Rokoko-Abend in Ansbach hat ein Nachspiel | FLZ.de

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Veröffentlicht am 11.07.2025 18:31

Rokoko-Abend in Ansbach hat ein Nachspiel

Familientreffen bei Hofe: Mitglieder des Heimatvereins in den Rollen der Markgräfinnen von Bayreuth und Ansbach, des preußischen Königs und des Ansbacher Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich. Die Leistung der Laiendarsteller wurde vom Publikum gelobt. (Foto: Manfred Blendinger)
Familientreffen bei Hofe: Mitglieder des Heimatvereins in den Rollen der Markgräfinnen von Bayreuth und Ansbach, des preußischen Königs und des Ansbacher Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich. Die Leistung der Laiendarsteller wurde vom Publikum gelobt. (Foto: Manfred Blendinger)
Familientreffen bei Hofe: Mitglieder des Heimatvereins in den Rollen der Markgräfinnen von Bayreuth und Ansbach, des preußischen Königs und des Ansbacher Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich. Die Leistung der Laiendarsteller wurde vom Publikum gelobt. (Foto: Manfred Blendinger)

Die große Abendveranstaltung „Geladen beim Markgrafen“ im Rahmen der Ansbacher Rokoko-Festspiele hat ein Nachspiel. Noch eine Woche später wird in der Bürgerschaft und vor allem bei den beteiligten Gruppen teils hoch emotional darüber diskutiert, warum bei der Bühnenshow im Hofgarten so viel schiefging.

Bei der mit 750 Besuchern ausverkauften Veranstaltung im Hofgarten waren nach der Pause etliche Plätze leer. Manche vorzeitig aufbrechende Besucher hatten kopfschüttelnd erklärt, dass sie überhaupt nicht verstehen würden, um was es geht. Und dass die gesamte Veranstaltung unprofessionell bis „peinlich“ sei. Tags darauf bei der „Fürstlichen Gartenlust“ erzählten Mitglieder des Heimatvereins, dass Tränen geflossen seien, und einige Aktive überlegten, nach „dieser Vollkatastrophe“ künftig nicht mehr mitzumachen.

Auf der Suche nach Gründen

Inzwischen haben sich die Wogen wieder etwas geglättet. Und es werden die Gründe erörtert für die Probleme an dem Abend, der zu einem Höhepunkt der zehntägigen Jubiläumsfestspiele hätte werden sollen.

Diese Probleme bestanden unter anderem darin, dass der Veranstaltung mit Spielszenen, historischen Tänzen, Fechteinlagen und Livemusik die dramaturgische Linie fehlte. Es gab zudem immer wieder unfreiwillige Hänger und Brüche im Ablauf. Mehrfach wurden die Mikrofone nicht rechtzeitig ausgeschaltet, sodass Gesprächsfetzen aus dem Bereich hinter der Bühne über die Lautsprecher übertragen wurden. Auch die Ausleuchtung funktionierte nicht reibungslos, Mitglieder des Heimatvereins tanzten im Halbdunkeln. Und die Profi-Schauspieler vom Theater Ansbach lasen ihren Text teilweise ab.

Verantwortung für den misslichen Verlauf

Die städtische Kulturreferentin Nadja Wilhelm erklärte im Anschluss, dass das Theater Ansbach die Verantwortung für den misslichen Verlauf des Abends trage. Der Heimatverein und das Orchester hätten dagegen überzeugend agiert.

Bei der Großveranstaltung hatten die Stadt, der Heimatverein, das Stadt- und Jugendblasorchester und weitere Gruppen erstmals mit dem Theater kooperiert – allerdings gegen den ausdrücklichen Wunsch des Theaterteams. Die Kooperation war seitens der Stadt initiiert und beauftragt worden. Erste Gespräche dazu wurden Ende Juli 2024 geführt, berichtete Nadja Wilhelm. Das Theater habe somit viel Zeit zur Vorbereitung gehabt, merkte Oberbürgermeister Thomas Deffner an.

Zeitzeugenberichte aus dem 18. Jahrhundert

Für das Programm hatte Intendant Axel Krauße Texte beigesteuert, die teils aus der erfolgreichen Sommerproduktion „C.C. Mätressen“ des Theater Ansbach stammen: Zeitzeugenberichte aus der Markgrafenzeit, die nachzeichnen, wie es im 18. Jahrhundert in der Stadt an der Rezat zugegangen sein mag. Krauße war am Freitag bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Auf die Vorwürfe gegenüber dem Theater reagierte Nadine Maurer, Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft „Theater Ansbach-Kultur am Schloss“, in einer Pressemitteilung. „Trotz des großen Engagements aller Beteiligten war die Umsetzung unter schwierigen Bedingungen herausfordernd“, erklärt sie. „Die Gesamtkoordination, technische Planung und gemeinsame Proben konnten nur sehr eingeschränkt stattfinden. Dadurch entstanden Missverständnisse, organisatorische Engpässe und ein Ergebnis, das hinter den Erwartungen zurückblieb.“

Nicht absichtlich „gecrasht”

Sehr wichtig sei der Genossenschaft eine Klarstellung: „Das Theater Ansbach hat gegenüber der Stadt Ansbach mehrfach deutlich gemacht, dass weder eine künstlerische Gesamtleitung noch eine Intendanz der Festspiele zusätzlich zum regulären Spielbetrieb umsetzbar ist. Für Veranstaltungen dieser Größenordnung braucht es ein eigenes organisatorisches Team, was nicht ausschließlich aus dem Theaterbetrieb heraus geleistet werden kann.“

Notwendig für zukünftige Veranstaltungen dieser Größenordnung sei aus Sicht der Genossenschaft „eine frühzeitige und zentrale Organisation, die allen Beteiligten Planungssicherheit und Struktur bietet“, betont Maurer. Den in der Ansbacher Bürgerschaft derzeit immer wieder zu hörenden Vorwurf, das Theater habe die Veranstaltung absichtlich „gecrasht“, wies sie deutlich zurück. Kein Schauspieler würde so etwas mit dem eigenen künstlerischen Anspruch vereinbaren können.

Ab dem kommenden Jahr soll das Theater Ansbach laut Stadtratsbeschluss die künstlerische Leitung der Rokoko-Festspiele nun generell übernehmen. Darüber war der Heimatverein im Vorfeld nicht informiert worden, wie mehrere Mitglieder der FLZ entrüstet berichteten.

Heimatverein: „Dieses Vorgehen enttäuscht uns sehr“

„Mit großer Überraschung erfuhren wir aus der Tageszeitung, dass nach dem Willen der Stadt Ansbach eine Übernahme der Rokoko­-Festspiele ab 2026 durch das Theater Ansbach geplant ist“, heißt es dazu nun auch in einer Pressemitteilung der Vorstandschaft des Heimatvereins. „Nach jahrzehntelangen Festspielen, bei denen der Heimatverein die Intendanz innehatte, verwundert es uns sehr, dass keiner der Verantwortlichen im Vorfeld mit uns in Kontakt getreten ist. Dieses Vorgehen enttäuscht uns sehr.“

Der Heimatverein sei „schon immer offen gewesen für die Kooperation mit Dritten und Veränderungen der Festspiele, solange die historische Geschichte Ansbachs und deren Darstellung gewahrt wird“, so der Pressetext weiter. „Der Heimatverein wird Unterstützung auf Augenhöhe annehmen, sieht sich aber durchaus in der Lage, die Intendanz selbst zu leisten. Für die Zukunft wünschen wir uns eine frühzeitige und transparente Kommunikation, wie es im Umgang mit Kooperationspartnern gängig ist.“

Im Zusammenhang mit dieser Reaktion des Heimatvereins auf die Pläne der Stadt erklärte Oberbürgermeister Thomas Deffner am Freitag, dass eine „eigene Intendanz“ begrüßenswert sei. „Wir würden uns freuen, wenn das klappt“ sagte er gegenüber der FLZ. Das Theater würde dann „als Unterstützung“ bereitstehen, „als Backup“ gewissermaßen. Gute Kooperationen und eine funktionierende Kommunikation, dies liege allen am Herzen, so Deffner.

Starke Leistung des Heimatvereins und des Orchesters

Der OB war bei der Veranstaltung „Geladen beim Markgrafen“ selbst als Statist mit von der Partie. Einen Durchlauf das Programms hatte er zuvor nicht gesehen. „Der Heimatverein und das Orchester haben eine starke Leistung erbracht“, befand Deffner. Dass die Profis vom Theater ihren Text teils nicht konnten, habe ihn „überrascht“. Zudem war die Veranstaltung, die von 21 bis 23.30 Uhr dauerte, aus seiner Sicht zu lang.


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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