Deutlich mehr Karpfen, als zunächst gedacht, sind in diesem Sommer im Scheerweiher verendet. Beim Ablassen des Wassers in dem Naturschutzgebiet hat sich das ganze Ausmaß gezeigt. Bei der Ursache für das Fischsterben gehen die Meinungen des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach und des Pächters auseinander.
Wer dieser Tage in dem Naturschutzgebiet unterwegs ist, wird vielleicht ungläubig schauen. Denn im Scheerweiher fehlt das komplette Wasser. Dieses ist freilich nicht einfach so verschwunden. Tatsächlich ist der aktuelle Anblick nicht ungewöhnlich. Denn immer zu dieser Jahreszeit wird der Scheerweiher abgelassen, um die darin lebenden Karpfen abzufischen. Zuständig dafür ist Johann Hausmann.
Er hat den Scheerweiher von der Stadt Ansbach gepachtet, um hier den beliebten Speisefisch zu züchten. Hausmann bestreitet damit seinen Lebensunterhalt. Doch in diesem Jahr war das Abfischen für ihn ein großes Ärgernis. Dies hat damit zu tun, dass im Sommer rund 700 tote Karpfen festgestellt wurden. Doch erst jetzt, als das Wasser abgelassen war, hat sich das ganze Ausmaß gezeigt.
Der Pächter hat noch mehr tote Karpfen gefunden, weshalb die Gesamtanzahl auf 1000 gestiegen ist. Der Anblick sei eine Katastrophe gewesen, sagt Hausmann im Gespräch mit der Fränkischen Landeszeitung. Die Menge an verendeten Fischen bedeutet für ihn nahezu einen Komplettausfall. Wie es zu dem Fischsterben gekommen sein kann, dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.
Nach den Informationen des Ansbacher Wasserwirtschaftsamtes ist es am 16. Juli zu einem Störfall in der Teichkläranlage in Dornberg gekommen. Ein Biber hatte einen Damm der Anlage aufgegraben, sodass Abwasser ausgetreten und über den Hohenmühlbach in den Scheerweiher gelangt ist. Da es sich dabei zwar um nicht zu 100 Prozent gereinigtes, aber bereits geklärtes Abwasser gehandelt hat, „hat uns das erst einmal nicht beunruhigt”, wie Abteilungsleiterin Nadine Wölkl erklärt.
Als aber Anfang August bekannt wurde, dass eine Vielzahl an Fischen verendet ist, hat sich das geändert. „Da waren wir aber die Letzten, die davon erfahren haben”, macht Wölkl deutlich. In der Folge wurde eine Wasserprobe genommen und diese an das bayerische Landesamt für Umwelt geschickt. Auch ein toter Karpfen wurde eingeschickt,
Die Ergebnisse der Wasserprobe liegen mittlerweile vor. Tatsächlich wurden einzelne Substanzen gefunden, die zu dem Abwasser aus der Kläranlage passen. Aber aufgrund der laut Wasserwirtschaftsamt geringen Konzentration haben diese keine Bedeutung für den Scheerweiher. Auch hebt die Behörde hervor, dass kein Klärschlamm gefunden wurde. Aufgrund der Ergebnisse kommt die Behörde zu dem Schluss, dass man nicht davon sprechen könne, dass der Störfall an der Kläranlage ursächlich für das Fischesterben ist.
Stattdessen deutet gemäß den Ausführungen des Amtes vieles darauf hin, dass ein Karpfen-Virus der Grund dafür ist, dass die Fische verendet sind. Wie es zu einer Infektion kommen konnte, ist unklar. Allerdings liegen die endgültigen Ergebnisse der Fischprobe noch nicht vor, wie Nadine Wölkl sagt. Sie befürchtet auch, dass der Vorfall nicht abschließend und zu 100 Prozent geklärt werden kann.
Pächter Johann Hausmann hat derweil eine andere Sicht auf die Dinge. Für ihn steht fest, dass das ausgelaufene Abwasser die Ursache dafür ist, dass seine Karpfen verendet sind. Hinzu kommt, „dass man uns nicht verständigt hat”, was nach seinen Worten hätte passieren müssen. Einen Streit mit der Behörde will Hausmann nicht vom Zaun brechen oder gar Öl ins Feuer gießen. Allerdings: Wie die ganze Sache gelaufen ist, „ärgert mich gescheit”.