Motivieren, kritisieren und Lösungen bieten – so könnte man die Rede von Günther Felßner zusammenfassen. Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes und stellvertretende Präsident des Deutschen Bauernverbandes war Hauptredner vor Hunderten von Zuhörern beim Bauerntag im Osing-Festzelt.
Mit der Veranstaltung am Sonntag endete das dreitägige Fest zur Osing-Verlosung 2024. Erst in zehn Jahren, also 2034, findet die Verlosung der rund 170 Hektar Land wieder statt.
Das Festzelt war nahezu bis zum letzten Platz besetzt, als Felßner die Bühne betrat. Am Mikrofon sorgte er gleich für klare Ansagen. „Ohne Landwirtschaft gibt es keine Feier, kein Volksfest – Landwirte schaffen die Grundlagen der Ernährung und sorgen für Wohlstand im Land.“
Der Bauernverband habe sich in den vergangenen Jahren neu erfunden, es habe ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Der Bayerische Bauernverband mit seinen rund 5800 Ortsverbänden, der zirka 135.000 Mitglieder vertritt, habe sich vom Interessenverband hin zum Vordenker in der Gesellschaft entwickelt.
Gesellschaftlichen Problemen will die Berufsorganisation der Landwirte mit Antworten und klaren Lösungsvorschlägen begegnen. „Wir müssen runter von der Anklagebank und raus aus der Opferrolle, dafür rein in eine Gestaltungsrolle“, so Felßner. Nicht die letzte Generation solle über die Zukunft entscheiden, sondern unter anderem die Bauern aus der Mitte der Gesellschaft.
Scharf kritisierte Felßner die regierende Ampel: „Wenn nichts produziert wird, gibt es auch keine Emissionen. Aber dieses Konzept führt in allen Bereichen ins Nirvana.“ Dass die Weltbevölkerung täglich um rund 250.000 Menschen wachse, die ernährt werden müssten, fordere dringend die richtigen Schritte.
Als Lösung schlug Felßner einen „echten Green-Deal“ vor, der „schwarzen Kohlenstoff durch grünen Kohlenstoff“ ersetzt. Rekarbonisierung sei das Ziel. Unter anderem könne dies durch mehrfache Nutzung der vorhandenen Agrarflächen geschehen. Dies funktioniert mit dem Ernten der Rohstoffe für die Ernährung, dem Nutzen von Grünland für die Tierhaltung und Rückstände, die wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Eine nachhaltige Intensivierung sei notwendig. Und: „Ein Prozent der Acker- und Wildfläche können wir auch“, sagte Felßner und meinte damit Flächen für Insekten, Vögel und kleine Säugetiere. Die Landwirte hätten die Kompetenz dafür.
Beifall gab es für das Beispiel Photovoltaik, die Landwirte teils seit 40 Jahren nutzen, „als der Kinderbuchautor noch gar nicht daran dachte“. Einen Rat gab es zusätzlich für die Regierungskoalition im Bund. Wenn 90 Prozent der Menschen unzufrieden sind mit deren Politik, müsse diese entweder geändert oder zurückgetreten werden. Es brauche in Deutschland keine Alternative zu Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, sondern wieder ein Bekenntnis zur Leistung.
Scharf kritisierte Günther Felßner auch jene, die in Berlin und Brüssel Gesetze erlassen, die Landwirte weiter knebeln anstatt zuvor mit den fach- und sachkundigen Bauernvertretern zu sprechen. Lob gab es stattdessen für Ministerpräsident Markus Söder, der im Zukunftsvertrag Landwirtschaft mit Felßner Möglichkeiten für eine möglichst emissionsarmen Gülleausbringung suchen wollte. Diese Lösung sei gefunden und werde zum 1. Februar 2025 umgesetzt.
Trotz seiner Kritik strahlte Felßner Zuversicht für die bäuerliche Zukunft aus. „Es macht uns stark, dass die Bauern wieder einig sind. Wir haben Straßen blockiert und die Menschen haben uns trotzdem akzeptiert.“ 80 Prozent der Deutschen stünden laut Felßner in Umfragen zu den Landwirten.
Zuvor hatte bereits Kreisobmann Jürgen Dierauff aktuelle Problem in der Landwirtschaft angesprochen, es als „knallhartes Business“ bezeichnet und nicht zuletzt auf das Thema Wirtschaftlichkeit hingewiesen. Im Nachgang sprachen noch Landrat Christian von Dobschütz, der Bundestagsabgeordnete Tobias Winkler sowie die Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl und Gabi Schmidt jeweils Grußworte.