Das Unternehmen Tennet, das die Stromautobahnen mit hohen Spannungen baut, will seine 220-kV-Leitung in der Region durch eine 380-kV-Doppelleitung ersetzen. Betroffen ist auch das Umspannwerk in Wallmersbach. Der neue Wunsch-Standort von Tennet liegt einige Kilometer entfernt: südlich von Rudolzhofen.
36 Personen kamen zu einem Infomarkt in der Uffenheimer Stadthalle (Landkreis Neustadt). Das klingt nach wenig, doch Daniel Wölki, der Referent für Bürgerbeteiligung bei Tennet zeigt sich nicht unzufrieden. Die Bürgermeister und Abgeordnete seien im Vorfeld schon informiert worden. Mit Wolfgang Lampe aus Uffenheim wurde digital konferiert, mit seinem Amtskollegen aus Simmershofen, Florian Hirsch, am Tag des Infomarktes auch noch persönlich.
Das im Zuge der Erneuerung der 220-kV-Leitung zwischen Großkrotzenburg in Südhessen und Raitersaich in Mittelfranken auch das Umspannwerk Wallmersbach (Stadt Uffenheim) erneuert werden soll, war schon länger klar und so auch im Netzentwicklungsplan zu lesen. Neu war jetzt aber, dass nicht etwa an eine Erweiterung am bisherigen Standort gedacht ist, sondern ein neuer Platz gesucht wird.
Das Umspannwerk in Wallmersbach betreibt die N-Ergie, die in der Uffenheimer Stadthalle ebenfalls vertreten war. Der von TenneT favorisierte Platz für das neue Umspannwerk liegt nun südlich von Rudolzhofen (ebenfalls Stadt Uffenheim), ist vom eigentlichen Ort aber durch die Bahntrasse getrennt.
Zwei weitere Suchräume für die Stelle, an der das neue Umspannwerk gebaut wird, befinden sich nordöstlich von Adelhofen (Gemeinde Simmershofen) und nordöstlich von Custenlohr (Stadt Uffenheim). Favorisiert werde jetzt aber, zum Beispiel aufgrund der topografischen Lage, der größeren Entfernung zum Ort und der Anbindung an Straßen der „Suchraum E”, südlich von Rudolzhofen.
Zum Infomarkt war die interessierte Bevölkerung eingeladen, aber auch die Grundstückseigentümer, von denen mindestens zwei gekommen seien. Unter den Gästen war aber beispielsweise auch Bertram Bröse, Teamleiter im Bereich „Energie und Klima” im Landratsamt, und Erik Vorlaufer, der Bürgerwindräder in der Region plant.
Die Erzeuger regenerativer Energien warten sehnlichst darauf, dass der erzeugte Strom besser abtransportiert wird, bestätigte auch er. Immer wieder ist zu hören, dass fehlende Einspeisepunkte und Netzkapazitäten im Moment der größte Hemmschuh auf dem Weg zur Energiewende sind.
Die Pläne von TenneT sind ein Baustein dafür, wenn auch die Windrad- oder Photovoltaikbetreiber und -betreiberinnen normalerweise nicht in diese Stromautobahnen, sondern in Netze mit niedrigeren Spannungen einspeisen. Allerdings ist die Inbetriebnahme des neuen Umspannwerks erst 2037 vorgesehen, so dass noch geraume Zeit ins Land geht, bis sich an der Situation grundlegend etwas ändert.
In einem Jahr soll aber zumindest der Grundstückserwerb abgeschlossen sein. Die Fläche mit einer Größe von 400 mal 700 Metern soll ausreichen, dass sich auch N-Ergie dort mit ansiedeln kann. Schließlich besteht der Zweck eines Umspannwerks darin, dass Strom von einer Spannungsebene auf eine andere transformiert wird.
Die gesamte etwa 80 Jahre alte Main-Franken-Leitung – als eine von nur noch wenigen 220-kV-Leitungen in Bayern – soll neu gebaut werden, während die alte weiterbetrieben wird. Deshalb ergeben sich auch kleinere Unterschiede in der Trassenführung. Die Masten werden höher und tragfähiger, da die Abstände der jetzigen Leiterseile zum Boden für 380 kV nicht ausreichend wären.
Planungsbehörden für das Umspannwerk sind nach jetzigem Stand nicht einzelne Kommunen, sondern das Gesamtprojekt Leitung mit Umspannwerken wird von der Bundesnetzagentur bewilligt. Falls das aber nicht funktionieren würde, könnte man die Umspannungswerke (neben Wallmersbach geht es um ein weiteres in Trennfeld) aber auch noch aus der Gesamtplanung herausnehmen, erläuterte Wölki.