Ein solcher Abschied ist wenigen vergönnt. Ernst Berendes dirigierte im vollen Onoldiasaal sein letztes Konzert als Leiter des Stadt- und Jugendblasorchesters. Der Applaus war lang. Und nicht einmal, sondern zweimal erhob sich das Publikum an diesem Abend zu seinen Ehren von den Plätzen. Die Markgrafen samt Gefolge kamen auch.
„Saludos Amigos“, der Titel des letzten Stückes, das Ernst Berendes dirigierte, war der Abend überschrieben. Das war sinnig doppelt gemeint, einfach als Gruß: für den alten und neuen Dirigenten, wie Christian Laubert erklärte. Der künstlerische Leiter des Freilandtheaters Bad Windsheim führte unterhaltsam und kompetent als Moderator durch den Abend.
„Saludos Amigos“, das stand für einen Abschied und gleichzeitig für einen Anfang. Denn Márk Sirok, Berendes Nachfolger, erhielt nach dem ersten Programmteil von Oberbürgermeister Thomas Deffner einen neuen Taktstock. „Stabübergabe“ hieß der Programmpunkt. Das war symbolisch gemeint. Ernst Berendes durfte seinen Taktstock behalten. Er hatte einen neuen erst vor zwei Jahren geschenkt bekommen, als er den Ansbacher Kulturpreis erhielt.
Was damals galt, stimmte noch immer. Und so würdigte der Oberbürgermeister die große Lebensleistung von Berendes. In 38 Jahre habe er ein Orchester aufgebaut, mit dem er in der höchsten Leistungsklasse musiziere, das kulturelle Leben der Stadt bereichere, mit dem er auf Reise gehe und gemeinsame Abende verbringe. Berendes Engagement „ging und geht“, so Deffner, dabei weit über das Notwendige, das dienstlich Geforderte hinaus. Dem Dank des OB ließ Kulturreferentin Nadja Wilhelm noch ihren eigenen folgen: Man könne nicht genug danken.
Herzlich willkommen hießen beide den neuen Dirigenten des Stadt- und Jugendblasorchesters Ansbach. Der erwies mit seinem ersten Stück gleich Ernst Berendes eine schöne Reverenz. Er dirigierte Giuseppe Verdis Triumphmarsch, den Berendes für sein Orchester bearbeitet und für den er eigens Aida-Trompeten angeschafft hat. Der Opern-Hit ist fast schon so etwas wie ein Erkennungsstück des Orchesters geworden.
Auch mit der folgenden Chaconne aus Gustav Holsts Es-Dur-Suite und dem folkig fröhlichen „Floral Dance“ von Katie Moss empfahl sich Márk Sirok als vielversprechender Nachfolger. Das war ebenso filigran gearbeitet wie klangschön umgesetzt.
Davor und danach gehörte noch einmal Ernst Berendes das Dirigentenpult. Suppés Ouvertüre zur „Leichten Kavallerie“, Sparkes „Kaleidoscope“, Wiffins „Chase the Sun“ und ein Gershwin-Medley deckten ein stattliches Stilspektrum ab. Da waren epische Momente und lyrische Episoden zu erleben und eine sinfonisch reiche Farbpalette zu hören. Ein schwungvoller Optimismus regierte und riss am Ende mit Rolf Schneebiegls Latin-Medley „Saludos Amigos!“ und den zugegebenen 80er-Jahre-Hits noch einmal alle im Saal mit.
Dass sich eine solche Glanzleistung auch mit einem ausgezeichneten Amateurorchester nicht allein in Proben erarbeiten lässt, sondern eine feste Basis braucht, ein Fundament aus Vertrauen und freundschaftlichem, ja familiärem Miteinander, das machte das Konzert außerdem klar. Viele Ehemalige waren gekommen, um mitzuspielen oder zuzuhören – und das Orchester schenkte, unterstützt von der Stadt, seinem ersten Dirigenten zum Dank einen Tag in den Weinbergen von Hüttenheim samt dem Modell eines kleinen Tourbusses.
Als Überraschung sang und spielte es den Marsch „Dem Land Tirol die Treue“. Der Text war neu und endete mit drei Ausrufezeichen: „Du bist der Ernst des Lebens vom Orchester / für all die Jahre danken wir dir Ernst!!!“