Der „Meditative Weg“ am Friedhof in Obermögersheim mit seinen neun Stationen zeigt eindrücklich, wie aus einer Idee ein Projekt entsteht, das, wie es heißt, „zum Ausruhen und Innehalten, zu Begegnungen und Gedankenaustausch einlädt“.
Ausgangspunkt war die Erneuerung des Pflasters auf den Friedhofswegen. Die Kirchenvorsteherinnen Heidi Sauber, Carola Lichtenwalter, Simone Schlicker und Mesnerin Edeltraud Meister bildeten zusammen mit Martina Lindner vom Obst- und Gartenbauverein den Arbeitskreis „Friedhof“. Initiiert von Künstlerin Andrea Kaiser aus Herrieden-Limbach entstanden die Ideen für die Themen zu den einzelnen Stationen. Dabei haben 180 Ehrenamtliche gemeinsam insgesamt 2300 Stunden eingebracht: „Wir haben von März bis September 2022 einen Frühling und einen Sommer auf dem Friedhof verbracht.“
Bei der Umgestaltung des Friedhofs sei es den Verantwortlichen sehr wichtig gewesen, möglichst viele Bestattungsformen anzubieten, erläuterte Carola Lichtenwalter. Es gibt Erd- und Feuerbestattungen, Doppel-, Einzel- und Urnengräber sowie auf Wunsch von Gemeindegliedern auch pflegefreie Erdbestattungen in Form von Wiesengräbern.
Die Tür zur Leichenhalle bildet die erste Station mit dem Text „Die Liebe bleibt“ und „Alles im Leben hat seine Zeit“. Auf dem Weg zum Gottesdienst in St. Martin schreitet man durch die Allee. Das Motto hier lauter „Tritt ein – schöpfe Kraft! Geh und bringe Frieden!“. Gleich nach dem Eingang links befindet sich das Kriegerdenkmal als dritte Station. Dort heißt es „Denk mal!“. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden durch die drei Tauben und auch durch das Mahnmal der knienden Frau symbolisiert.
Die nächste Arbeitsgruppe meisterte mit der Interpretation der Bibelstelle „Jesus und die Frau am Brunnen“ eine spannende Herausforderung, stellte Projektbegleiterin Andrea Kaiser heraus. Der Brunnen wurde für alle Altersklassen zu einer Begegnung, die Grenzen überwindet. Der Weg führt weiter zu einer nahezu pflegefreien Ruhewiese. Handgeschmiedete Blätter auf einem sich wie der Mensch um die eigene Achse drehenden Mühlstein weisen darauf hin, dass die Arbeit getan ist: „Hier darf nun mein Körper Ruhe finden und eins werden mit der Natur“.
Das Kreuz, das auf Karfreitag, Schmerz und Tod blicken lässt, ist auch ein Zeichen des Trostes und des Triumphes. Das Ostergrab weist auf das ewige Leben hin: „Gott hat den Tod besiegt.“ Am Taufbrunnen mit der aufgehenden Sonne und der in die Zukunft blickenden Taube waren auch die Konfirmanden beteiligt.
Beim Insektenhotel wird deutlich, dass jeder von uns seinen Platz hat: „Um uns herum ist alles lebendig“. Auf der Südseite der Kirche wurde bei dem „Hotel bei St. Martin“ von der Künstlerin zusammen mit den Jungscharkindern die Form des Fensters aufgenommen. Ein aus Eichenholz geschnitzter Engel bildet die letzte Station. Zunächst im Dunkeln stehend „schenke uns unser Wegbegleiter Hoffnung“. Er richte seinen Blick „ins Licht der Ewigkeit“, so Kaiser.
In der von Helmut Bödeker herausgegebenen Broschüre wird auch den Förderern des Projekts gedankt. Die Europäische Union mit ihren Leader-Programmen „Integrierte Ländliche Entwicklung“ und die Lokale Aktionsgruppe Hesselberg sorgten ebenso wie die beteiligten Firmen für die Einhaltung des Kostenrahmens.
Bürgermeister Stefan Ultsch, der mit Carolin Dauer und Stefanie Hempfling zwei Mitarbeiterinnen des Tourismusbüros mitgebracht hatte, sprach von einer bereichernden Gemeinschaftsleistung und dankte allen Mitwirkenden. Im Obermögersheimer „Hof des Friedens“ könne man losgelöst vom Stress des Alltags verweilen.
An der Schnittstelle der drei Landkreise Ansbach, Weißenburg-Gunzenhausen und Donauwörth werde man den „Meditativen Weg“ gern bewerben. Karl-Heinz Fitz, Amtskollege von Ultsch aus Gunzenhausen, zollte den Beteiligten großen Respekt für das motivierte Umsetzen des Projekts. Der Friedhof sei mehr als ein Bestattungsort. Laut Fitz werden die Urlaubsregionen Hesselberg, Ries und Seenland auch durch Obermögersheim gestärkt.