Er hat auch mal Thomas Gottschalk getroffen, aber eine seiner schönsten Erinnerungen ist eine Reise nach Japan: Kurt Förster war 24 Jahre lang Bürgermeister von Rothenburg, noch länger im Stadtrat. Seit Mai ist er im politischen Ruhestand.
Der Abschied war keine Überraschung und wohlüberlegt. Primär ist die Entscheidung natürlich aus Altersgründen gefallen, Förster ist 75 Jahre alt. Fast wäre es vor sechs Jahren schon so weit gewesen. Förster und sein Bürgermeister-Kollege Dieter Kölle, der Zweiter Bürgermeister bis Mai war, hatten schon überlegt, aufzuhören. Dass sie sich schlussendlich entschieden, noch einmal weiterzumachen, hatte damit zu tun, dass damals klar gewesen war, dass eine komplett neue Person Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin wird, teilsweise ohne kommunalpolitische Erfahrung. Der damalige OB Walter Hartl war nicht mehr angetreten. Förster und Kölle wollten dem neuen Stadtoberhaupt unterstützend zur Seite stehen. Und das haben sie gemacht, wie Förster im Gespräch mit der Redaktion erzählt.
Ich bin da
völlig locker
Nicht nur saß er in den Sitzungen des Stadtrates direkt neben dem Oberbürgermeister, ansonsten fielen auch viele Termine an, an denen er mit dem Stadtoberhaupt, seinem Vertreter-Kollegen und der Verwaltung beisammensaß. Vorbesprechungen, Terminverteilungen und mehr. Denn das Ehrenamt des Bürgermeisters ist ein durchaus aufwändiges. Förster hat es sehr gerne gemacht, er lächelt viel, wenn er erzählt. Ausgeglichen, ruhig und entspannt fühlt er sich jetzt nach dem Ende seiner politischen Ära. „Ich habe mit dem Thema abgeschlossen. Das habe ich mir lange genug überlegt. Ich bin da völlig locker.”
Im Jahr 1990 fing seine lokalpolitische Karriere für die SPD an. „Ich als kleines Polizistla”, kommentiert er das lachend. Nie wäre er auf die Idee gekommen, für den Stadtrat zu kandidieren, erinnert er sich. Er war damals Vorstandsmitglied bei der Verkehrswacht und Verkehrserzieher bei der Polizei und deshalb immer wieder mit Herbert Hachtel, damals Oberbürgermeister der Stadt, im Gespräch. „Da sagt der Herbert zu mir: Mensch Kurt, warum kandidierst du eigentlich nicht?”
Er kandidierte, wurde direkt ins Gremium gewählt – und sollte seit 1996 immer Stimmenkönig bei den Stadtratswahlen werden, wie er erzählt. Im Jahr 2002 wurde er dann zum Bürgermeister gewählt, erzählt er.
Vier Jahre später erlitt Kurt Förster eine Niederlage, die fast seine politische Laufbahn beendet hätte: Er trat als Oberbürgermeister-Kandidat an und verlor. Neuer OB war dann Walter Hartl. Noch am Wahlabend war sich Förster sicher, dass er nicht mehr als Bürgermeister weitermachen wollte. Doch der frisch gewählte Hartl hörte direkt davon und verließ seine eigene Wahlparty in Richtung Ochsen, um Förster vom Weitermachen zu überzeugen, erzählt dieser im Gespräch. Erfolgreich. Er hat mit der Episode seinen Frieden gemacht und ist froh, dass er nicht aufgehört hat.
Einiges hat er im Lauf seiner Stadtrats-Karriere erreicht. „Wer denkt heute noch daran, dass der Topplerweg einmal eine Zwei-Richtungsstraße war?”, fragt er lachend. Damals ist der Verkehr in beide Richtungen gelaufen, „und dazwischen die Schülerinnen und Schüler und dazwischen die ganzen Kinder mit Fahrrädern, die ins Schulzentrum raus mussten”. Förster stellte den – erfolgreichen – Antrag, den Topplerweg zur Einbahnstraße zu machen. Darauf ist er stolz. Ein weiteres Beispiel: die Ampel für Fußgängerinnen und Fußgänger im Bezoldweg, die er mit dem ehemaligen SPD-Fraktionsvorsitzendem Dr. Dr. Günther Strobl angestoßen hat.
Schulwegsicherheit und Verkehrssicherheit in der Stadt waren über all die Jahre Herzensthemen von Förster. Später kam ein weiteres dazu: Städtepartnerschaften. Viel rumgekommen ist er, war in den verschiedenen Rot(h)enburgs, in den Partnerstädten und vertrat auch immer wieder den Oberbürgermeister. Förster wurde Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins, als er in den Ruhestand wechselte. „Da waren tolle Sachen dabei.”
Besonders erinnert er sich an eine Reise nach Japan zum Flughafen Haneda. Zur Einweihung des dritten Terminals hatte die Stadt Rothenburg eine Einladung bekommen, der OB hatte aber keine Zeit. Stattdessen durfte Förster fliegen. „Ich weigere mich da nicht”, kommentierte er damals und lacht bei der Erinnerung. „Wir sind empfangen worden wie Staatsgäste.” Betreut wurde die Rothenburger Delegation vom Vize-Präsidenten des Flughafens. „Das war die schönste Reise überhaupt und eines der Highlights als Bürgermeister.”
Da waren
tolle Sachen dabei.
Über die Jahre hat Förster mehrere Auszeichnungen erhalten: die Verdienstmedaille der Stadt im Jahr 1972 – allerdings für herausragende sportliche Leistungen im Handball – sowie die Verleihung der Bürgermedaille als höchste Auszeichnung der Stadt im Jahr 2008. Zur Würdigung seiner außergewöhnlichen Leistungen wurde er im Jahr 2018 vom Freistaat Bayern mit der Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze ausgezeichnet. Lange Jahre war er auch Mitglied im Kreistag des Landkreises: von 2002 bis 2020.
Auch auf die Corona-Zeit geht er kurz ein. Diese habe einen riesigen Einbruch in allen Aktivitäten gebracht. „Wir sind früher ja fast Tag und Nacht unterwegs gewesen.” Das sei jetzt bei Weitem nicht mehr so. Stattdessen gebe es mehr örtliche und regionale Bezüge, doch „sonst waren wir ja in ganz Bayern auf Terminen”. Früher war Förster fast jeden Tag in Sachen Bürgermeister im Rathaus. Bei der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats Mitte Mai war er auch im Rathaus – aber zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten als Besucher.