Gemeinsam sitzen Siebtklässler aus der Mittelschule am Turm und Bewohner des Johann-Gramann-Hauses in der Runde und machen Sitz-Gymnastik. Während die Jugend etwas zaghaft die Tücher schwingt, sind die alten Menschen mit Elan dabei. Der Nachwuchs ist im Rahmen einer Kooperation mit der Senioreneinrichtung vor Ort.
Im Vorfeld hatte jeder der Siebtklässler aus der 7aG einem bestimmten Bewohner oder einer Bewohnerin einen Brief geschrieben. Darin hatte sie oder er etwas über sich erzählt. Alter und Hobbys wurden darin ebenso erwähnt wie die Zahl der Geschwister oder ob ein Haustier in der Familie lebt.
Mit schönen Zeichnungen versehen, wurden die Briefe den Adressaten zugestellt. Die freuten sich mächtig über die Post, erzählt Einrichtungsleiterin Julia Dennert. Sie ist begeistert, dass im Rahmen des Projektes Jung und Alt zusammenkommen, etwas voneinander lernen, sich neue Perspektiven öffnen. Vielleicht kommt dabei beim einen oder anderen sogar der Wunsch auf, später einmal eine Ausbildung im Seniorenbereich zu absolvieren. Doch das ist Zukunftsmusik.
Jetzt geht es erst einmal um das Miteinander. Angestoßen wurde das Ganze von Theresa Heger, die als Lehramtsanwärterin an der Neustädter Mittelschule ist. Im Fach Religion ist auch das Thema Diakonie Bestandteil des Lehrplans, sagt sie. Da empfiehlt es sich, rauszugehen, Erfahrungen zu sammeln.
Nachdem nun zusammen Gymnastik gemacht und die Senioreneinrichtung angeschaut wurde, stehen an den kommenden Freitagen noch ein gemeinsamer Gottesdienst, ein Ausflug zur Eisdiele und der Gegenbesuch der Seniorinnen und Senioren in der Mittelschule an. Dort können sie dann erleben, wie massiv sich das Schulleben seit ihre Jugend verändert hat. Den Senioren tut der Besuch der Jugendlichen gut, bringt Abwechslung, ist eine Bereicherung.
Aber auch für die jungen Leute ist es schön, stellte Heger fest. Viele waren schon aufgeregt, ihren Senior-Partner kennenzulernen, wussten sie doch nicht so recht, was auf sie zukommt, ob er oder sie etwa schwer krank ist. Die Berührungsängste sind nun verflogen.
Durch den Austausch und die Kontakte gewinnen die Jugendlichen noch etwas. „Sie lernen, auch einmal etwas auszuprobieren, dem man anfangs skeptisch gegenübersteht, aus ihrer Komfortzone herauszukommen“, sagt Theresa Heger.
Höflich und respektvoll auf andere Menschen zuzugehen, in diesem Fall die Seniorinnen und Senioren, ist etwas, das man jeden Tag pflegen kann, egal, wie alt das Gegenüber ist. Nach den vier Treffen ist eventuell noch ein weiteres im Advent geplant. Offen sind beiden Seiten dafür auf jeden Fall.