„Die ersten Bauarbeiten haben begonnen. Aber was wichtiger ist: Die Finanzierung steht.” Das sagt Dr. Andrea Erkenbrecher, die am Evangelischen Bildungszentrum auf dem Hesselberg (EBZ) für gesellschaftspolitische Bildung verantwortlich ist, über das Projekt Denkmallandschaft.
Mit dem Projekt soll auch die nationalsozialistische Vergangenheit des Berges dokumentiert werden. Rund eine Million Euro stehen dafür zur Verfügung, zum Großteil vom Freistaat Bayern und aus Leader-Mitteln. Wenn alles klappt, könnte die Denkmallandschaft, deren Schwerpunkt auf der Zeit des Nationalsozialismus liegt, im kommenden Jahr eröffnet werden.
Damit würde ein langwieriger Prozess abgeschlossen, der mit der Dissertation des Historikers Dr. Thomas Greif „Frankens braune Wallfahrt – Der Hesselberg im Dritten Reich“ begann. Auf dieser Grundlage war 2010 vom KOMM-Bildungsbereich in Nürnberg eine Ausstellung konzipiert worden, die ursprünglich auch im EBZ gezeigt werden sollte. Dazu war es nicht gekommen, was für einigen Wirbel gesorgt hatte. Dr. Christine Marx, die für die Öffentlichkeitsarbeit des EBZ zuständig ist, erinnert sich, dass die Einrichtung, aber auch die gesamte Hesselberg-Region nicht angemessen einbezogen worden seien. Und: „Die Evangelische Landeskirche musste ihre Rolle erst finden.”
Das EBZ feiert in diesem Jahr sein 75. Gründungsjubiläum. Als sich der Landeskirchenrat 1948 beim Freistaat dafür einsetzte, den Zuschlag für die Nachnutzung der einstigen Segelfliegerschule am Hesselberg zu erhalten, galt der höchste Berg Mittelfrankens als Nazi-Pilgerstätte. Die Landvolkshochschule, wie das EBZ ursprünglich hieß, war mit dem Leitsatz „Kein Bauer wählt mehr braun“ gestartet und sollte einen bewussten Gegenpol zur nationalsozialistischen Vergangenheit bilden, auch weil Westmittelfranken eine der „braunsten Gegenden“ Deutschland war.
Mit dieser Geschichte des Berges tat sich das EBZ, das zuvor auf dem Hesselberg gar nicht aktiv war, lange schwer. Die NS-Episode des Hesselbergs mit den „Frankentagen” von Nazi-Hetzer Julius Streicher und bis zu 100.000 Besuchern wurde lange nicht thematisiert, auch aus Angst, einen Wallfahrtsort für Neonazis zu schaffen.
Das hat sich mittlerweile geändert. Dazu trägt auch die Historikerin Andrea Erkenbrecher bei, die seit März 2025 fest im Referenten-Team des EBZ ist. Sie holt die Menschen der Region mit ins Boot, die ihr Fotos und Geschichten bringen. „Alles, was man über die Geschichte des Hesselbergs weiß, ginge ohne das nicht”, berichtet sie.
Andrea Erkenbrecher, die aus der Hesselberg-Region stammt, hat sich in ihrer Forschungsarbeit intensiv mit dem Massaker in Oradour-sur-Glane, Frankreich, und der Erinnerung an die Gräuel des Zweiten Weltkriegs beschäftigt. Sie berät auch die nordrhein-westfälische Zentralstelle für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen bei ihren Ermittlungen.
Die Dauerausstellung werde die Geschichte des Hesselbergs in Gänze aufgreifen, berichtet Erkenbrecher zur Planung. Der Schwerpunkt liege jedoch auf der „braunen” Vergangenheit. Während andere Epochen im Freien präsentiert würden, bekomme die NS-Zeit einen Raum, der fast jederzeit zugänglich sei. Diese Lösung habe den Vorteil, dass die Geschichte des Nationalsozialismus nicht mit den anderen geschichtlichen Ereignissen gleichgesetzt, nicht relativiert werde, meint die Historikerin.
Gezeigt werden solle auch, dass das Vergangene nicht vergangen sei: „Die Schichten sind überall”, erläutert Erkenbrecher und verweist auf ihr eigenes Büro, das in der ehemaligen Segelfliegerschule eingerichtet ist, die von den Nationalsozialisten gegründet wurde. „Solche Bezüge gelten für den gesamten Berg, der seit der Steinzeit immer eine besondere Rolle gespielt hat”, sagt sie.
Die Dauerausstellung soll jedoch nicht isoliert im Umfeld des EBZ stehen. Bereits seit einem Jahr gibt es deshalb Angebote zur gesellschaftspolitischen Bildung. „Wir haben damit bereits 500 Menschen erreicht”, zieht die Historikerin Bilanz. Die Seminare oder Vorträge seien unabhängig von der Dokumentation, erklärt sie. Die Historikerin arbeitet mit Schulklassen oder Erwachsenengruppen, sie bietet aber auch Vorträge, Rundgänge oder Exkursionen auf dem Berg an. Dabei geht es nicht nur um die NS-Zeit, sondern auch um aktuelle Themen wie den aktuellen Rechtsruck in Deutschland.
„Das erste Jahr hat uns einen großen Wissenssprung verschafft”, so Erkenbrecher. Auch wenn die Aufarbeitung der Hesselberg-Geschichte noch viel Arbeit bringe. Und eines liegt ihr bei all dem am Herzen: „Die Aufarbeitung soll nicht die schönen Erinnerungen vertreiben oder ersetzen, die viele Menschen in der Region mit dem Hesselberg verbinden.”