Reiter erkrankt - Frühstart für Krause | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.03.2026 03:32, aktualisiert am 25.03.2026 14:49

Reiter erkrankt - Frühstart für Krause

Der neu gewählte Oberbürgermeister bekam Glückwünsche und Blumen.  (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Der neu gewählte Oberbürgermeister bekam Glückwünsche und Blumen. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Der neu gewählte Oberbürgermeister bekam Glückwünsche und Blumen. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Dominik Krause sieht müde aus bei der ersten Stadtratssitzung seit seiner Wahl zum Münchner Oberbürgermeister. „Ich habe wahrscheinlich heute Nacht zu viel geschlafen“, sagt der Grünen-Politiker. Denn zum ersten Mal seien es wieder mehr als die fünf, sechs Stunden gewesen, auf die er im Wahlkampf durchschnittlich gekommen sei. „Da ist man ja dann manchmal noch müder.“ 

Der 35-Jährige trinkt vielleicht auch darum Cola, als er die Sitzung leitet. Der Rat diskutiert über die Münchner U-Bahn-Stationen und beschließt die Fortschreibung des zeitweise umstrittenen Luftreinhalteplans. Außerdem wird entschieden, dass die Stadt 2029 oder 2031 gern die Leichtathletik-WM ausrichten würde. Für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 will sich München ja ebenfalls bewerben.  

Zu Beginn der Sitzung gibt es Blumen für den 35-Jährigen und Glückwünsche von der Dritten Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD). „Es liegen spannende Zeiten hinter uns“, sagt sie unter Bezug auf die wohl aufregendste Münchner Oberbürgermeister-Wahl seit Jahrzehnten, die bundesweit Schlagzeilen machte. Sie wünscht Krause „von Herzen alles Gute“ und „immer ein glückliches Händchen“.

Dabei ist Krause noch gar nicht OB. Bis zur offiziellen Amtsübergabe im Mai bleibt er Zweiter Bürgermeister. Weil der in der Stichwahl unterlegene Noch-Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) sich aber bis auf weiteres krankgemeldet hat - nach eigenen Angaben leidet er an einer Erkrankung am Herz-Kreislauf-System - führt Krause die Amtsgeschäfte nun schon mehr als einen Monat früher als geplant. 

Er hatte sie auch schon im Wahlkampf für Reiter übernommen, als der 67-Jährige für die heiße Phase des Endspurts Urlaub genommen hatte. Und auch vorher schon war Krause - wie das die Aufgabe von Stellvertretern ist - immer wieder als Sitzungsleiter für den OB eingesprungen. Insofern sei diese Sitzung nach der Wahl für ihn gar nichts Besonderes. 

Reiter braucht „längerfristige Ruhe und Erholung“

Krause ist kein Neuling, weiß, was er tut. Dennoch hofft er, „dass es noch einen kleinen Übergabe-Akt geben wird“, wie er zu Beginn der Sitzung betont, in der Reiters Mitteilung zu seiner Erkrankung noch nicht bekannt ist. Bislang gebe es einen Austausch „auf Büroebene“, ergänzt er danach. Er erwarte aber, dass es noch ein Gespräch zwischen ihm und seinem Vorgänger Reiter geben werde. „Aber das hat noch nicht stattgefunden.“ Er gehe davon aus, dass Reiter mindestens bis Ostern krankgeschrieben sei. Wie es danach weitergehe, sei unklar.

Reiter, dessen Erkrankung ihn nach eigenen Angaben „neben medikamentöser Behandlung zu längerfristiger Ruhe und Erholung“ zwinge, hatte direkt nach der überraschend deutlichen Wahlniederlage angekündigt, dies sei der letzte Tag seiner politischen Karriere und gesagt: „Das war's von mir.“ Am Morgen darauf waren alle seine Profile in den sozialen Medien gelöscht. 

„Selbstverständlich“ werde er die Amtsgeschäfte persönlich an seinen Nachfolger übergeben, heißt es nun in einer Stellungnahme Reiters, die seine Sprecherin drei Tage nach der Wahl veröffentlicht - und er werde sich auch „von den Münchnerinnen und Münchnern noch in geeigneter Form verabschieden“. 

Krause hatte den 67 Jahre alten Reiter, der vor der Wahl unter anderem wegen seiner nicht genehmigten Tätigkeiten für den FC Bayern München und dem Umgang damit massiv in die Kritik geraten war, in der Stichwahl mit 56,4 zu 43,6 Prozent der Stimmen geschlagen. Das war ein Ergebnis, das in der Deutlichkeit wohl kaum jemand erwartet hatte - schließlich war Reiter als haushoher Favorit in die Wahl gegangen, bevor die Bayern-Affäre die Schlagzeilen in München bestimmte. 

Amtseinführung und neuer Stadtrat am 11. Mai

Die offizielle Amtseinführung von Reiters erfolgreichem Herausforderer soll am 11. Mai stattfinden, zehn Tage nach seinem Dienstantritt. Dann wird auch der neu gewählte Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentreten und Krauses Stellvertreter sollen gewählt werden. Er ist dann der erste grüne und der jüngste amtierende Rathauschef einer deutschen Millionenstadt.

Mit wem der 35-Jährige künftig im Rathaus regieren wird, das wird seiner Ansicht nach „nach Ostern“ feststehen, wie er im Anschluss an die Stadtratssitzung sagte. Erste Gespräche habe er in den zwei Tagen nach der Stichwahl bereits geführt. 

Ende dieser Woche will seine Grünen-Fraktion mit den bisherigen Koalitionspartnern Volt und SPD in Sondierungsgespräche eintreten und auch mit der CSU. Rein rechnerisch ist eine grün-schwarze Koalition ebenso möglich wie die Fortsetzung der grün-roten. 

Krause setzt auf „gutes Miteinander“ mit Staatsregierung

Wie auch immer die Sondierungsgespräche ausgehen - Krause setzt auf eine gute Zusammenarbeit mit der CSU-geführten bayerischen Staatsregierung. „Ich denke nicht darüber nach, wo ich mit Markus Söder streiten könnte“, sagt er dem „Spiegel“. Es sei ihm wichtig, dass es ein gutes Miteinander zwischen Stadt und Land gebe. Ministerpräsident Söder (CSU) habe ihm noch nicht gratuliert. „Aber ich denke, wir werden schon bald Kontakt aufnehmen, von der einen oder anderen Seite.“

© dpa-infocom, dpa:260325-930-862254/4


Von dpa
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