Jede Kommune ist gesetzlich verpflichtet, ein Archiv zu führen. Festangestellte Fachkräfte können sich kleine Gemeinden für diese Aufgabe aber nicht leisten, weshalb das nur mit passionierten Ehrenamtlichen geht. In Dombühl (Landkreis Ansbach) hat diesen Dienst jahrzehntelang Rudi Opitsch verrichtet. Aus Altersgründen hört er jetzt auf.
Im Gemeinderat wurde seine Arbeit ausgiebig gewürdigt. Bürgermeister Jürgen Geier bezeichnete Opitschs Wirken als vorbildlich. Vor 46 Jahren habe er aus eigenem Antrieb damit begonnen, Dokumente und Veröffentlichungen, die aus seiner Sicht relevant waren für die Kommune, zu sammeln und aufzubereiten. Diese „private Leidenschaft“ sei dann 2005 übergegangen in einen Dienst, den er seither im offiziellen Rahmen für die Gemeinde geleistet habe, so Geier.
In die Ausstattung des im alten Rathaus untergebrachten Archivs sei dann auch immer wieder investiert worden, so dass Opitsch die Möglichkeit gehabt habe, viele der Unterlagen zu digitalisieren. Dombühl habe ihm für diese Aufbauleistung und die Pflege dieses „Gedächtnisses der Gemeinde“ viel zu verdanken, erklärte der Rathauschef, der dem inzwischen 86-Jährigen mehrere Präsente überreichte, darunter ein gerahmtes Porträtbild.
Rudi Opitsch, der sein Berufsleben bei der Polizei verbrachte, betonte, diese Arbeit immer gerne gemacht zu haben. Dazu inspiriert worden sei er 1978 vom damaligen Pfarrer Burkhard Stark. Aus der Beschäftigung mit geschichtlichen Unterlagen heraus habe es sich auch ergeben, spezielle ortshistorische Themen in Vorträge zu packen und diese öffentlich zu halten, erzählte er.
Nach der offiziellen Einrichtung eines Archivs im alten Rathaus seien die Arbeitsbedingungen zunächst sehr schwierig gewesen. Durch Modernisierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen habe sich das aber über die Jahre stark verbessert, vor allem mit dem Umzug der Gemeindeverwaltung in das neue Rathaus. Seither sei für das Archiv räumlich alles sehr gut geregelt, so Rudi Opitsch, der von einem „Wohlfühlort“ sprach.
Die technische Ausstattung ermögliche ein zeitgemäßes Arbeiten, gerade hinsichtlich der erwünschten Digitalisierung von Dokumenten. Im Bestand befänden sich zahlreiche für die Gemeinde äußerst wertvolle Originale. Die ältesten Dokumente reichten bis tief in das 17. Jahrhundert zurück, berichtete er. Eines seiner Lieblingsthemen sei das Gebiet der Familienforschung gewesen, so Opitsch. Immer wieder hätten ihn Anfragen von Leuten aus dem Ausland mit familiären Wurzeln in Dombühl erreicht.
Wenn er dazu etwas gefunden habe, sei das immer eine große Freude gewesen. Er habe Dankschreiben aus den Vereinigten Staaten oder auch aus Frankreich erhalten.
Zum Schluss dankte Rudi Opitsch seiner Frau, die diese aufwendige Beschäftigung nicht nur toleriert, sondern auch unterstützt habe. Seinem Nachfolger werde er gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen, erklärte der 86-Jährige.
Weiterführen wird diese Aufgabe zweiter Bürgermeister Andreas von Berg. Der sei als Geschichtslehrer prädestiniert für die Aufgabe, meinte Bürgermeister Jürgen Geier.