Rokoko-Festspiele in Ansbach: „Welle an Begeisterung” mit enttäuschendem Ende | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.07.2025 08:18

Rokoko-Festspiele in Ansbach: „Welle an Begeisterung” mit enttäuschendem Ende

Die Ansbacher Markgräfin Friederike Luise (links) und ihre Schwester Wilhelmine von Bayreuth tauschen sich aus.  (Foto: Manfred Blendinger)
Die Ansbacher Markgräfin Friederike Luise (links) und ihre Schwester Wilhelmine von Bayreuth tauschen sich aus. (Foto: Manfred Blendinger)
Die Ansbacher Markgräfin Friederike Luise (links) und ihre Schwester Wilhelmine von Bayreuth tauschen sich aus. (Foto: Manfred Blendinger)

Das erste Juli-Wochenende stand ganz im Zeichen der Rokoko-Festspiele: Barockmusik auf dem Marktplatz, historische Brett- und Kartenspiele in der Orangerie nach einem üppigen Mahl und schließlich als Höhepunkt ein Ball im nächtlichen Hofgarten mit einem berühmten Gast. Friedrich der Große war angereist, der preußische König und Bruder der Markgräfin.

Weil das Historienspektakel 75 Jahre alt wurde, ist diesmal zehn Tage lang groß gefeiert worden: mit Tänzen und Konzerten, mit Vorträgen, Lesungen, Sonderführungen, einer Ausstellung und mehr. Das Abschlusswochenende begann am Freitagabend mit Leckereien wie Flugentenpastete, Wildschweinschinken und Zanderterrine sowie Vergnügungen im Glückspielsalon. Dort scharten sich rund 180 Gäste, viele von ihnen in historischer Gewandung, um die Spieltische.

Strenge Etikette bis zur Eisbombe beim Casino

Wolfgang Francois Reddig, markgräflicher Collecteur, pries an einer historischen Lostrommel seine Lose an und versprach üppige Gewinne. Der Spielemeister sorgte dafür, dass nirgends im Saal betrogen wurde; ertappte Falschspieler ließ er unverzüglich von der Wache abführen. Und der Hofmarschall kümmerte sich um die strenge Einhaltung der Etikette – vom Einzug des Markgrafenpaares bis zur Präsentation der Eisbombe.

In die Rolle des Collecteurs war der Ansbacher Museumsleiter Dr. Reddig geschlüpft, Spielemeister war Matthias Mechela aus Karlsruhe von der überregionalen Interessengemeinschaft „Historische Darstellungen des 18. Jahrhunderts“. Den Hofmarschall gab Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Ensembles Galante Feste mit Sitz in Weidenbach. Zu dem Glücksspielabend waren Besuchergruppen in kunstvollen Kostümen unter anderem aus Erfurt, München, Frankfurt und der Schweiz angereist.

Opernarien zum Wochenmarkt vor dem Stadthaus

Ebenso opulent ging es am Samstagvormittag auf dem Wochenmarkt weiter – mit Opernarien vorm Stadthaus, marschierenden markgräflichen Soldaten und Fechtduellen. Zudem lud Georg Ludwig Oeder, seit 1730 Rektor am hiesigen Gymnasium, Passanten ein, sich in der Kunst des Schreibens mit Tinte und Feder zu versuchen.

Bei der Veranstaltung „Geladen beim Markgrafen“ am Samstagabend im Hofgarten waren die Stuhlreihen dicht besetzt und die Erwartungen hoch. Elegante Tänze des Heimatvereins, das Stadt- und Jugendblasorchester unter der Leitung von Mark Sirok, Fechtkämpfe und erstmals eine Kooperation mit dem Theater Ansbach – das klang vielversprechend. Das Spektakel war mit 750 Besucherinnen und Besuchern ausverkauft.

Manche Besucher verließen enttäuscht den Hofgarten

Geboten wurde eine bunte Gemengelage: Zeitzeugen-Schilderungen aus der Epoche der Markgrafen, skurrile Elemente, die mäßig originelle Verbindung zwischen den einstigen Verpflichtungen bei Hofe und dem heutigen Kampf um Likes in sozialen Medien, historisch anmutende Fechtduelle mit lahmen Witzen und einem aus der Zeit gefallenen Ritter sowie ein kurzer moderner Sportfechtkampf, ein Zwiegespräch Friedrichs mit seinem Schwager über die Liebe, eine Begegnung der Ansbacher Markgräfin mit ihrer Schwester aus Bayreuth und viele weitere Versatzstücke. Als mephistophelische Bühnenfigur überzeugte Nicole Schneider, böse wetternd über menschliche Laster – wie Bier-Konsum, Kaffeetrinken und Schminke.

Eine Fülle an angerissenen Themen also, aber keine dramaturgische Linie, keine erzählte Geschichte, dafür immer wieder Hänger im Ablauf und technische Probleme. In der Pause verließen etliche Besucher enttäuscht den Hofgarten.

Eindrücke vom Markttreiben in der Innenstadt: Anlässlich des Jubiläums wird sie am Samstag mit unterschiedlichen Aktionen bespielt.  (Foto: Evi Lemberger)
Eindrücke vom Markttreiben in der Innenstadt: Anlässlich des Jubiläums wird sie am Samstag mit unterschiedlichen Aktionen bespielt.  (Foto: Evi Lemberger)

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28.06.2025 16:39
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An der Orangerie ist kein Feuerwerk gestattet

Während der ausführlichen Beschreibung des Feuerwerks als Höhepunkt des Festes wurden in der Ferne ein paar Raketen gezündet, weil an der Orangerie kein Feuerwerk gestattet ist. Doch mittlerweile hatte die Konzentration des verbliebenen Publikums endgültig nachgelassen. Am Ende gegen 23.30 Uhr gab es Applaus vor allem fürs Orchester und die Tänzerinnen und Tänzer vom Heimatverein, die teils auch Sprechrollen übernommen hatten.

Die Traditionsveranstaltung am Sonntag im Hofgarten, die „Fürstliche Gartenlust“, wurde sehr gut angenommen, wie Kulturreferentin Nadja Wilhelm berichtete. Durch den Park spazierten rund 1000 Besucher, darunter viele Familien mit Kindern. Unter den Bäumen machten Historiengruppen Picknick, eine Falknerin erzählte von ihrer engen Beziehung zu ihrem zahmen Greifvogel, und Reiterinnen und Reiter in Kostümen posierten gerne für Fotos. Getanzt wurde natürlich auch.

„Die gesamte Woche kam sehr gut an, die Welle an Begeisterung schwappte auch auf die ganzen kleinen Veranstaltungen über“, sagte Wilhelm. „Das war eine schöne Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Die Ausnahme, die vom Theater konzipierte Bühnenshow am Samstag, müsse diskutiert werden.


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

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Nellie Bly
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