Die Sanierung des ehemaligen Rathauses in Feuchtwangen ist mit deutlicher Verspätung auf die Zielgerade eingebogen. Weil noch einige Details umgesetzt werden müssen, verschiebt sich die Wiedereröffnung des geschichtsträchtigen Gebäudes auf Februar 2026. Schon jetzt spricht der Bürgermeister von einem „Vorzeigeobjekt”.
Markt 1, eine viel prominentere Adresse gibt es in Feuchtwangen wohl kaum. Entsprechend umsichtig wird bei der Sanierung des anno 1356 erstmals urkundlich erwähnten ehemaligen Rathauses vorgegangen. Das hat zur Folge, dass die ursprünglich für Mai 2025 vorgesehene Wiedereröffnung erst auf August und nun auf Februar 2026 verschoben worden ist, wie Farag Khodary, Leiter des Bauamts der Stadt, bei einem Ortstermin berichtet.
Immerhin: Die große Bautafel, die beinahe zweieinhalb Jahre lang den Blick auf das historische Gemäuer im Besitz der Stadt verstellte, ist inzwischen verschwunden. Auch das Gerüst ist weitestgehend abgebaut, nur ein kleiner Teil davon wird noch für die restlichen Malerarbeiten an der Fassade benötigt. Ob es bei der momentanen Farbwahl bleibt, die einem cremigen Sandsteinton gleicht, darf der dafür zuständige Bauausschuss in seiner Sitzung im Januar entscheiden.
„Ein historisches Vorbild haben wir nicht gefunden“, klärt Stadtbaumeister Khodary auf. Lediglich ein paar schwarz-weiß-Bilder wären dazu im Archiv aufbewahrt worden. Klar ist, dass die von 1820 bis 1974 als Rathaus genutzte Immobilie einst zweifarbig war, bemerkt Bürgermeister Patrick Ruh.
Die Farbgestaltung ist aber nur eines von ganz vielen Mosaikstückchen, die am Markt 1 noch immer nicht ganz zusammengesetzt sind. Grund für die mehrmonatige Verspätung waren in der Hauptsache Schäden an dem 1520 errichteten und im Laufe der Zeit immer wieder modifizierten Gebäude. Die Beseitigung der Sünden der Vergangenheit war deutlich umfangreicher als zuvor erfolgte Stichproben annehmen ließen.
Gerade die Fachwerk- und Deckenkonstruktionen an der Nordwand zum Rosmaringässchen, die zu Beginn der Sanierung „verputzt und innen mit mehreren Lagen Tapeten verkleidet war“, wie Khodary ausführt, sind für den Verzug verantwortlich. „Vieles war morsch“, bringt es der Stadtbaumeister auf den Punkt. Dazu kam die aus heutiger Sicht fehlerhafte Verwendung eines ungeeigneten Putzes für zahlreiche Teile der Fachwerkkonstruktion.
Trotz dieser Herausforderungen ist das Projekt laut Khodary „nicht deutlich teurer“ und damit im Kostenrahmen geblieben. Das vom Stadtrat genehmigte Budget lautete auf insgesamt 4,17 Millionen Euro. Dabei konnten zwei Programme der Bayerische Städtebauförderung angezapft werden: Mittel in Höhe von rund 3,7 Millionen Euro werden wieder zurück in die Stadtkasse fließen.
Der auch finanzielle Aufwand für die Sanierung des stadtbildprägenden Denkmals habe sich aber gelohnt, lässt Bürgermeister Patrick Ruh durchblicken und sagt schon jetzt stolz: „Das ist das repräsentativste Gebäude der Stadt.“ Im Innenbereich sind „die ursprünglich gut proportionierten Räume und die historischen Konstruktionen wieder sichtbar“, sagt der Stadtbaumeister nicht ohne Stolz.
Der Fischgrätboden sieht wie frisch gewienert aus, die aufgearbeiteten historischen Türrahmen verleihen den Räumen Größe, die neuen Fenster sind hübsch nach historischem Vorbild gestaltet. Und das Treppenhaus mit seinem fein gearbeiteten Geländer ist wieder ein Schmuckstück. „So ein Denkmal muss aber leben“, findet wohl nicht nur Khodary.
Zahlreiche Vereine und Organisationen warten bereits auf den Einzugstermin. Die Begegnungsstätte „Feu-Mitte“ sowie die Stelle für Integration und Inklusion werden in ihr bisheriges Domizil zurückkehren. Im Dachgeschoss, das bislang als Unterkunft für Ensemblemitglieder der Kreuzgangspiele gedient hat, erhält der Turn- und Sportverein (TuS) Feuchtwangen markante Büroräume inklusive Mini-Küche.
Die nötige freie Zugänglichkeit aller Räume garantiert künftig ein Aufzug, der das alte Rathaus vom Keller bis nach ganz oben erschließt. Alle Geschosse des Gebäudes sind damit barrierefrei zu erreichen.
Die Innenarbeiten sind weitestgehend abgeschlossen, im Januar soll der Eingangsbereich noch gepflastert werden, verrät der Bürgermeister. Bis zur Eröffnung der neuen Tourist-Information, die im Erdgeschoss ihr Quartier beziehen soll, wird es hingegen noch dauern. Hier sind zwar alle Leitungen verlegt und vieles bereits vorbereitet. Weil aber der entsprechende Fördertopf gerade leer ist, liegt der finale Ausbau auf Eis. Da müsse man auf die Regierung von Mittelfranken warten, lässt der Bürgermeister wissen.