„Omas gegen Rechts” in Rothenburg: Gedenken an NS-Opfer bei den Stolpersteinen | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 30.01.2026 10:19

„Omas gegen Rechts” in Rothenburg: Gedenken an NS-Opfer bei den Stolpersteinen

Brigitte Kätzel von den Omas gegen Rechts legt eine weiße Rose zum Gedenken ermordeter Jüdinnen und Juden nieder. (Foto: Stefan Neidl)
Brigitte Kätzel von den Omas gegen Rechts legt eine weiße Rose zum Gedenken ermordeter Jüdinnen und Juden nieder. (Foto: Stefan Neidl)
Brigitte Kätzel von den Omas gegen Rechts legt eine weiße Rose zum Gedenken ermordeter Jüdinnen und Juden nieder. (Foto: Stefan Neidl)

Sie wurden geächtet, vertrieben und ermordet – zehn Stolpersteine erinnern an die Schicksale jüdischer Familien aus Rothenburg. Zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erwiesen die Omas gegen Rechts nun den Opfern des Nationalsozialismus ihre Anerkennung.

Eis, Schnee und Streusalz haften an den vier Messingplatten vor der Herrngasse 21. Klaus Zerkowski nimmt sich Zeit und reinigt sie akribisch. Der Winter hat seinen Tribut gefordert, doch nun glänzen die kleinen bronzenen Platten wieder. Sie sollen einer der Schauplätze einer kleinen, aber wichtigen Zeremonie werden.

„Unfreiwillig verzogen” steht auf den Platten

Die Stolpersteine erinnern an Bella und Sigmund Lissberger sowie Ida und Samson Wurzinger. Sie wurden 1938 aus Rothenburg vertrieben – „unfreiwillig verzogen”, wie es auf den Steinen heißt. Das Ehepaar Lissberger zog es nach Stuttgart, bevor es im August 1942 von den Nationalsozialisten deportiert wurde und im Konzentrationslager Theresienstadt kurz darauf den Tod fand. Die Wurzingers waren Geschwister: Ida flüchtete nach Nürnberg, Samson nach Fürth. Sie wurden von den Nazis im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Samson verstarb dort im Juni 1943, Ida wurde im Mai 1944 in Auschwitz ermordet.

Nur vier der Schicksale jüdischer Menschen unter dem NS-Terror. Insgesamt gibt es zehn solcher Stolpersteine in Rothenburg. Sie sind ein Mahnmal der Geschichte, aber auch eine Warnung für die Zukunft, dass sich diese Geschichte nicht wiederholen darf. Ein Vorsatz, der den Omas gegen Rechts am Herzen liegt. Der 27. Januar 1945 ist der Befreiungstag des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Den Jahrestag wollen sie nutzen, des jüdischen Lebens in Rothenburg zu gedenken.

Nach der Reinigung der Steine halten Zerkowski, seine Frau Beate, Brigitte Kätzel und Susanna Hirsch eine Schweigeminute ab und legen vier weiße Rosen nieder – eine für jedes Opfer. Dieses Ritual wiederholen sie an allen Stolpersteinen. Die Gruppe begleitet Pfarrer Dr. Oliver Gußmann, einst hatte er die Stolpersteine mitinitiiert.


Wir wollen hier im Kleinen etwas tun.

Brigitte Kätzel

Warum ist ihnen diese Aktion wichtig? Kätzel erinnert sich: „Als Kind habe ich von den Kriegserfahrungen und der Judenverfolgung gehört. Das hat sich richtig in mir festgesetzt. Wir wollen hier im Kleinen etwas tun.” Sie befürchtet, dass Geschichte sich wiederholen könnte: „Wenn ich in die USA, aber auch bei uns, blicke, wird mir angst und bange.”

Beate Zerkowski will auch für ihre sechs Enkelkinder ein Zeichen setzen: „Wir müssen aufrecht und stabil für die Demokratie einstehen.” Ihr Mann Klaus trägt eine weiße Weste mit der Aufschrift Opas gegen Rechts: „Es ist fürchterlich, wie unsere Demokratie bedroht ist.”

Er kann sich an einen Zeitzeugenbericht erinnern: Ein Mann berichtete ihm, wie er in Rothenburg von den Nazis gezwungen wurde, Jüdinnen und Juden zu verunglimpfen und auszulachen: „Er hat noch im Alter darunter gelitten und sich gefragt, was er diesen Menschen angetan hat.” Auch Hirsch sieht die Entwicklung in Deutschland an einem Scheideweg: „Wehret den Anfängen”, sagt sie.

Im April 2025 ins Leben gerufen

Die Omas gegen Rechts haben sich in Rothenburg im April 2025 gegründet. Sie bestehen aktuell aus 15 Frauen verschiedenen Alters, sind also keine, wie der Name vermuten lässt, Organisation nur für Seniorinnen. Klaus Zerkowski unterstützt sie als bisher einziger Opa gegen Rechts.

Medien hatten über staatliche Unterstützung durch Fördergelder an die Dachorganisationen der Omas gegen Rechts berichtet – darum musste sich die Gruppe aus Rothenburg bei Veranstaltungen schon mal Vorwürfe anhören, auch wenn sie keine Unterstützung vom Staat bekommt, wie die drei Frauen betonen. „Aber meist werden wir positiv wahrgenommen”, berichten sie.

north