Papst Leo XIV. hat nach seiner Lungenkrebs-Operation seine Pflichten im Vatikan wieder aufgenommen. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt wurde das Oberhaupt der katholischen Kirche von Zehntausenden auf dem Petersplatz bejubelt. Mit den Worten „Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!“ wandte er sich vom Fenster seines Arbeitszimmers im dritten Stock des Apostolischen Palastes an die jubelnden Gläubigen auf dem riesigen Platz. Der Papst machte einen äußerlich gesunden Eindruck und sprach rund acht Minuten mit fester Stimme.
Viele der Gläubigen äußerten ihre Freude und Erleichterung über die offenbar schnelle Genesung des 71-Jährigen. „Ich hoffe, dass er wieder vollständig gesund wird und noch viele Jahre unser Hirte sein wird“, sagte Michelle Sutko (70) aus Chicago, der Heimatstadt des Papstes, der dpa.
Leo bedankte sich bei den Ärzten und Mitarbeitern der Gemelli-Klinik, wo ihm am vergangenen Dienstag ein Teil der Lunge mit einem Tumor entfernt worden war. „Danke für die Unterstützung, ich habe mich denjenigen nahe gefühlt, die diese Krankheit durchmachen“, sagte der Papst. Und er versprach: „Sobald die heikle Phase überwunden ist, werde ich meine Aktivitäten schrittweise wieder aufnehmen, wie immer mit der Hilfe Gottes und Eurer Gebete.“
Genau eine Woche zuvor hatte der gebürtige US-Amerikaner an derselben Stelle seine Erkrankung öffentlich gemacht. Am Dienstag musste er sich dann einer 90-minütigen Operation unterziehen. Dabei wurde ihm der untere Lappen seines rechten Lungenflügels entfernt, weil sich dort ein bösartiger Tumor eingenistet hatte. Nach Angaben seiner Ärzte hat Leo die OP gut überstanden. Weiterhin unklar ist, ob der Krebs in seinem Körper gestreut hat oder nicht.
Das Gemelli-Krankenhaus in Rom, wo er operiert wurde, konnte der Papst überraschend schon am Samstag verlassen. Bis dahin war erwartet worden, dass er mindestens bis Dienstag bleibt. Vom Klinikpersonal, anderen Patienten und Schaulustigen wurde er mit viel Applaus verabschiedet. Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortete er: „Viel besser, danke.“ Ein krebskrankes Mädchen aus der Ukraine überreichte ihm eine Stoffpuppe, die offensichtlich den Papst darstellen soll.
Beim Abschied aus der Klinik machte Leo einen entspannten Eindruck. Er lächelte und winkte viel zurück. Dann wurde er in einem schwarzen SUV zurück in seine Wohnung gefahren, wo er nach fünf Tagen in der Klinik die Nacht verbrachte. Vermutet wird, dass sich das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken noch einige Tage schonen wird. Die Planungen für eine Südamerika-Reise im nächsten Monat, bei der Leo auch seine zweite Heimat Peru besuchen will, laufen jedoch weiter.
Vor seiner Entlassung hatte sich der Papst noch einmal den Brustkorb röntgen und Blut entnehmen lassen. Anschließend erklärten seine Ärzte, „nach Auswertung des klinischen Bildes“ könne er nach Hause. Der Chirurg Stefano Margaritora, der ihn operiert hatte, gab später auch grünes Licht für die Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru. Er glaube, dass der Papst „in etwa zehn Tagen vollständig genesen“ sein werde. „Ich würde sagen, dass es keine medizinischen Gründe gibt, warum die Reise nicht stattfinden sollte.“
Die behandelnden Ärzte äußerten sich im Detail allerdings nicht dazu, ob der Papst nach Entfernung des Tumors nun krebsfrei sei. Dabei geht es um die Frage, ob sich anderswo im Körper Metastasen gebildet haben. Auch zur weiteren Behandlung gab es keine näheren Angaben. Bekannt ist, dass Leo Atemtherapie bekommt. Seinem 2025 verstorbenen argentinischen Vorgänger Franziskus fehlte bereits seit jungen Jahren ebenfalls ein Teil der Lunge.
Auf dem Petersplatz äußerten Besucher aus aller Welt am Sonntag die Hoffnung, dass Leo seine Krankheit überstanden hat. Nanett Sommer (48) aus Hamburg sagte: „Ich finde es gut, dass er so offen mit seiner Krankheit umgeht und sagt, dass er Krebs hat. Das ist ja eher ungewöhnlich. Ich hoffe, dass er noch lange sein Amt wahrnehmen kann.“
Noch während seines Krankenhausaufenthalts hatte sich der Papst bereits wieder für die notleidende Zivilbevölkerung in der Ukraine eingesetzt. In einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin forderte er einen Waffenstillstand für die Frontstadt Oleschky im Süden der Ukraine.
Das Oberhaupt der katholischen Kirche habe in einem Telefonat seine „tiefe Besorgnis“ über die humanitäre Lage in der seit Monaten von Russland abgeriegelten Kleinstadt in der Region Cherson zum Ausdruck gebracht, hatte der Vatikan am Freitag mitgeteilt. Putin schob die Verantwortung für die Lage in Oleschky nach Angaben des Kremls jedoch allein der Ukraine zu. Der Vatikan bemühte sich seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 mehrfach um Vermittlung zwischen beiden Seiten, jedoch ohne Erfolg.
Mit seinen 71 Jahren ist Leo – mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost – ein verhältnismäßig junger Papst. Deshalb gingen bei seiner Wahl vor eineinhalb Jahren viele davon aus, dass der US-Amerikaner die Geschicke der katholischen Kirche für einen langen Zeitraum bestimmen werde. Seither machte er insbesondere durch eine Enzyklika – ein Lehrschreiben – zum Thema Künstliche Intelligenz auf sich aufmerksam. Weltweit sorgten zudem Kontroversen mit US-Präsident Donald Trump für Schlagzeilen.
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