Gleich nach der Verabschiedungsfeier aus dem Dienst als Leitender Ansbacher Schulamtsdirektor ist Hans Hauptmann mit seiner Frau Romy für ein paar Tage zum Wandern in die Alpen gefahren. Als Ruheständler will er nun endlich wieder mehr Zeit mit ihr verbringen. Und sich an seinen Hobbys erfreuen.
38 Jahre lang sei er mit Leib und Seele im Schuldienst tätig gewesen, sagt Hans Hauptmann. Zunächst als Lehrer, dann als (Kon-)Rektor und schließlich in der Schulaufsicht. Er habe sich voll und ganz seiner Berufung verschrieben. Da sei ihm, im Nachhinein gesehen, vielleicht doch manchmal zu wenig Zeit für seine Frau geblieben, findet er. Das soll sich nun ändern. Das Paar hat drei mittlerweile erwachsene Kinder und zwei Enkel, die auch froh sind, wenn der Papa beziehungsweise der Opa etwas öfter verfügbar ist.
Der Burgbernheimer freut sich, dass er als Pensionär nun mehr Zeit mit seiner Frau und (gemeinsamen) Hobbys verbringen kann. Die Eheleute musizieren und tanzen beide gerne. „Ich fange gerade an, Klavierspielen zu lernen“, verrät der 66-Jährige. Außerdem hat er mit seiner Frau früher Medaillentanzkurse gemacht. Das will er wieder aufnehmen. Er begeistert sich auch für Volks-, Renaissance- und Standardtanz.
Dass ihm nach seinem Berufsleben langweilig werden könnte, befürchtet Hauptmann nicht. Schließlich ist er in Burgbernheim Stadtrat und Seniorenbeauftragter. Zudem leitet er den Kirchenchor Sankt Johannis und wirkt im örtlichen Gesangverein mit. „Ich liebe die Chorarbeit“, schwärmt er. Denn es gehe dabei „nicht nur ums Singen, sondern ums Mittragen von Menschen und um Haltung“.
Eine Vorliebe für Musik hat Hauptmann schon seit jungen Jahren. Er ist in Rothenburg aufgewachsen, wo seine Eltern einen Bauernhof hatten. Jahrelang hat er bei den Rothenburger Stadtpfeifern mitgewirkt und alte Instrumente wie Dudelsack, Schlagwerk oder Drehleier gespielt. Die Gruppe habe sich vor Jahren aufgelöst, erzählt er. Aber am 30. April treten die Stadtpfeifer doch noch einmal auf. Zu einem ganz besonderen Anlass: der Wiedereröffnung der Rothenburger Franziskanerkirche nach ihrer Sanierung.
Außerdem ist Hauptmann Vorsitzender des Vereins MuSiKunst, der Kurse für Kinder und Erwachsene im Bereich Musik und bildende Kunst anbietet, und Mitglied im Rotary-Club Uffenheim.
Und ein kleines bisschen bleibt er seinem Berufsleben dann doch noch etwas treu. Hauptmann ist schon länger Referent an der Akademie für Lehrerbildung und Personalführung in Dillingen. In dieser Funktion wird er heuer noch zwei Mal in Kursen neu ernannte Rektoren und Schulaufsichtsbeamte in ihre Aufgaben einführen.
Während seiner beruflichen Laufbahn habe er sich insbesondere für zwei Ideen voller Überzeugung eingesetzt: für die Inklusion an Schulen und für die Jenaplan-Pädagogik. Der Jenaplan ist ein Schulentwicklungskonzept, bei dem selbsttätiges Arbeiten, gemeinschaftliches Zusammenarbeiten und -leben sowie Mitverantwortung der Schüler und Eltern Kerngedanken sind. „Ich habe immer gerne mit Schülern und deren Eltern gefeiert. Dabei bleibt man für sie der Lehrer, kann aber eine ganz andere Beziehung zu ihnen aufbauen“, erzählt Hauptmann.
Wie wichtig das Thema Inklusion ist, sei ihm während seines Zivildienstes klar geworden. Den absolvierte er im Kinderzentrum München, das der Kinderarzt Professor Theodor Hellbrügge 1968 gegründet hat. „Hellbrügge propagierte, dass in Heimen behinderte mit nicht behinderten Kindern gemeinsam leben dürfen“, führt Hauptmann aus. Das sei im Kinderzentrum München damals einzigartig in Bayern gewesen und habe auch ihn überzeugt.
An seiner Tätigkeit in der Schulaufsicht hätten ihn die vielen Möglichkeiten fasziniert, dahingehend beratend auf Schulen einzuwirken, dass bestimmte Ideen und didaktischen Methoden, eine gewisse Unterrichtshygiene also, flächendeckend angewendet werden. „Das gelingt nur in kleinen Schritten, durch Überzeugung und wenn man eine partnerschaftliche Beziehung zu den Schulleitern hat und die wiederum einen guten Draht zu ihren Lehrern haben“, weiß Hauptmann. Von den Schulleitern habe er eine Menge gelernt – insbesondere hinsichtlich der Digitalisierung im Unterricht.
Überhaupt ist für ihn eines gewiss: „Ich hätte meinen beruflichen Weg nie gehen können, wenn ich nicht Unterstützer gehabt hätte.“
Man müsse in einer Biografie getragen werden von Menschen, die man sich aussucht. „Und ich hatte auch einfach viel Glück“, findet Hauptmann.