Römerpark Ruffenhofen: Hier läuft Archäologie der Moderne | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.04.2023 13:14

Römerpark Ruffenhofen: Hier läuft Archäologie der Moderne

Geografiestudenten der Universität Mainz untersuchen den oberflächennahen Untergrund im Ruffenhofener Römerpark mittels Direct-Push-Verfahren, einer hochmodernen Messmethode. (Foto: Dr. Matthias Pausch)
Geografiestudenten der Universität Mainz untersuchen den oberflächennahen Untergrund im Ruffenhofener Römerpark mittels Direct-Push-Verfahren, einer hochmodernen Messmethode. (Foto: Dr. Matthias Pausch)
Geografiestudenten der Universität Mainz untersuchen den oberflächennahen Untergrund im Ruffenhofener Römerpark mittels Direct-Push-Verfahren, einer hochmodernen Messmethode. (Foto: Dr. Matthias Pausch)

Ein 14-köpfiges Team aus (Nachwuchs-)Wissenschaftlern und Studierenden der Mainzer Universität hat vorige Woche Geländeuntersuchungen im Ruffenhofener Römerpark vorgenommen. Mit dem Ziel, Erkenntnisse zur geomorphologischen Entwicklung des Geländes zu gewinnen.

Fünf Tage lang haben zehn Sechstsemester, die an der Universität in Mainz Geografie studieren, das Gelände des Ruffenhofener Römerparks mit teils hochmodernen Methoden untersucht. Unter der Leitung von Dr. Peter Fischer und mit Unterstützung von Dr. Felix Henselowsky, einem weiteren Wissenschaftler der Mainzer Universität, sowie zweier Doktorandinnen.

Die Untersuchungen fanden im Rahmen eines studentischen Praktikums statt. Die Studierenden erlernten im Römerpark die praktische Anwendung verschiedener Methoden, mit denen man den oberflächennahen Untergrund charakterisieren kann. „In diesem Fall sind Tiefen von bis zu fünf Metern relevant“, erläuterte Fischer bei einem Pressegespräch im Limeseum.

Forscher sind schon zum zweiten Mal da

Er forscht bereits zum zweiten Mal mit Studenten im Limeseum. Voriges Jahr hatte er mit Studenten das Gelände in den Wörnitzwiesen südlich von Wittelshofen untersucht. Konkret ging es um die Suche einer römischen Schiffslände, die für die Versorgung des Kastells Ruffenhofen wichtig war.

Laurent Kranert, ein Student der damals an den Geländeuntersuchungen an der Wörnitz beteiligt war, hat darüber seine Bachelorarbeit geschrieben. Darauf aufbauend verfasst er zusammen mit Fischer gerade auch eine wissenschaftliche Publikation, in der es um den Verlauf der Wörnitz zur Römerzeit geht, der sich deutlich vom heutigen unterschiedet.

Heuer ist die Mainzer Gruppe mit gezielten Fragen an die Feldarbeit im ehemals römisch besiedelten Bereich gegangen. Etwa um zu erfahren, wie der Denzengraben zur Römerzeit ausgesehen hat, und um Erkenntnisse zu den Gräben des Kastells zu gewinnen. Dazu wurde eine geophysikalische Prospektion gemacht.

Was das bedeutet? „Wir gucken zunächst mit zerstörungsfreien Methoden in den Untergrund“, erklärt Fischer. Mittels geoelektrischer Widerstandstomografie. Die Tomografie ist ein bildgebendes Verfahren, das die schichtweise Darstellung eines Objekts, hier des Untergrunds, liefert.

„Wir legen ein Transekt, also einen Satz von Messpunkten entlang einer geraden Linie, über die Oberfläche. In diesem Fall haben wir 48 Stahlelektroden in den Boden gesteckt, ein Kabel angeschlossen und Gleichstrom in den Untergrund eingespeist. Damit messen wir die Verteilung der elektrischen Widerstände im Untergrund“, erläutert Fischer. Mit diesem Verfahren kann man dann am Computer die Lage von archäologischen Strukturen wie etwa Gräben oder Mauerrelikten erkennen.

Messdaten erscheinen direkt am Bildschirm

„Auf Basis dieser Prospektion entscheiden wir, wo wir minimalinvasiv in den Boden eingreifen“, erklärt der Geograf. Dann wird mit einer Sonde mit lediglich 46 Millimeter Durchmesser in den Boden gebohrt. Die Messdaten erschienen direkt auf dem Computerbildschirm. „Wir können sie auswerten und für die genauere Charakterisierung der Oberfläche nutzen“, legt Fischer dar. Diese Methode nennt sich Direct Push und liefert unmittelbar hochaufgelöste Bohrlochdaten.

„Anschließend nehmen wir an ausgewählten Stellen Sedimentbohrungen vor“, erklärt Fischer. Die Bohrkerne werden im nächsten Schritt im Labor des Geografischen Instituts der Universität Mainz geöffnet, dokumentiert und analysiert. Die Laborarbeit wird im April zwei Wochen in Anspruch nehmen.

Die Studierenden, die in Ruffenhofen ihr Praktikum absolviert haben, bekommen die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeiten über Aspekte der Geländeuntersuchung zu schreiben. Außerdem sollen die Erkenntnisse in eine wissenschaftliche Publikation münden, die Fischer zusammen mit dem Ruffenhofener Museumsleiter Dr. Matthias Pausch, der promovierter Archäologe ist, verfasst.

„Nächstes Jahr möchten wir wiederkommen und uns weiterhin mit der Rekonstruktion der damaligen Fließgewässerstrukturen im Römerpark beschäftigen, indem wir die Messungen erweitern und verdichten“, sagt Fischer.

Die „klassische Win-Win-Situation“

Pausch bezeichnet die studentischen Praktika der Uni Mainz im Römerpark als „klassische Win-Win-Situation“. Die Studenten ergänzen ihr theoretisches Wissen durch die praktische Anwendung von Messmethoden und er bekommt neue Erkenntnisse zum Römerpark geliefert.

„Direct Push ist ein sehr junges, zeit- und kostensparendes Verfahren“, erläutert Fischer. Auf dem Gelände des Ruffenhofener Römerparks ist es noch nie zuvor angewendet worden.

Für ihn als Archäologen sei es toll, mit einer anderen Zunft, den Geografen, zusammenzuarbeiten und direkt Ergebnisse ihrer Forschung bekommen zu können. „Nach den Messungen ist man jeden Abend einen Funken schlauer. Das Bild der Vergangenheit im und um das Kastell wird immer weniger pixelig“, erläutert er.

Er freut sich, dass im Römerpark viel geforscht wird. Woran das liegt? „Wir können in Ruffenhofen viel Fläche anbieten, um relativ neue wissenschaftliche Methoden wie etwa das Direct-Push-Verfahren auszuprobieren“, sagt Pausch.

Das Geografische Institut der Uni Mainz ist laut Fischer das einzige Institut in Deutschland, das eine eigene Direct-Push-Anlage besitzt. Schließlich sei solch eine Ausrüstung teuer und auch nicht ganz einfach zu bedienen.

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