Scrabble, das Spiel mit den Buchstabenplättchen, ist ein echter Klassiker. Es heißt, es sei seit 1948 über 100 Millionen Mal verkauft worden. Gelegt werden dabei Worte, normalerweise auf einem Brett. In Dinkelsbühl gibt es für dieses Spiel derzeit überdimensionale Lettern vor der Silhouette der Altstadt. Mit verschärften Spielregeln.
Denn während ein klassisches Scrabble mit allen Buchstaben des Alphabets und neuerdings sogar mit einem Gender-Sternchen arbeitet, stehen in Dinkelsbühl insgesamt nur zehn Lettern zur Verfügung. Eine davon, das L, dafür doppelt: „dinkelsbühl“.
Die Rede ist vom roten Schriftzug, der vor der Altstadtkulisse am Inselweg prangt. Weil die Buchstaben nicht mehr fest im Boden verankert sind, versuchen sich seit einiger Zeit Unbekannte an Wortschöpfungen, die sich aus der zur Verfügung stehenden Buchstabenauswahl bilden lassen. Zu lesen war da beispielsweise „dübelsknihl“ oder „kindesübhll“. Auch mit „übleskindh“ wurde experimentiert.
Im wahren Scrabble-Leben hätte es dafür nur Streit am Spielbrett gegeben, denn keines der Wortungetüme steht im Duden und nur was darin zementiert ist, bringt Punkte.
Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer jedenfalls nimmt die Wortschöpfungsversuche vor der Stadtmauer sportlich: Man habe die ganze Sache mit einem gewissen Schmunzeln verfolgt, lässt er die Pressestelle auf Nachfrage der FLZ ausrichten. Dennoch wolle man dieses Spiel nun beenden. Denn der Bauhof war jeden Tag damit beschäftigt, die Buchstaben wieder in die richtige Reihenfolge zu sortieren. „Und da gehen auf Dauer doch einige Arbeitsstunden drauf“, so der OB.
Deshalb wird jetzt für den Schriftzug ein Rahmen gebaut, der die Buchstaben zusammenhalten und das Umgruppieren verhindern soll. Zumindest hoffen das die Verantwortlichen der Stadt. Im Übrigen soll die Fixierung künftig eine mögliche Beschädigung durch das Umstellen der Lettern verhindern. Die Elemente können nämlich händisch bewegt und verladen werden, wurde im Frühjahr im Bauausschuss erklärt, als der Beschluss für die mobile Version Lettern gefasst wurde.
Der Schriftzug ist in Dinkelsbühl seit rund zwei Jahren ein intensiv diskutiertes Thema. Im Herbst 2021 hatte es reichlich Kritik aus der Bevölkerung sowie auch aus den Reihen des Stadtrates gehagelt, als der Bauhof auf eine Initiative von OB Hammer hin auf der Inselwiese vor dem Bäuerlinsturm den Schriftzug „dinkelsbühl“ fixierte.
Nach kontroversen Diskussionen über die Stadtbild-Wirkung sowie die Frage, ob die opulente Inszenierung des Stadtnamens überhaupt in einem Beschluss verankert wurde, wurden die Buchstaben wieder abgebaut – und zwar mit der Begründung, dass die Farbbeschichtung nachgebessert werden müsse. Das Ganze hatte sich zu einem richtigen Politikum entwickelt.
Aus der Sicht der Befürworter war die mobile Variante des Schriftzugs ein, wie sich jetzt im wahrsten Sinne des Wortes herausstellt, „tragbarer“ Kompromiss zwischen dem Anliegen derjenigen, die sich um das Stadtbild sorgen, und dem Wunsch, für die Schönheit Dinkelsbühls zu werben.
Jedenfalls musste die Kommune für den Marketing-Gag vor der historischen Silhouette gehörig in die Tasche greifen: Der Schriftzug an sich kostete 30.000 Euro. Weitere 15.000 Euro kostete es schließlich, die Lettern auf entsprechende Sockel zu stellen, die mit Sandsäcken beschwert werden.
Die Wortschöpfungskreativität vor der Stadtmauer lässt derzeit jedenfalls Spaziergänger auf ihrer Morgenrunde die Buchstaben ansteuern, um einen Blick auf die neueste Variante des Dinkelsbühler Riesen-Scrabbles zu werfen.