Die Altstadt steht bei Paaren, die heiraten wollen, weiter hoch im Kurs. So verzeichnete das städtische Standesamt 2025 insgesamt 130 Trauungen, sieben mehr als im Jahr davor. 2026 ging es auch schon wieder gut los, und zwar gleich mit einer interkontinentalen Eheschließung.
Das erste Ja-Wort des neuen Jahres im altehrwürdigen Rathaus gaben sich die Japanerin Yuka Tokunaga und der Frankfurter René Giese. Beide haben eine Vorliebe für Kunst und lernten sich über den entsprechenden Austausch zu diesem Thema in einem sozialen Netzwerk näher kennen. Schließlich machte sich René Giese auf nach Tokio, um gemeinsam mit Yuka Tokunaga dort eine Street-Art-Ausstellung zu besuchen. Dabei habe es gefunkt, so René Giese.
Der 48-jährige Immobilienkaufmann lebt in Frankfurt. Seine gleichaltrige Frau Yuka, die mit der Trauung auch seinen Namen angenommen hat, arbeitet in Tokio als Ikebana-Lehrerin und Aromatherapeutin. Im Sommer möchte sie zu ihrem Mann nach Deutschland umziehen.
Rothenburg, so René Giese, sei „eine traumhaft schöne, bezaubernde Stadt”. Seine Frau wollte unbedingt hier im Rathaus heiraten, und er hat ihr den Wunsch von Herzen gerne erfüllt. Die Trauungszeremonie wurde genau erklärt und von einem Dolmetscher begleitet, der Japanisch und Deutsch spricht. Standesbeamtin Manuela Dehm hatte diesen vorher vereidigt.
Die Hochzeitsgesellschaft steuerte nach der Zeremonie im Rathaus ein nahegelegenes Restaurant an und feierte dort mit regionalen Schmankerln weiter.
Im Standesamt wird damit gerechnet, dass die 2025 registrierte Zahl von 130 Trauungen auch heuer wieder erreicht wird. Bis jetzt seien für 2026 schon wieder 50 Termine eingetragen, erklärte auf Anfrage der Redaktion Standesbeamtin Manuela Dehm. Der statistische Trend sei jedenfalls seit 2023 – damals waren es 111 Trauungen – anhaltend positiv.
Einheimische Paare bilden dabei übrigens die Minderheit. Etwa 60 Prozent kämen „von außerhalb“, so Manuela Dehm. Dieser Anteil ergebe sich bei Zählung der Fälle, in denen die Anmeldung zur Eheschließung, welche am Standesamt des Wohnsitzes vorgenommen werden müsse, eben nicht in Rothenburg erfolgt sei. Etwa 25 Prozent der hier erfolgten Eheschließungen seien im Übrigen international, sprich: Mindestens ein Teil des trauwilligen Duos hat eine ausländische Staatsangehörigkeit.
Zu beobachten sei generell, dass immer mehr Paare auf eine kirchliche Trauung verzichteten und dementsprechend schon die standesamtliche Hochzeit zunehmend „als Event gesehen” werde, so die Standebeamtin.
Von wo genau die Paare kämen, sei aus der Statistik übrigens nicht zu filtern. Viele hätten eine Verbindung durch die Familie nach Rothenburg oder durch eine hier verbrachte Kindheit. „Oft gibt es auch einen romantischen Grund, hier zu heiraten, etwa, weil vielleicht schon der eine oder andere Ausflug zu uns geführt hatte”, berichtet Manuela Dehm.
Es gebe aber auch ungewöhnlichere Geschichten, etwa die von einem Paar aus der Türkei, das 2025 hier geheiratet habe, erzählt sie. Die beiden hatten nach eigenen Angaben in eine Internet-Suchmaschine „romantischer Ort Deutschland“ eingegeben und kamen so ohne einen konkreteren Bezug auf Rothenburg ob der Tauber.