Pumpernickel statt Schokolade: Das steckt hinter den Requisiten des Freilandtheaters | FLZ.de

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Veröffentlicht am 15.08.2024 15:51

Pumpernickel statt Schokolade: Das steckt hinter den Requisiten des Freilandtheaters

Viel Freude beim Spiel mit den Requisiten haben Nadine Maurer und Rolf Kindler. (Foto: Charlotte Hornauer)
Viel Freude beim Spiel mit den Requisiten haben Nadine Maurer und Rolf Kindler. (Foto: Charlotte Hornauer)
Viel Freude beim Spiel mit den Requisiten haben Nadine Maurer und Rolf Kindler. (Foto: Charlotte Hornauer)

Vollkornbrot als Schokolade, ein Schneebesen als Hund, eine Brotbox als Spionagestation: Beim Theater ist nicht immer alles so, wie es scheint. Das Freilandtheater Bad Windsheim gewährt kurz vor dem Ende der Spielzeit von „Der Sommergast“ am Samstag einen Blick in die Requisitenwerkstatt.

Die Stücke im Freilandtheater sind aus eigener Feder und an die Gegebenheiten des Spielorts, des Freilandmuseums, angepasst. Rolf Kindler, der im Regieteam des Freilandtheaters seit 2007 unter anderem für die Technik und Requisite zuständig ist, spürt schon beim ersten Lesen eines neuen Stücks reizvolle Herausforderungen auf. Während der Leseprobe macht er sich Notizen, was an Ausstattung benötigt wird, heißt es in einer Pressemitteilung.

Automaten mit Brecheisen geöffnet

„Wenn da geschrieben steht: ‚Die Jugendlichen knacken den Kaugummiautomaten mit einem Brecheisen‘, dann frage ich mich gleich: Wie kriegen wir das hin, dass das tatsächlich so aussieht?“, sagt Kindler. Natürlich müsse man zuerst einen der alten roten Kaugummiautomaten organisieren, die in den 1960er-Jahren in jeder Straße hingen. Verkaufs-Plattformen im Internet seien dabei stets eine große Hilfe.

Doch die kurze Kaugummiszene im aktuellen Stück barg noch andere Probleme: „Der Automat ist ja befüllt, und es nehmen während der Aufführung immer wieder Personen etwas heraus. Echte Kaugummis würden sich im Spiel auflösen“, sagt Kindler. Deswegen werden keine echten Kaugummis, sondern bemalte Holzkugeln verwendet. Die Illusion ist damit perfekt. „Wir mussten beinahe jede Woche Museumsbesucher oder Zuschauer davon abhalten, Geld in den Automaten zu werfen“, erzählt Produktionsleiterin Karin Hornauer und lacht.

Pumpernickel ersetzt die Schokolade

Ein anderes Problem, das es zu lösen galt, war die Schokolade. Sie hält die Dorfbewohner in „Der Sommergast“ bei Laune. Doch Schokolade auf der Bühne im Sommer? Das geht auf keinen Fall. Die würde schmelzen. Und die Schauspieler würden sich mit der langsam zerlaufenden Süßigkeit die Finger verschmieren und damit dann die Kostüme schmutzig machen. Das wäre ein Albtraum für die Kostümbildnerin Marette Oppenberg.

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Also musste eine Alternative zur echten Schokolade her. Etwas, das für die Zuschauer aussieht wie Schokolade, aber eben nicht schmilzt und keine Flecken hinterlässt. In diesem Fall hatte FLT-Chef Christian Laubert die Idee: „Wie wäre es mit Pumpernickel?“ Das fast schwarze Vollkornbrot ist auf die Entfernung für die Zuschauer nicht als solches auszumachen. Eine essbare Requisite, die keine Flecken hinterlässt.

Alufolie und rote Etiketten

Doch damit das auch glaubhaft aussieht, muss das Brot entsprechend verpackt werden. Seit der Premiere Ende Juni wickelt Nadine Maurer, seit der vergangenen Winterproduktion im Leitungsteam des FLT, nun alle paar Tage in ihrer Küche den zurechtgeschnittenen Pumpernickel in eine besonders robuste Alufolie und versieht die Päckchen mit roten Etiketten. Fertig ist die kostümfreundliche „Bürgermeisterschokolade“.

Doch im „Sommergast“ spielt nicht nur drogengetränkte Schokolade eine wichtige Rolle, sondern auch Spionage und die dazu gehörenden Gerätschaften – wenn auch zunächst nur ganz dezent. Dafür hat Kindler in eine harmlos erscheinende Brotbox diverse betagte Elektronik verbaut, rotes Blinklicht inklusive. Im richtigen Moment klappt die Box auf und zeigt das Innere gerade so lange, dass der Zuschauer sich fragen kann: „Was war das denn in der Brotbox?“ Der Zusammenhang erschließt sich dann erst später. Und wie kriegt man ein Hündchen in eine Damenhandtasche, wo es auch noch aufgeregt mit dem Schwanz wedelt?

Rolf Kindler lacht. „Ich hatte im Fundus noch einen weißen Flokati. Den habe ich zurechtgeschnitten und in die Handtasche drapiert.“ Ein alter Schneebesen sorgt für den wedelnden Schwanz. Die Schauspielerin muss dazu nur im richtigen Moment den Hebel rhythmisch bewegen.

Vorverkauf für die Winterproduktion

Kindler hat einen genauen Überblick über das, was sich alles im Fundus des Bad Windsheimer Theaters befindet. Was nicht da ist, findet er meist gebraucht in lokalen Second-Hand-Läden. Und er beweist immer wieder viel Kreativität, wenn er Dinge so umfunktioniert, dass er damit den gewünschten Effekt erzielt. Für das Freilandtheater ist das eine wertvolle Begabung, heißt es in der Pressemitteilung.

Aktuell bastelt Kindler bereits fleißig an Requisiten für die kommende Spielzeit, für die schon jetzt erste Fotos gemacht werden. Das Winterwandeltheater „Nachtflug“, das am 10. Januar 2025 Premiere feiert, erzählt die Geschichte eines im fränkischen Niemandsland abgestürzten Bomberpiloten während des Kalten Kriegs. Die Dorfbewohner eilen zu Hilfe und erfahren bald, dass der Pilot sein Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht hat. Jetzt müssen sie ihm helfen, eine viel größere Katastrophe zu verhindern.

Der Vorverkauf für die Winterproduktion startet in einigen Wochen. Bereits jetzt kann man Wundertickets für die Vorbuchungswoche erwerben. Tickets und Informationen gibt es auch unter www.freilandtheater.de und über das Kartentelefon unter der Nummer 09106/924447.

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