Gelbbauchunke und Kammmolch bekommen neuen Lebensraum im Rechtlerwald in der Brunst: Große und kleine Tümpel, die mit einem Bagger in den morastigen Boden gebuddelt werden. Dabei geht es aber nicht allein um „schöner Wohnen” für Amphibien: Auch dem trockenen Forst und damit den Waldbauern soll die Maßnahme helfen.
„Wenig Aufwand – großer Nutzen”: So umschreibt Gerald Ulrich, der Umweltschutzbeauftragte der Stadt Leutershausen, kurz und knapp das, was dieser Tage an 25 Standorten im 140 Hektar umfassenden Waldgebiet der Rechtlergemeinschaften Brunst und Eckartsweiler geschieht. Letztlich ist es eine Reaktion auf den rasanten Klimawandel und ein Versuch, dessen Folgen abzufedern. Der Kerngedanke: Die immer weniger werdenden Niederschläge sollen nicht schnell abfließen, sondern möglichst lang im Wald gehalten werden. Das nutzt Mensch und Natur gleichermaßen.
Das ist nicht weniger als eine 180-Grad-Wende. Früher lautete das Credo, das Wasser auf schnellstem Weg wegzubekommen. Da wurde begradigt und drainiert, was das Zeug hält. Doch inzwischen folgen immer öfter heftige Niederschläge auf längere Trockenperioden. Der ausgedörrte Boden kann die gewaltigen Regenmengen dann nicht so schnell aufnehmen. Das Wasser läuft davon, statt zu versickern – und macht dann an Bächen und Flüssen Ärger mit Überflutungen. Der Forst aber geht leer aus.
Gerhard Schönknecht und Andreas Ebert sind verantwortlich für die Rechtlerwälder Brunst und Eckartsweiler. Vor eineinhalb Jahren wandten sie sich an Gerald Ulrich mit der Bitte um Hilfe. Schließlich gibt es Fördermittel des Freistaates Bayern über den Landschaftspflegeverband und den Naturpark Frankenhöhe. Die beiden Waldführer kennen die Probleme im Forst: Immer häufiger gibt es dort Trockenschäden und in der Folge Borkenkäfer-Befall.
Gemeinsam mit Revierförster Christian Beil erarbeiteten Ebert und Schönknecht ein Konzept, suchten geeignete Standorte für Mulden und Teiche aus. „Wir wollen, dass das Wasser dort versickert, wo es runterkommt”, fasst Schönknecht die Strategie zusammen. „Das geht mit einfachsten Mitteln”, ergänzt Ebert: „Man braucht nur einen Bagger.” Letztlich dienten die Tümpel dann auch dem Kleinklima.
Städtische Flächen wie der Rechtlerwald böten sich an, die Fehler der Vergangenheit nun wieder rückgängig zu machen, sagt Gerald Ulrich. Und das mit minimalem finanziellen Aufwand für die Kommune: Die 6000 Euro, die das einwöchige Baggern im Wald kostet, bekommt die Kommune zu 90 Prozent bezuschusst. Zeitraubend sei lediglich der Antragsprozess und das Warten auf freie Fördermittel gewesen.
Von Umweltschutz mit „positiven Nebeneffekten für die Wasserwirtschaft” spricht Leutershausens Bürgermeister Markus Liebich und hebt das bürgerschaftliche Engagement aus den Reihen der Rechtler, also der fast vier Dutzend Waldnutzer in dem Gebiet, hervor. Was der Forstwirtschaft dient, nutzt Mensch und Natur zugleich.
„Die Gelbbauchunke und der Kammmolch sind nur die Posterboys”, erklärt Naturpark-Ranger Wolfgang Wenk. Die beiden streng geschützten Arten seien längst nicht die einzigen Profiteure der neuen, nassen Habitate. Auch andere, weniger gefährdete Amphibien freuten sich über Wasser im Wald, aber auch Rehe und Wildschweine.
Wenk leitet die Arbeiten im Rechtlerwald. Er bespricht mit dem Baggerfahrer, wie die auf die verschiedenen Tierarten zugeschnittenen, unterschiedlich groß und mal flach, mal tiefer gestalteten Tümpel angelegt werden sollen, die sich teils kaskadenähnlich aneinander reihen. Schönheitspreise werden dabei nicht vergeben; zu akkurat soll der lehmige Aushub, aus dem kleine Wälle und Deiche entstehen, nicht planiert werden. Je gröber das Erdreich aufgeschüttet wird, desto schneller siedle sich dort Flora und Fauna an, sagt der Ranger.
Erfahrung hat man inzwischen mit dieser Art des Naturschutzes. Seit 2020 gibt es laut Wenk das auf die Gelbbauchunke fokussierte Projekt im Naturpark. „Flachslanden macht es vor”, fügt Klimamanager Ulrich hinzu. Dort seien bereits hunderte solcher Mulden angelegt worden. Nach anfänglicher Skepsis wachse inzwischen auch das Verständnis in der Bevölkerung für derartige Maßnahmen, freut sich der Ranger. Schließlich würden hier „Lebensräume für nachfolgende Generationen” geschaffen – und nicht nur für Lurche aller Art.