Ein wichtiger Abschnitt ist bei der Sanierung des historischen Klosterchors geschafft: Es wurde Richtfest gefeiert. Doch ein Blick in das Gebäude von nationaler Bedeutung zeigt, dass es noch viel zu tun gibt.
Planung, Förderanträge, Nutzungskonzepte, Genehmigungen und nun die Umsetzung: All das konnte in den vergangenen fünf Jahren umgesetzt werden, freute sich Bürgermeister Jürgen Heckel beim Richtfest, das er als wichtigen Meilenstein der Bauarbeiten bezeichnete.
Zu diesem Anlass wollten Stadt und der „Förderverein Klosterchor und historische Stadtbibliothek Bad Windsheim” nach intensiven Monaten der Sanierung die Fortschritte und Besonderheiten dieses bedeutenden Bauwerks dem Teilnehmenden näher bringen.
Der Klosterchor sei einer der Besonderheiten von Bad Windsheim, ein wertvolles Zeugnis „unserer Geschichte und Kultur”, ein Denkmal von nationaler Bedeutung. Heckel zollte allen Beteiligten an den Arbeiten, insbesondere den Zimmerern, großen Respekt vor dem Geleisteten.
Da Baustellen meistens unangenehme Nebenwirkungen hätten, wie zum Beispiel, dass die Husarengasse für den Durchfahrtsverkehr gesperrt ist, dankte Heckel für das Verständnis der Nachbarn. Sein Dank galt zudem zwei Personen, die für das Gebäude die Grund- beziehungsweise die Vorarbeit geleistet hätten: Professor Dr. Konrad Bedal und der frühere Stadtarchivar Michael Schlosser. Beide sind mittlerweile verstorben und könnten die Früchte ihrer Arbeit nicht mehr genießen.
„Wir nehmen für die Sanierung nur Materialien, die man nehmen muss”, betonte der Bürgermeister. Seien es besondere Dachziegel – „Wappenbiber”, wie Herman Keim ergänzte – oder der Putz, der für denkmalgeschützte Gebäude vorgeschrieben sei.
Das alles koste viel Geld, fünf Millionen Euro werden investiert. Doch es sei gelungen, für die Arbeiten am Klosterchor eine 90-prozentige Förderung und für das Gebäude Husarengasse 1, dem künftigen Haus der Begegnung, immerhin noch 80 Prozent zu bekommen. Geld gibt es für das Projekt über das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Sozialer Zusammenhalt”.
Der Klosterchor könne nach den Vorstellungen des Bürgermeisters zum Beispiel für standesamtliche Trauungen oder für kleinere Feierlichkeiten genutzt werden. Nach Abschluss der Arbeiten wird eine „Hochzeitstreppe” in den Klostergarten führen, erläutere Keim. Da könnten schöne Fotomotive entstehen.
Auf jeden Fall werde es eine vielfältige Nutzung werden, kündigte Heckel an. Im Klostergarten stellt er sich eine abgestufte Freilichtbühne vor. Gerade im Sommer könnte man dann dort kulturelle Veranstaltungen anbieten.
Die Vorsitzende des Fördervereins, Sabine Detsch, sagte, dass der Erfolg bekanntlich viele Väter habe – In diesem Fall auch Mütter. Sechs Frauen seien es gewesen, die 2011 angefangen hatten „ein bisschen Kultur zu machen”. Zur Verfügung sei ihnen der Klosterchor gestellt worden. Michael Schlosser sei es gewesen, der sie in die Bibliothek geführt habe. Der Funke der Begeisterung war gelegt, 2012 sei dann der Verein zum Erhalt des Chores gegründet worden.
Ihr wichtigster Ansprechpartner sei immer Konrad Bedal gewesen, und sie habe stets gewusst, so Detsch, dass Klosterchor und Stadtbibliothek es verdient hätten, gerettet zu werden. Das werde nun durch die hohe Qualität der handwerklichen Arbeit getan. Ihr Dank galt auch der guten Zusammenarbeit mit dem Bauamt der Stadt.
Ihr sei klar, so Detsch weiter, dass nur ein belebtes Denkmal überleben kann – „und es wird überleben”. Gewährleistet werde dies gerade auch durch das Haus der Begegnung in der Husarengasse 1, das nun (wieder) mit dem Klosterchor verbunden ist, da ein zugemauerter Durchgang geöffnet wurde.
Nach dem Richtspruch führten Architekt Keim und der Archäologe Wolfgang Steeger über die Baustelle. Keim erläuterte, dass erst das Dach saniert werde, bevor die Gründung angegangen wird. Hier seien aufgrund der Spalten und Klüfte im Untergrund Versuche notwendig gewesen, um die beste Lösung zu finden. Die werde nun Anfang nächsten Jahres verwirklicht.
Die Fassade werde ebenfalls saniert. Sie solle mit einer rötlichen Lasur überzogen werden, bei der man die einzelnen Steine aber noch sieht.
Steeger zeigte den Anwesenden einige Funde aus dem Innenraum und umriss die Geschichte. Auf das Jahr 1291 wird die Stiftung des Klosters der Augustiner-Eremiten durch Albrecht Gailing zu Illesheim/Röllingshausen terminiert. 1525 wurde das Kloster aufgelöst und ging in den Besitz der Stadt über. .
Dann folgten vielfältige Nutzungen. Steeger erzählte von einem Brauhaus und von einem Pferdestall. Im Klostergarten habe gar ein Lusthaus gestanden.
Aktuell wird der Altar ausgegraben. Nach Aussage eines Teilnehmenden soll sich dort laut einem Wünschelrutengänger ein Kraftpunkt befinden. Den hat Steeger nicht bemerkt, es sei denn, sein schlechter Schlaf in der Nacht danach sei ein Indiz.