Scheitert Gastro-Projekt in Ornbau am Denkmalschutz? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 29.11.2024 17:52

Scheitert Gastro-Projekt in Ornbau am Denkmalschutz?

Anstelle einer baufälligen Ruine könnte eine moderne Gastronomie mit Wellnessbereich am Ufer der Altmühl entstehen. Aber die Denkmalbehörde will eine Erweiterung nicht genehmigen. (Foto: Stefan Neidl)
Anstelle einer baufälligen Ruine könnte eine moderne Gastronomie mit Wellnessbereich am Ufer der Altmühl entstehen. Aber die Denkmalbehörde will eine Erweiterung nicht genehmigen. (Foto: Stefan Neidl)
Anstelle einer baufälligen Ruine könnte eine moderne Gastronomie mit Wellnessbereich am Ufer der Altmühl entstehen. Aber die Denkmalbehörde will eine Erweiterung nicht genehmigen. (Foto: Stefan Neidl)

Bürgermeister Marco Meier versteht die Welt nicht mehr: Das alte Gerberei-Gebäude an der Altmühl steht seit über zehn Jahren leer und ist dem Verfall preisgegeben. Nun fand sich ein Investor, der eine Gastronomie daraus machen möchte. Doch die Denkmalschutzbehörde stellt Hürden auf, wegen derer das Projekt nun zu scheitern droht.

Die Stadt Ornbau hatte die alte Gerber-Mühle 2021 für 200.000 Euro mit der Absicht gekauft, das Gebäude zu sanieren, erinnerte Meier nun bei einem Pressetermin. Doch es fehlte das Geld und so suchte Ornbau einen Investor, der dies übernehmen sollte. Eine Voraussetzung für den Kauf sollte sein: der Betrieb einer ganzjährigen Gastronomie.

Und tatsächlich fand sich mit Boris Jungbauer ein Käufer, der auch bereit war, die Auflage der Stadt zu erfüllen. Traditionelle deutsche Küche, Biergarten, elf Übernachtungszimmer und dazu ein Wellnessbereich – die Pläne des Ingenieurs aus Ansbach waren ambitioniert. Investitionssumme: mehrere Millionen Euro. Da nahm die Stadt auch gerne 30.000 Euro Verlust im Vergleich zum Erwerbspreis bei der Veräußerung in Kauf.

Der Notartermin war im September 2023. Jungbauer sagte damals schon, einen Ort des Lebens und des Zusammenkommens für Jung und Alt erschaffen zu wollen. Die alte Gerberei liegt an einem viel genutzten Fahrradweg und ist an das Radwegenetz des Fränkischen Seenlandes und an den Altmühlradweg angeschlossen. „Eine Studie zeigte, dass in der warmen Jahreszeit hier 30.000 Radfahrer durchkommen“, sagte Meier.

Außerdem fehle in Ornbau eine richtige Gastronomie, die Speis und Trank anbietet. Beide Seiten freuten sich auf das Projekt. Die Stadt will ergänzend im Rahmen eines touristischen Gesamtkonzepts einen Foto-Point, Parkplätze und Wohnmobilstellplätze errichten.

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Schwierige Behördenbeteiligung

Doch dann begann die Abstimmung mit den Behörden, die Meier an den Rand der Verzweiflung treibt. Denn das 1746 erbaute Hauptgebäude und die Scheunenerweiterungen von 1880 und 1923 sind als Einzeldenkmäler in der bayerischen Denkmalliste aufgeführt. Der Denkmalschutz hat bei allen baulichen Veränderungen ein Wort mitzureden.

Die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Ansbach legte Ornbau und Jungbauer so manchen Stein in den Weg, findet Meier. Meist fand man Kompromisse, sogar die beiden über 100 Jahre alten Scheunen an der Westseite dürfen abgerissen werden, um Platz für den Wellness-Bereich zu schaffen. Problem ist das Hauptgebäude. Jungbauer möchte es um einen einstöckigen Wintergarten – etwa 15 Mal 3,5 Meter groß – zum Fluss hin erweitern. Für die Untere Denkmalschutzbehörde eine rote Linie: Der Wintergarten wäre „eine massive Kubaturveränderung“, heißt es von Fabian Hähnlein, dem Pressesprecher des Landratsamtes. Der umbaute Raum im Gebäude würde zu stark vergrößert.

Die Folge ist nach Lesart der Behörde „eine erhebliche Störung des überlieferten Erscheinungsbildes des Baudenkmals“. Deshalb sei der Wintergarten nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz nicht „erlaubnis- oder genehmigungsfähig“.

Von den Behörden kam laut Meier der Vorschlag, statt des Wintergartens einen nach außen offenen Pavillon an der Ostseite zu errichten oder Teile des geplanten Wellnessbereichs für die Gastronomie zu nutzen. Beides aber käme für Investor Jungbauer nicht in Frage: Ein Pavillon nehme Plätze des Biergartens weg und eine halb-offene Gestaltung wäre, noch dazu auf der Ostseite und in den kalten Monaten, zu schattig. Eine Verlegung in den Wellness-Bereich würde diesen räumlich einschränken und durch die längeren Wege den Betrieb der Gastronomie erheblich erschweren.

Verschiedene Ausspracheversuche scheiterten. Verweise auf andere Beispiele wollte die Denkmalschutzbehörde mit dem Verweis auf Einzelfallentscheidungen nicht akzeptieren. Meier suchte auch das Gespräch mit Landrat Dr. Jürgen Ludwig: ohne Erfolg.

Für Investor Jungbauer kommt nur eine Verwirklichung des Gesamtprojekts bestehend aus Gastronomie, Wellness und Übernachtung in Frage. Darum steht er kurz vor der Aufgabe, sagt Meier. Für den Bürgermeister ist das Behördenverhalten unverständlich: „Da kommt jemand und sagt, er investiert Millionen von Euros. Und dann schränkt man ihn so ein, dass er aufgeben muss.“ Gerade der Vorwurf, der Anbau würde zu einer Störung des Erscheinungsbildes führen, stört ihn: „Das Gebäude ist am Zerfallen. Was kann da noch gestört werden?“


Ein super Projekt.

Marco Meier

Aber noch will Meier nicht aufgeben. Er bringt in die Stadtratssitzung am Dienstag, 3. Dezember, eine Resolution ein, um den politischen Druck zu erhöhen. An einer Unterschriftenaktion sollen sich alle Bürger beteiligen. Auch die regionalen Landtagsabgeordneten will er ins Boot holen. Sein Ziel ist es, dass „Ornbau in seiner Planungshoheit nicht durch die Denkmalschutzbehörde beschränkt wird“. Der Bürgermeister stellt klar: „Hier geht es um Tourismus, Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung. Wir haben hier die Möglichkeit, ein super Projekt auf die Beine zu stellen.“

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