Ein Schwamm ist ein praktischer Haushaltshelfer. Er nimmt Wasser auf und gibt es bei Bedarf wieder ab. Funktioniert dieses Prinzip auch, wenn eine Region sich zukünftig als Schwamm verstehen will? Die Kommunalen Allianzen Aurach-Zenn sowie Neustadt & Land wollen genau das ausprobieren.
Theresia Pöschl klingt immer noch ein wenig aufgeregt, als sie die vergangenen Wochen rekapituliert: Sehr kurzfristig habe man im Sommer davon erfahren, dass man sich als so genannte Schwammregion bewerben kann. „Dann haben wir uns für eine gemeinsame Bewerbung entschieden, haben die Anfang September abgeschickt und Anfang November den Zuschlag erhalten.“
Insgesamt seien in ganz Bayern zehn Regionen ausgewählt worden und nur eine einzige in Mittelfranken. Angesichts von insgesamt 27 Bewerbungen dürfe man den Zuschlag durchaus als Erfolg werten, so Markus Dohrer beim Pressetermin. Dohrer und seine Kollegin Eva-Maria Fell vertreten das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) und sollen unterstützend mithelfen. Die Bewerbung, so Dohrer, sei „sehr fundiert“ gewesen und habe viele kreative Ideen enthalten. Dass sich zwei Allianzen gemeinsam beworben hätten, sei wohl als weiteres Plus wahrgenommen worden.
Bürgermeister Klaus Meier (Neustadt) und sein Kollege Werner Wirth (Trautskirchen), Sprecher der beiden Allianzen, sagen unisono, sie seien stolz, den Zuschlag erhalten zu haben. Der Handlungsbedarf sei angesichts des sich rasant verändernden Klimas gegeben, so Meier – „wir müssen gegensteuern“. Und Werner Wirth erinnerte an Hochwasserereignisse vergangener Jahre, die auch für Trautskirchen „massive Folgen und Schäden“ gebracht hätten. „Die Wahrscheinlichkeit für solche Starkregenereignisse steigt und gleichzeitig sagt man, unser Landkreis ist die Sahelzone Mittelfrankens.“ Hochwasser und Dürre – durch den Klimawandel werde man sich künftig verstärkt zwischen diesen beiden Polen bewegen und „es muss unser Ziel sein, das Wasser in der Flur zu halten und im Optimalfall die Grundwasserpegel wieder zu erhöhen“.
Und genau das soll also nun die „Schwammregion“ leisten. Es gehe darum, die vielen bereits vorhandenen Ideen zu bündeln, weiterzuentwickeln, Überzeugungsarbeit zu leisten und sich zu vernetzen. Ob das die aufgelassenen Güllegruben als Wasserspeicher, die Gräben in den Feldern, die sich der „klimaresiliente Landkreis“ zu Nutze machen will, ob es die Initiative „boden:ständig“ ist, die gegen die Erosion vorgehen will oder kommunale Hochwasserschutzinitiativen – all das will man mit staatlicher Finanzhilfe künftig bündeln, ausarbeiten, verbreiten und mit neuen Ideen anreichern.
Maximilian Geier, Manager der Kommunalen Allianz Aurach-Zenn, gibt sich optimistisch. „Unsere Kernarbeit ist dabei die Kooperation und Vernetzung. Zwischen unseren beiden Allianzen gibt es kein Konkurrenzdenken und wir stehen schon mit anderen im Gespräch.“ Damit das Ganze kompetent gemanagt wird, werde man ein Fachbüro beauftragen – im Idealfall aus dem Bereich Landschaftsarchitektur. Dieses solle dann unter anderem die verschiedenen vorhandenen Konzepte begutachten, beurteilen und möglichst ausbauen sowie ein „Netzwerk schaffen“ und die wichtigsten Protagonisten überzeugen. Denn, so weiß auch Werner Wirth: „Ohne die Bauern wird es nicht gehen. Wir brauchen Flächen, das ist klar.“
Fünf Millionen Euro stellt der Freistaat bayernweit zur Verfügung, 90 Prozent der Personal- und 90 Prozent der Sachkosten werden übernommen. Wasserspeichernde Landwirtschaft, wasserrückhaltende Strukturen und „wassersensible Siedlungsentwicklung“ sind die Kernthemen. Klingt sehr theoretisch, aber Theresia Pöschl ist optimistisch, das sich einiges verwirklichen lässt: „Wir werden die Leute sensibilisieren, auf das Thema aufmerksam machen. Und überall gibt es Fördertöpfe, um Maßnahmen umzusetzen, die wirklich etwas bringen.“