Von einer „Win-win-win-win-Situation“ sprechen Marcus Weger und Tim Gesell, wenn sie von ihrer mobilen Bar erzählen. Sie meinen, dass alle profitieren: die Triesdorfer Studenten, die feiern können, die Anwohner im Ort, die ihre Ruhe haben, die Hochschule und die Gemeinde, die um ein Angebot reicher sind – und die Freunde selbst, die sich einen Lebenstraum erfüllen.
Das Kneipensterben hat in der Marktgemeinde Weidenbach eine besondere Dimension: Durch die Hochschule in Triesdorf und die Landwirtschaftlichen Lehranstalten gibt es hier tatsächlich sehr viele junge Menschen, die abends nach Treffpunkten im Ort suchen.
Weil es daran mangelt – es gibt die Bälle in der alten Reithalle, tagsüber die Mensa und einen Grillplatz – spielt sich das abendliche Studentenleben vor allem in den Wohngemeinschaften ab. Die liegen zu einem Gutteil im Weidenbacher Ortskern, Konflikte mit den Nachbarn sind daher programmiert. Beschwerden über Lärm erreichen Hochschule und Gemeinde, das Stehlen des Triesdorfer Ortsschildes scheint mittlerweile ein regelrechter Sport geworden zu sein.
Das ist ein Grund, warum Bürgermeister Willi Albrecht die Idee einer mobilen Bar auf dem Campus unterstützt hat. „Ein gutes Angebot“, nennt er sie, „das die Situation ein bisschen entzerrt“. Die Idee stammt von Marcus Weger, der im Gemeindeteil Irrebach aufgewachsen ist und sie gemeinsam mit Tim Gesell, Metzgermeister im Weidenbacher Familienunternehmen, umgesetzt hat. Seit 31 Jahren, also seit ihrer Geburt, kennen sie sich quasi, sagen die beiden besten Freunde im Gespräch mit der FLZ und schmunzeln.
Für Weger war es „ein Lebenstraum, eine eigene Bar zu haben“. Doch auch er arbeitet Vollzeit, als Ingenieur bei der Deutschen Bahn in Nürnberg, wo er zur Zeit wohnt – auch wenn er gerade Pläne eingereicht hat, um in der Gemeinde zu bauen. „Und wenn du sieben Tage die Woche eine Bar hast, wirst du entweder Alkoholiker oder bekommst nichts anderes mehr hin“, meint er.
Nach einiger Recherche stieß Weger auf die Lösung: eine mobile Schirmbar, die inspiriert ist von den runden Après-Ski-Schirmen, im Gegensatz zu diesen aber mobil ist.
Der Hersteller vermietet diese eigentlich, die Freunde kauften gleich selbst eine. Tim Gesell war sofort mit von der Partie: Über die Metzgerei bringt er einen Kühlanhänger mit, sein Cousin ist Braumeister und beliefert die Freunde, die inzwischen eine GbR gegründet haben. Ein dreiviertel Jahr lang hatten sie die verschiedenen Behörden abgeklappert und schließlich mitsamt der Fürsprache des Bürgermeisters einen Pachtvertrag mit der Hochschule schließen können.
Nun haben sie einen Platz direkt gegenüber der Villa Sandrina, an dem sie etwa alle zwei, drei Wochen Veranstaltungen unter dem Namen „Zumutbar“ anbieten, wenn sie Lust und Zeit haben. Die Villa aus dem 18. Jahrhundert ist neben dem Gartenhaus das einzige historische Gebäude in Triesdorf, das noch ganz im Originalzustand erhalten ist. Heute wird sie für Trauungen genutzt.
An manchen Tagen aber verwandelt sich der Platz davor im Handumdrehen zum Triesdorfer Party-Hotspot. „Am Anfang waren es dreieinhalb, inzwischen können wir sie in eineinhalb Stunden aufbauen“, berichtet Tim Gesell. Auf einem Anhänger wird sie aus der Scheune von Wegers Familie in Irrebach abgeholt, meist mit dem Traktor.
Einmal aufgeklappt, steht dort alles, was eine Bar braucht: zwei Schankanlagen, ein Tresen, eine Musikanlage und sogar ein Dach und Wände. Eine Heizung brauche man nicht – die 80 bis 100 Leute, die die Bar fassen kann, kämen eigentlich immer und wärmten das Innere. Los ging es zum Semesterstart am 1. Oktober 2023: „Die haben uns die Bude eingerannt“, erinnert sich Marcus Weger und wirkt noch immer etwas ungläubig.
Seitdem haben die Freunde etwa 15 Veranstaltungen auf die Beine gestellt, neben Hochschulpartys zum Beispiel auch das Fest der Fortuna Neuses bespielt. Im Trend ist Asbach-Cola, auch Aperol Spritz verkaufen sie – aber ohne Orangenscheibe; denn für Lebensmittel gelten mehr Auflagen, dafür bräuchten sie einen Warmwasseranschluss.
Auf ein, zwei Dorffeste und das Ansbacher Altstadtfest nächstes Jahr würden sie gerne mit der Bar kommen. „Aber hauptsächlich konzentrieren wir uns auf Triesdorf, da kennen wir die Gegebenheiten.“
Dort steht einiges auf dem Zettel: Diese Woche gibt es am Donnerstag Karaoke, am Freitag wird das EM-Spiel von Deutschland gegen Schottland übertragen. Den Charme der Veranstaltungen sehen sie auch darin, dass Studierende und Weidenbacher Einheimische sich mischen.
Auch abgebaut ist die Bar wieder zügig: mit dem Hochdruckreiniger durchgespült, den Müll drumherum aufgesammelt, die Bar eingeklappt und zurück in die Scheune gefahren. Und schon gehen Tim Gesell und Marcus Weger wieder in die Metzgerei beziehungsweise zur Bahn. „Als wär nie etwas passiert.“