Saubere Schuhe für Golfer: Robert Schülein tüftelt unermüdlich | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.11.2024 18:11

Saubere Schuhe für Golfer: Robert Schülein tüftelt unermüdlich

Robert Schülein vor seiner Reinigungsmaschine, auf die er ein Patent angemeldet hat und die sich im Praxistest im Golfclub Lichtenau tagtäglich bewährt. (Foto: Florian Pöhlmann)
Robert Schülein vor seiner Reinigungsmaschine, auf die er ein Patent angemeldet hat und die sich im Praxistest im Golfclub Lichtenau tagtäglich bewährt. (Foto: Florian Pöhlmann)
Robert Schülein vor seiner Reinigungsmaschine, auf die er ein Patent angemeldet hat und die sich im Praxistest im Golfclub Lichtenau tagtäglich bewährt. (Foto: Florian Pöhlmann)

Probleme? Schwierigkeiten? Klar, die gibt es auch für Robert Schülein. Doch die stellen für den selbstständige Landmaschinenmechaniker keine unüberwindlichen Hürden dar, im Gegenteil. Auf dem Platz des Golfclubs Lichtenau bewähren sich die Einfälle des 66-Jährigen tagtäglich im praktischen Einsatz.

Schon von klein auf war Schülein begeistert von Technik, in seiner Lehrzeit bei Audi bekam er das große Einmaleins der Metallbearbeitung vermittelt. „Schweißen, drehen, bohren“, das alles lernte er von der Pike auf und fand zunehmend Gefallen daran, Herausforderungen mit individuellen Antworten zu begegnen. „Es macht Spaß, Lösungen zu generieren“, sagt Schülein und lächelt verschmitzt.

„Eine Sauerei“ war der Anfang

Ein Erlebnis vor etwa sieben Jahren, als er mit dem Golfspiel begonnen hatte, weckte seinen Forschergeist. Jedes Mal, wenn die Spieler von der Runde zurück ins Hotel kamen, pflasterten Grasreste und Erde aus dem Schuhwerk sowie von den Rädern der Trolleys ihren Weg. „Eine Sauerei“, bringt es Schülein auf den Punkt. Die Lösungen, die es bis dahin gab, überzeugten ihn nicht. Das musste doch deutlich besser, effektiver gehen.

Er setzte sich an seine Werkbank, überlegte, zeichnete, verwarf, probierte neu und kreierte schließlich den „Golfers Clean Park“: Ein Multifunktionsgerät, auf dem die Schuhsohlen in Längs- und Querrichtung gereinigt, die Schläger mit Frischwasser vom Dreck befreit und dann getrocknet werden. „Das Ding war super“, sagt Schülein im Rückblick. Und doch setzte es sich nicht durch, weil die Reinigung für den einzelnen Golfer bestens funktionierte, aus Sicht der wartenden Mitspieler jedoch zu viel Zeit in Anspruch nahm.

Entwicklungen gehen peu à peu voran

Schülein nahm auch diese Erkenntnis gelassen hin und interpretierte es keinesfalls als Rückschlag seiner Bemühungen. Entwicklungen geschehen schließlich zumeist nicht in einem Schritt, sondern eben peu à peu. Er vergleicht das mit der Besichtigung eines Hauses, immer wieder gingen neue Türen auf. „Es geht immer noch besser.“ Wenn man so will, ist das sein Leitmotiv, das ihn stets aufs Neue antreibt. Und doch sagt er heute: „Es ist ein harter Weg, etwas zu entwickeln.“

Ausdauer gehört da sicher dazu, genau wie eine ausgeprägte Leidensfähigkeit – und ein Schuss Idealismus, „sonst machst du das nicht“. Nicht selten verschwand Schülein nach einem langen Arbeitstag in der Firma und einem schnellen Abendessen mit seiner Frau wieder für viele Stunden in der Werkstatt, um neue Ansätze auszutesten. „Da verpasst du Essen und Trinken und hörst nicht auf, weil du so fokussiert bist und das fertigstellen willst.“

Schuheputzen ohne sich zu bücken

Eine praktische Lösung lag für Schülein in dem Fall auf der Hand. Er entkoppelte die Multi-Funktions-Maschine, baute eine Schuhputzstation, bei der sich niemand mehr bücken muss und einen Schlägerreiniger, in dem Golfer ihre Eisen nach nur wenigen Sekunden dank eines rotierenden Bürstenballs wieder blitzsauber in den Händen halten können.

Das Besondere dabei: Lediglich Pumpe und Relais sind bewegte Teile und damit potenziell von Abnutzung betroffen, alle anderen Elemente allerdings nicht. „Darauf bin ich stolz“, sagt der ansonsten so bescheiden auftretende Erfinder und seine Augen glänzen.


Ich muss keinen

großen Porsche fahren.

Die Stunden, die in das Projekt geflossen sind, hat er nicht gezählt. „Ich bin Idealist“, wiederholt er. Was beinhaltet, dass der mit seinem Landmaschinenbetrieb in Lehengütingen bei Schopfloch recht erfolgreiche Unternehmer auch die finanziellen Möglichkeiten hat, seine Ideen umzusetzen. „Ich muss keinen großen Porsche fahren“, sagt er dazu. Erfindungen sind sein Hobby, genau genommen neben der Musik seine große Leidenschaft.

„Ein Reiniger für Trolleys juckt mich noch“

Blauäugig geht Schülein dabei nicht vor. „Wenn du es nicht vermarkten kannst, war es ein Spaß“, erklärt er die Zusammenhänge. Für seinen Schlägerreiniger, der im Golfclub Lichtenau täglich im Einsatz ist, hat er in mehreren europäischen Ländern ein Patent angemeldet, ein halbes Dutzend der Maschinen wurden über einen Lizenzvertrag bei einem regionalen Hersteller gebaut und bereits verkauft.

Doch ums Geld geht es Schülein nicht. Im Mittelpunkt seiner Entwicklungsarbeit stehen „Spaß und Erfolgserlebnisse“. Ab dem kommenden Jahr ist er offiziell Rentner und könnte noch mehr Zeit in seine Erfindungen stecken. „Ein Reiniger für Trolleys juckt mich noch“, sagt Schülein. Ideen gehen einem wie ihm wohl nie aus.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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