Sie ist etwas Besonderes, die nostalgisch anmutende Tankstelle am Marktplatz in Neuhof – und hat wenig gemein mit den modernen Varianten der großen Mineralölkonzerne: Die haben neben vielen Zapfsäulen und einer Autowaschanlage auch einen Verkaufsraum mit einem breiten Warensortiment. An der Tanke von Familie Grünbaum gibt es hingegen nur eine einzige Zapfsäule.
Früher waren es einmal zwei. Doch nach dem Umbau 1998, bei dem auch neue Auflagen baulich umgesetzt wurden, gibt es nur noch eine Säule. „Wir verkaufen nur Super bleifrei und Diesel“, sagt Senior Heinrich Grünbaum. Super plus und Power-Kraftstoffe sucht man vergebens. Wer ein E-Auto hat, kann seinen Wagen gegenüber am Rathaus betanken.
Die Kundinnen und Kunden sind mit dem Angebot zufrieden und kommen regelmäßig. Geduldig warten sie, bis die auf beiden Seiten anfahrbare Säule frei wird. Was für den Kraftstoff aktuell zu berappen ist, können sie dem über der Zapfsäule hängenden Preisschild entnehmen. Dabei laufen sie nicht Gefahr, dass sich der zu zahlende Betrag noch kurz vor dem Tanken plötzlich ändert, wie es bei den automatischen Anzeigen an den großen Tankstellen nicht selten der Fall ist. Da können die Gesichtszüge schon mal entgleisen, wenn unerwartet ein paar Cent mehr je Liter zu berappen sind.
Ein bis maximal zwei Mal in der Woche ändert sich der Preis, erläutert Kfz-Techniker-Meister Fred Grünbaum. Als Eigentümer einer freien Tankstelle kann er selbst bestimmen, was er nimmt. Dies richtet sich vor allem danach, was er selbst für den Kraftstoff auf den Tisch legen muss. „Ich rechne es so aus, dass immer ein paar Cent je Liter für uns übrig bleiben.“ Einen Blick hat er zudem auf die Preistafel der zweiten im Ort zu findenden Tankstelle.
Steht der Preis fest, holt der 50-Jährige die Leiter heraus und montiert die aktuellen Preise auf der Tafel – so wie früher und für die Kundschaft gut sichtbar. Einmal wöchentlich rückt der Tanklaster beim familiengeführten Betrieb Grünbaum an, um jeweils 13.000 Liter Diesel und Super bleifrei anzuliefern.
Die Tanke mit dem für die heutigen Verhältnisse besonderen Flair gibt es schon seit dem Jahr 1950 am Marktplatz. Eröffnet hat sie Martin Grünbaum. Eigentlich war dieser Uhrmachermeister, verkaufte aber auch Fahrräder und reparierte diese. Sein Sohn Heinrich lernte Kfz-Mechaniker in Nürnberg, machte seinen Meister und kam 1965 nach Neuhof zurück, wo er mit dem Kfz-Bereich begann. Zuerst reparierte er nur Mofas und Mopeds, erzählt er, später gesellten sich auch Autos dazu. Mit im Team ist Anneliese Grünbaum, die Mutter von Fred Grünbaum. Sie und ihr Mann Heinrich sind heute noch Teil des Familienbetriebs und kümmern sich um die Tankstelle.
Anneliese Grünbaum übernimmt das Kassieren. Das kleine Sortiment im Verkaufsraum umfasst neben Pflegemitteln fürs Auto und Motor-Öl auch allerlei Tabakwaren und Getränke. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen im Laden noch Fahrräder veräußert wurden.
Der Fokus liegt jetzt auf den Autos. Diesen nehmen sich Fred Grünbaum und sein 20-jähriger Sohn Tobias, gelernter Kfz-Mechatroniker, in ihrer 1998 erbauten Werkstatt an. Es melden sich schon die ersten Kunden, die die Sommerreifen aufziehen lassen wollen. An jenem Nachmittag steht wieder ein Termin an.
Sohn Jonas tritt ebenfalls in die Fußstapfen seines Opas, Vaters und Bruders. Der 17-Jährige lernt bei einem Betrieb in Ansbach Kfz-Mechatroniker. Die Grünbaums suchen weitere Mitarbeiter, die das Familienteam ergänzen. Freie Stellen gibt es für einen Kfz Mechatroniker-Gesellen und einen Azubi, männliche, weibliche und diverse Bewerber sind gleichermaßen willkommen. „Interessierte können sich einfach bei uns melden“, betont Fred Grünbaum.
Verstärkung können der 50-Jährige und sein Sohn gebrauchen, nachdem ein Mitarbeiter in eine andere Sparte wechselte. An Arbeit mangelt es dem Duo nicht. Viel Urlaub machen sie nicht, die Tanke hat nur an zwei Tagen im Jahr nicht geöffnet. Das vor der Türe stehende Goggomobil bedarf allerdings keiner Reparatur. Es ist in einem Top-Zustand.
Dafür sorgt Vater Heinrich. Ihm gehört der 16 PS-starke Kleinstwagen, Jahrgang 1968. Früher hatten die Grünbaums eine Goggo-Vertretung. Das taubenblaue Exemplar stammt noch aus dieser Zeit. Allerdings kaufte Heinrich Grünbaum den Zwei-Takter vor rund 40 Jahren von einem Kunden wieder zurück. Seitdem wird er in den Sommermonaten für kleine Spritztouren genutzt, überfordern will er den Oldtimer aber nicht.
Er und seine Familie sind stolz auf ihren Betrieb, der jetzt schon die vierte Generation erlebt. So treffen Jung auf Alt und Nostalgie auf Moderne. Eines ist jedoch von Generation zu Generation geblieben: die Begeisterung für Autos, auch wenn diese heute mehr PS und Technik aufweisen.