrende die Einmündung „Am Reiterzentrum” – also Richtung Obi – mit zu hoher Geschwindigkeit überquerten, ist es in der Vergangenheit schon mehrfach zu Unfällen mit leicht verletzten Personen gekommen. Diesen Unfallschwerpunkt wollte die Stadt entschärfen. Deshalb gibt es seit ein paar Monaten Neuerungen für den dortigen Radverkehr. Die sorgen allerdings auch eher für Verwirrung als für klare Verhältnisse.
Zum einen wurde der rote Teppich mit Piktogramm an der Einmündung entfernt. Dieser hat Autofahrerinnen und Autofahrern bislang signalisiert, dass hier Radverkehr quert, und sie vorsichtig vorfahren sollten. Stattdessen stehen auf dem Geh- und Radweg nun Vorfahrt-Achten-Schilder. Das heißt: Radfahrerinnen und Radfahrer müssen gegebenenfalls anhalten. Das Stoppschild für den Straßenverkehr bleibt erhalten.
Dies sei widersprüchlich, findet Sigrid Strobel, Vorsitzende des Vereins Carina, der sich für zeitgemäße Mobilität in Ansbach einsetzt. Denn jetzt sei nicht klar geregelt, wer als Erstes fahren darf. Dass der rote Teppich entfernt wurde, kritisiert auch Stadtrat Dr. Bernhard Schmid (Grüne). Er spricht sich dafür aus, ihn wieder einzuführen. Schmid fährt selbst regelmäßig mit dem Fahrrad auf dieser Strecke und setzt sich seit Jahren generell für den Radverkehr im Stadtgebiet ein.
Zusätzlich zur geänderten Verkehrsregelung gibt es seit Neuestem beidseitig Fahrradschutzstreifen. Diese sind mit gestrichelten Linien gekennzeichnet. Zudem wurde eine Überquerungs-Insel kurz nach der Einmündung in Richtung Schalkhausen errichtet.
Gedacht ist das so: Radfahrende, die aus Ansbach kommen, können dem fließenden Verkehr auf dem Schutzstreifen folgen, dann entweder weiter auf der Straße fahren, oder nach links auf die Insel abbiegen und von dort auf den Geh- und Radweg wechseln. In die andere Richtung funktioniert das ebenso – nur ohne die Insel. Denn dann muss man die Straße nicht überqueren.
Ob das in der Praxis auch so funktioniert? Den Schutzstreifen begrüßt Grünen-Stadtrat Schmid sehr. Getestet hat er ihn bereits einmal, wie er auf Nachfrage mitteilte. Zu dem Abbiegen mithilfe der Insel sagte er: „Ich finde das als grundsätzliche Lösung gut, aber an der Stelle unnötig.”
Die Insel befindet er zudem als zu klein, um dort etwa mit einem Fahrradanhänger stehenzubleiben. Außerdem würden Fahrende an Schnelligkeit verlieren. Es sei einfacher, die Abbiegespur der Autos zu nutzen, meinte Schmid. Der Schutzstreifen sei vor allem für diejenigen gut, die gerne schnell von A nach B kommen wollen, sagte Strobel. „Das ist eine große Bereicherung für Ansbach.”
Nicht zu vergessen sind aber auch Fahrradfahrende, denen es unheimlich ist, direkt neben Autos zu fahren, betonte die Carina-Chefin. Ihnen und vor allem Kindern empfiehlt sie, weiterhin durchgehend den Geh- und Radweg zu nutzen. Sie weist darauf hin, „dass Fußgänger absoluten Vorrang haben. Das habe ich zu wissen, wenn ich auf dem Gehweg fahre”.
Michael Maul, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Ansbach, hofft, dass es an der Einmündung künftig zu weniger Unfällen zwischen Auto und Fahrrad kommt. Der rote Teppich hat bislang abbiegenden Autofahrenden signalisiert: „Ich kann nicht nur nach links schauen, ich muss auch nach rechts schauen”, sagte Maul. Er betonte, dass der rote Teppich aber nie die automatische Vorfahrt von Radfahrern bedeutete. „Das Problem war: Es hat nicht funktioniert.”
Die Vorfahrt-Achten-Schilder sind seiner Aussage nach deshalb erforderlich. „Wir mussten eine Situation schaffen, in der Radfahrern nichts mehr passiert.” Die Maßnahme sei zu ihrem eigenen Schutz. Die gewählte Lösung ist „nicht gut, aber das Beste, was wir machen konnten”, findet der Polizist.