Um die Altstadt weiterzuentwickeln, gibt es in Herrieden seit 2020 ein Konzept, mit dem die Kommune gezielt die Beseitigung von Leerstand fördert. Im Fokus stehen Gebäude in exponierter Lage, die seit längerem leer stehen. Bürgermeisterin Dorina Jechnerer nennt sie „Schlüsselimmobilien“.
Bei zwei Projekten in der Fronveststraße wurde das Konzept bereits erfolgreich umgesetzt, berichtet die Rathauschefin. Aktuell gibt es fünf „Schlüsselimmobilien“, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft im südlichen Kurvenbereich der Vorderen Gasse befinden: die Anwesen 21 und 23 sowie 11 und 13. Bis auf die Nummer 21 befinden sich alle im Eigentum der Kommune.
Das Konzept beinhaltet laut Jechnerer, dass die Stadt zusammen mit einem Planungsbüro städtebauliche Vorplanungsstudien erarbeitet, die mit den relevanten Genehmigungsbehörden abgestimmt sind, um einem potenziellen Investor Planungssicherheit bieten zu können.
Denn es sei das Ziel, einen Projektpartner zu finden, der das Objekt erwirbt und dann saniert, umbaut und gegebenenfalls erweitert. „Die Stadt sieht sich eher in einer begleitenden Funktion“, erklärt die Bürgermeisterin.
Die städtebaulichen Vorplanungsstudien seien sehr konkret. Es würden nicht nur eine Möglichkeit präsentiert, sondern immer Varianten, die umsetzbar und genehmigungsfähig seien, führt Jechnerer weiter aus. So seien etwa für die Anwesen Vordere Gasse 21 und 23 drei Varianten denkbar. Mit dem Eigentümer der Nummer 21 habe man sich darauf verständigt, die Areale gemeinsam zu entwickeln und zu überplanen. Darin liege ein größeres Potenzial. Es sei damit auch für potenzielle Investoren wirtschaftlich interessanter.
Das Anwesen Vordere Gasse 23 soll saniert werden, wobei es, wie Jechnerer betont, erklärtes Ziel der Stadt sei, die bestehenden Verkaufsräume einer Bäckerei mit Café im Erdgeschoss beizubehalten. Das Ober- und Dachgeschoss soll Wohnzwecken dienen.
Auch das denkmalgeschützte Gebäude Vordere Gasse 21 soll saniert werden mit Wohnungen im Erd- und Obergeschoss. Im Erdgeschoss ist jedoch auch eine soziale, öffentliche oder gewerbliche Nutzung denkbar. Die rückwärtigen Nebengebäude können abgerissen werden. An deren Stelle kann ein städtebaulich angemessener Ersatzneubau mit – je nach Variante – vier bis sieben Wohnungen errichtet werden.
Die erste Variante sieht einen Ersatzneubau mit Satteldach in Nord-Süd-Ausrichtung parallel zur Stadtmauer vor. Bei der zweiten Variante sind es drei Ersatzneubauten mit Satteldach in Ost-West-Ausrichtung. Außerdem vorstellbar wären zwei Ersatzneubauten, die über einen Verbindungsbau an die Bestandsgebäude „angedockt“ werden. Bei dieser Variante könnte durch die Installation eines Aufzugs Barrierefreiheit geschaffen werden, informiert Dorina Jechnerer.
Bei allen drei Varianten sind im Erdgeschoss Stellplätze vorgesehen. Damit sei das Parkproblem gelöst, teilt die Rathauschefin mit. Es entstehe aber nicht nur „hochattraktiver Wohnraum“. Auch der öffentliche Raum werde aufgewertet. Denn zwischen den Häusern soll eine Wegverbindung zwischen Vorderer Gasse und Altmühlhaag realisiert werden, um den Grüngürtel vor der Stadt besser erlebbar zu machen.
Bei der ersten Auslobung des Investorenwettbewerbs für die Anwesen Vordere Gasse 21 und 23 sei die Nachfrage verhalten gewesen. „Das war nicht ganz unerwartet“, sagt Jechnerer. Grund dafür sei die aktuelle wirtschaftliche Gesamtsituation. Die Rückmeldungen seien jedoch positiv gewesen. Das Projekt sei interessant und die geleistete Vorarbeit werde geschätzt.
Für die Anwesen Vordere Gasse 11 und 13, bei denen es sich „im Prinzip um drei Einzelgebäude“ handelt, wurde nach weiterer Mitteilung der Bürgermeisterin bereits eine Detailplanung erarbeitet, die jedoch noch nicht veröffentlicht wurde. Man könne das Einzeldenkmal Vordere Gasse 13 separat betrachten oder zusammen mit den beiden Gebäuden Vordere Gasse 11.
Es gebe „hochattraktive“ Fördermöglichkeiten von der Städtebauförderung für die Aktivierung von Leerstand im Altstadtbereich, erklärt Jechnerer. Diese müssten aus Sicht der Kommune so ausfallen, dass die Mehrkosten, die durch die Rahmenbedingungen am Standort Altstadt entstehen, auf jeden Fall ausgeglichen würden – egal, ob eine Privatperson oder ein Bauträger die Maßnahme realisiert. Es sei ein Bestreben der Stadt, in den Austausch mit den Förderstellen zu gehen, damit auch Bauträger von den Zuschüssen profitieren können.
Die Rathauschefin macht darauf aufmerksam, dass die Kommune selbst ebenfalls Förderprogramme für die Altstadt aufgelegt hat, um für Immobilienbesitzer einen Anreiz zur Sanierung zu schaffen.