Mühlen an Bächen, Weihern und Flüssen haben wir vor Augen, wenn wir an Mühlen denken. Vielleicht auch noch Windmühlen mit ihren weithin sichtbaren Flügeln. Die alternative Antriebskraft durch Tiere – meist Pferde oder Ochsen, gelegentlich wohl auch Esel – dagegen ist uns wenig präsent.
Das ist bestimmt auch so, weil Rossmühlen im Gegensatz zu den Wasser- und Windmühlen nicht landschaftsprägend sind, sondern als Einzelbauwerk in den Ortskernen weniger auffällig in Erscheinung treten. Dabei hatten die Rossmühlen in der Vergangenheit eine nicht minder wichtige Bedeutung: in Kriegszeiten, wenn die Ortschaften von den außerhalb liegenden Mühlen und damit von der Mehlproduktion abgeschnitten waren, im Winter bei Eisgang, wenn die Wassermühlen abgestellt werden mussten, in Dürrezeiten, wenn das Mahlwasser zum Betrieb nicht hinreichte.
So beantragte der Grabenmüller in Neustadt im Jahre 1800 die Genehmigung zum Wiederaufbau der Rossmühle: „Die strengen Winter und der heurige dürre Sommer legten aber an den Tag, wie unentbehrlich der Stadt eine Roßmühle ist! Wir werden in die Nothwendigkeit versetzt, daß wir unsere Bäcker und Melber (Mehlhändler) nach Bruck oder Erlang in die dortigen Mühlen senden.“
Mensch und Tier waren also auf die regelmäßige Verarbeitung des Getreides angewiesen, von Spelt (Dinkel) und Gerste, in geringeren Mengen von Hafer und Weizen, ehe Roggen zur beliebtesten Getreideart wurde. Denn Hauptnahrungsmittel war seit dem Mittelalter überall das Getreide. Es wurde zu Brot und Brei, aber auch zu Bier verarbeitet. Rossmühlen blicken auch bei uns auf eine viele Jahrhunderte lange Tradition zurück. Die Ipsheimer Rossmühle, die ein Bestandteil der Dorfmühle war, wird erstmals 1414 genannt.
In Windsheim gab es zwei Rossmühlen, am Hainserwall und am Holzmarkt, auch sie sind bereits am Beginn des 15. Jahrhunderts fassbar. Auf ein hohes Alter blickt auch die Rossmühle in Neustadt unterhalb des Gänshügels zurück. Rossmühlen gab es in Burgbernheim (1558), im Kloster Birkenfeld (um 1700), in Ergersheim (1683), Lenkersheim (1560), Markt Nordheim (1593), Marktbergel (1623), Ickelheim (1686), Obernzenn (1686), Ottenhofen (vor 1600), Unteraltenbernheim (1563), Unternzenn (1686/87), Westheim (vor 1636) usw.
Rossmühlen waren neben grundherrlicher Zugehörung vielfach in Gemeindeeigentum und wurden zeitlich begrenzt an Bestandsmüller vergeben. Sie durften „niemals“ abgebrochen werden, sondern mussten – wie in Markt Nordheim – als „Notmühlen“ den Gemeindegliedern erhalten werden. Zweierlei Konstruktionen waren im Einsatz: Tretwerk und Göpel. Beim Tretwerk läuft das Tier auf einer schiefen Ebene aufwärts, Ketten übertragen die Kraft auf ein Triebrad.
Beim häufiger vorkommenden Göpel laufen die Tiere um eine Mittelsäule, die als Wellbaum dient. Spätestens mit dem Aufkommen der Elektromotoren zu Beginn des letzten Jahrhunderts verloren die Rossmühlen ihre Bedeutung und wurden aufgegeben, umfunktioniert oder gleich ganz abgerissen. Nur wenige überlebten. Ein schönes Beispiel einer Rossmühle steht in Burgbernheim. Das mit hohem Walmdach versehene Gebäude aus dem Jahre 1558 ist zweistöckig angelegt.
Im Obergeschoss befindet sich der Umritt, das Mahlwerk im Erdgeschoss. Ein acht Meter langer Wellbaum übertrug die Pferdekraft – von bis zu acht Gespannen, also 16 Pferden – über ein acht bis neun Meter im Durchmesser großes waagrecht laufendes hölzernes Kammrad auf die drei vorhandenen Mahlgänge: den Schwarzgang, den Weißgang oder den Gerbgang.
Nachdem das Gebäude seine Funktion verloren hatte, war es lange dem Verfall preisgegeben und wurde als billige Materialquelle genutzt, ehe es auf Geheiß der Regierung von Mittelfranken 1933 unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Nach verschiedenen Nutzungen – Lagerhalle, Kleinkinderbewahranstalt, Elektrizitätszentrale und Turnhalle – wurde das imposante Bauwerk in den Jahren 1986/87 aufwendig saniert und steht seitdem als gemeindlicher Festsaal mit rund 300 Plätzen der Öffentlichkeit zur Verfügung.